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Makelloses Klangbild
16.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Udo Barth

Erstmals machte ein Ensemble der Berliner Philharmoniker bei den Osterfestspielen einen Abstecher nach Rastatt, um mit einem fantastisch aufgestellten vokalen Solistenquintett den siebenteiligen Kantatenzyklus "Membra Jesu nostri" von Dietrich Buxtehude in einer geradezu mustergültigen Aufführung zu präsentieren.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Gastspiel nicht singulär bleibt, denn der Ahnensaal des Schlosses bildet die ideale Klangkulisse für barocke Werke in Reinkultur. Es war eine "coole" Angelegenheit nicht nur für das Publikum, sondern auch für Violone, Theorbe und die Gamben, die im nicht beheizbaren Saal immer wieder nachgestimmt werden mussten.

Für die Passionszeit des Jahres 1680 schrieb Buxtehude dieses oratorische Werk, in dem er sich direkt an die Sinne des Zuhörers wendet und diesen am Leiden Christi teilhaben lässt. Das Ensemble Concerto Melante unter der Leitung des Geigers Raimar Orlovsky und die hochkarätige vokale Solistenriege (die Soprane Hanna Herfurtner und Monika Mauch, Altus Alexander Schneider, der Tenor Johannes Gaubitz und Harry van der Kamp, Bass) bilden die sieben Teile, in denen jeweils ein bestimmtes Körperglied des gekreuzigten Christus verehrt wird, geradezu plastisch und physisch erlebbar ab. Die fünf Sänger, ob im Chor oder mit wechselnden solistischen Aufgaben betraut, lassen mit herausragender Diktion und Artikulation die emotionalen Botschaften des Textes in die Herzen der Zuhörer fließen. Damit gelingt ihnen mit enormer Ausdruckstiefe eine hoch bewegende, ja aufrüttelnde Darstellung dieser Kantaten. Die Interpretation besticht durch feine Nuancierung und sorgfältige Abstufungen, dramatische und kontemplative Wendungen ergänzen sich stimmig, ohne dabei über die melancholische Grundtönung hinauszugreifen. So schön kann Trauer klingen.

Es ist zutiefst beeindruckend, wie die beiden Soprane und der Bass in der Kantate "Ad cor" mit schwebenden Tönen das verwundete Herz Christi verstummen lassen. In "Ad pectus" sind die Männerstimmen für die Verehrung der Brust zuständig. Da leuchtet der hell strahlende Tenor von Johannes Gaubitz, während in "Ad genua" die schlank geführte Alt-Stimme von Alexander Schneider in seiner Arie genau den richtigen Tonfall trifft. Das Ensemble Concerto Melante unterstützt diese vokalen Leistungen mit einem makellosen Klangbild, welches alle Farbnuancen auskostet. Eine starke Darbietung dieser Leiden Christi bis zum Hoffnung spendenden Amen am Schluss. Großer Applaus.

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