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Markantes Gebäude am Marktplatz - aber ohne Turm
18.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Hasenauer

Freiburg - Bundesweit dürfte es aktuell nur wenige Projekte geben, bei denen die Kirchen vor der Herausforderung stehen, neue Strukturen und Angebote für mehrere Tausend Christen aufzubauen. Wachstum und kreative Ideen statt Kirchenaustritte und Missbrauchsskandal. Möglich macht dies eines der größten Bauprojekte der Republik: Freiburg plant, in den kommenden Jahren auf der grünen Wiese einen neuen Stadtteil für bis zu 15 000 Menschen zu bauen. Nach dem positiven Bürgerentscheid vor wenigen Wochen ist der Weg nun endgültig frei.

"Dabei ist schnell klar gewesen, dass wir uns als Kirchen möglichst früh in die Planungen einbringen möchten", sagt Michael Hartmann, Pastoralreferent und gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Björn Slenczka Leiter der kirchlichen Projektgruppen. Das sei keineswegs selbstverständlich, wie große Neubauviertel - etwa in München - zeigten, die ohne Kirchenbeteiligung realisiert werden. Die Zeiten, in denen Stadtviertel selbstverständlich um einen zentralen Kirchenbau wuchsen, sind vorbei. Auch in Freiburg sahen die ersten Entwürfe des zweistufigen Architekturentwurfs keine kirchliche Präsenz vor. Daraufhin meldeten sich die Kirchen bei der Stadt mit ihren Vorstellungen zu Wort.

Und laut aktueller Planung des Siegerentwurfs für den neuen, 130 Hektar großen Stadtteil Dietenbach ist nun ein markantes Gebäude am zentralen Marktplatz für die Kirchen reserviert. "Die Kooperation mit den städtischen Planern war von Anfang an extrem wohlwollend und positiv", so Slenczka. Doch welche Angebote und Einrichtungen stellen sich die Kirchen vor? Um dies möglichst breit zu diskutieren, gründeten Katholiken wie Protestanten je eine eigene Projektgruppe. Einig war man sich zugleich, ein gemeinsames, ökumenisches Konzept zu entwickeln. Planungsgrundlage ist die Prognose, wonach rund 40 Prozent der neuen Stadtteilbewohner katholisch oder evangelisch sein werden. Dies wären zwischen 5 000 und 6 000 Christen.

Das kirchliche Zentrum setzt auf vier Bereiche: Erstens sollen öffentliche Räume Begegnung und Austausch ermöglichen und den zentralen Marktplatz beleben. Denkbar sind ein Café sowie kirchliche Räume, die für Versammlungen und Feiern oder auch von Jugendgruppen und Vereinen genutzt werden können. Zweitens wird es eine Kindertagesstätte oder ein Familienzentrum geben. Als Ort für Gottesdienste, aber auch für geistliche Gespräche und als Raum der Stille ist drittens eine Kapelle geplant - prinzipiell offen für katholische, protestantische und ökumenische Feiern. Dabei haben sich die Kirchen bewusst gegen den Bau eines großen Gotteshauses mit hohem Kirchturm entschieden. Ein großer Kirchenraum, der die meiste Zeit der Woche ungenutzt wäre, sei nicht sinnvoll.

Schließlich ist den Kirchen wichtig, das für das gesamte Stadtviertel ausgegebene Ziel eines finanziell erschwinglichen und sozial durchmischten Wohnens zu fördern. Daher wollen die Kirchen viertens verbilligte Wohnungen, etwa für Familien oder auch für Menschen mit Behinderung bauen, etwa in den Etagen über Kita und Kapelle.

Für die Stadt Freiburg begrüßt der Sprecher des Dietenbach-Projekts im Stadtplanungsamt, Ingo Breuker, die Ideen der Kirchen. "Auch weil sie zur Identitätsstiftung des neuen Stadtviertels beitragen." Zugleich lädt Breuker die Kirchen ein, auch über den christlichen Horizont hinauszudenken. "Vielleicht wäre es sinnvoll, das Zentrum etwa auch für Muslime oder andere Religionen zu öffnen." Slenczka und Hartmann wissen um diese Anfrage. Indes sei es "extrem mühsam" etwa bei den Muslimen geeignete Ansprechpartner zu finden.

Der entscheidende nächste Schritt ist die Etatentscheidung für das Kirchenengagement. Vier Grundstücke im neuen Stadtviertel gehören bereits der katholischen Kirche. Die Flächen sollen im Tausch für ein zentrales Grundstück am Marktplatz in die städtischen Gesamtplanungen eingehen.

2021 soll der erste Bebauungsplan stehen. "Dann könnten die ersten Bewohner 2025 einziehen", so Stadtplaner Breuker. Auch hier wollen die Kirchen schnell dabei sein. "Ein neues Stadtquartier braucht von Anfang an Räume des Austauschs", so Hartmann.

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