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Im Umgang mit Bibern wirkt Wissen Wunder
Im Umgang mit Bibern wirkt Wissen Wunder
17.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Mit einem Modellprojekt nach bayerischem Vorbild wollen die Minister Peter Hauk (Landwirtschaft) und Franz Untersteller (Umwelt) eine Grundlage schaffen für den künftigen Umgang mit Bibern in Baden-Württemberg. Beide Koalitionspartner loben die Einigung, die notwendig geworden war, nachdem die CDU-Fraktion einen Kompromiss auf Regierungsebene noch einmal strittig gestellt hatte.



"Früher hatte es der Biber einfacher", schreibt der BUND in einer Broschüre: "Er konnte bauen, stauen und fressen, wo und wie er wollte. Bei seiner Rückkehr fand er jedoch ein Land vor, in dem jeder Quadratmeter Fläche im Besitz des Menschen ist."

Besonders hart traf die neue Art des Zusammenlebens die Menschen in Mietingen. In der gut 4 000 Einwohner zählenden Gemeinde im Landkreis Biberach hatten Biber durch Dammbau einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet. Eine Ausnahme vom Bundesnaturschutzgesetz, um die wild lebende Biberfamilie zu töten, lehnte das Regierungspräsidium Tübingen ab. Die Entscheidung hatte auch vor Gericht Bestand, unter anderem, weil Drainagen zur Regulierung des Wasserstandes in den Biberdamm hätten eingebaut werden können.

Gerade die Donauregion, sagt Hauk, sei "von der Biberproblematik in besonderer Weise betroffen". Mit dem Modellprojekt zum Management solle zudem der Tatsache Rechnung getragen werden, dass zum Bestand von rund 5 000 Tieren im Land pro Jahr etwa 1 500 hinzukommen: "Wenn wir nicht handeln, wären wir dann in sechs Jahren bei 20 000 Tieren." Die wiedereingewanderte Art habe "praktisch keine natürlichen Feinde, und damit findet eine natürliche Regulierung so gut wie nicht statt".

Für Bayern hat der BUND Regelungen miterarbeitet, die dem Motto gehorchen: "Es gibt für alle Fälle vernünftige Lösungen." Die Ausgangslage ist ohnehin eine andere: Gut 100 Tiere sind schon vor mehr als 40 Jahren mit Genehmigung des Landwirtschaftsministeriums an verschiedenen Stellen ausgesetzt worden. Inzwischen gehen Fachleute von rund 16 000 Bibern in mehr als 4 500 Revieren aus. Konflikte sind dementsprechend an der Tagesordnung, werden aber von zwei hauptamtlichen Bibermanagern entschärft, die ihrerseits mit inzwischen mehr als 400 ehrenamtlichen Biberberatern vor Ort zusammenarbeiten.

"Wissen wirkt Wunder", heißt es in einer Zwischenbilanz des BUND. Die Bibermanager sind in ganz Bayern unterwegs, halten Vorträge, veranstalten Exkursionen und Führungen. Gemeinsam mit den zuständigen unteren Naturschutzbehörden werden pro Jahr rund 150 schwerwiegende Konflikte gelöst, auch mithilfe des 2008 aufgelegten Ausgleichsprogramms. Der entsprechende Fonds ist mit fast einer Million Euro gefüllt. Außerdem dürfen Biber im Freistaat umgesiedelt und in eng begrenzten, einzeln genehmigten Fälle auch erlegt werden.

Möglichkeiten zu töten oder, wie es weichgespült heißt, zur "Entnahme", werden jetzt auch in Baden-Württemberg geprüft. Ob es zu einem Ausgleichsfonds kommt, müssen die anstehenden Beratungen des Doppelhaushalts zeigen. Die Chancen stehen auf den Weg zur Schuldenbremse allerdings schlecht. Untersteller hatte im Februar einen von mehr als 1 000 Landwirten unterzeichneten Vorstoß abschlägig beschieden, weil der Staat dann auch für die Schäden durch andere frei lebende Tiere aufkommen müsste. Und weil seiner Meinung nach der Verweis auf Bayern nicht zieht: Denn dort sind Biber nicht wie nach Baden-Württemberg zugewandert, sondern eben mit Behördenunterstützung angesiedelt worden.

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