https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Straßenbahnfahrer meistens nicht schuld
Straßenbahnfahrer meistens nicht schuld
23.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Christopher Hirsch

Karlsruhe - Ein Lastwagen fährt bei Rot über eine mehrspurige Kreuzung, kracht in eine Straßenbahn und hebt sie aus den Gleisen. 17 Menschen werden verletzt. Eine 37-jährige Frau stirbt bei dem Versuch, die Gleise an einer Straßenbahnhaltestelle zu überqueren. Zwei dramatische Unfälle, die sich dieses Jahr innerhalb eines Monats in Karlsruhe ereignet haben. Hat die Stadt ein Problem mit Straßenbahnunfällen?

Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aus dem Jahr 2016 sagt "ja": Sie zeichnet ein Bild von Karlsruhe als besonders gefährliche Stadt. Bei den Todesfällen, an denen Straßenbahnen beteiligt waren, verzeichnete die Stadt 2018 sogar einen Höchststand.

Doch geht man tiefer in die Zahlen, zeigt sich ein anderes Bild. Denn die Gesamtzahl der Verunglückten war 2018 so niedrig wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. Laut Polizeistatistik kamen im vergangenen Jahr in Karlsruhe 56 Menschen bei Straßenbahnunfällen zu Schaden. In Stuttgart waren es 84, in Mannheim 59, in Freiburg 52 und in Heidelberg zwölf. Absolute Zahlen sagen allerdings wenig über die Verkehrssicherheit aus, unter anderem wegen der Größenunterschiede der Städte.

Im Verhältnis zu den Fahrgastzahlen verzeichnet Karlsruhe von den fünf Städten sogar den niedrigsten Anteil Geschädigter. Spitzenreiter ist Mannheim, gefolgt von Freiburg. Stuttgart und Heidelberg liegen im Mittelfeld. Diese Rechnung berücksichtigt allerdings weder die Anzahl der Züge noch gefahrene Kilometer und auch strukturelle Unterschiede machen solche Vergleiche schwierig. In Stuttgart fahren Straßenbahnen beispielsweise auch unterirdisch, das "Karlsruher Modell" kombiniert ein innerstädtisches Straßenbahn- mit einem regionalen Eisenbahnnetz.

Matthias Zimmermann, Leiter der Abteilung Straßenentwurf und -betrieb am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), hält Karlsruhe nicht für außerordentlich gefährlich: "Relativ auf die Anzahl der Bahnen habe ich keine Indizien, dass es hier kritischer ist."

Wie kann es dann sein, dass in Karlsruhe 2018 laut Polizeiangaben vier Menschen bei Unfällen mit Straßenbahnen gestorben sind? In Mannheim waren es zwei, in Stuttgart einer. So dramatisch diese Unfälle sind, sie spiegeln nicht die Gesamtentwicklung wider.

Der Einzelfallcharakter macht es zudem besonders schwierig, tödliche Unfälle zu verhindern. Orte tödlicher Straßenbahnunfälle liegen meist weit verstreut. Man könne diese Unfälle nur schwer systematisieren, sagt Zimmermann. Nur die wenigsten Unfälle werden von Straßenbahnen verursacht, rund zehn Prozent schätzt der Verkehrsexperte des KIT. In der Regel seien es Regelverstöße und Unaufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer, die zu Unfällen führen: Autofahrer, die bei Rot fahren, unerlaubt abbiegen oder wenden. Fußgänger, die noch schnell über Gleise gehen oder abgelenkt sind.

Man müsse Verkehrsteilnehmer dafür sensibilisieren, dass sie sich mit bestimmten Verhaltensweisen selbst gefährden, sagt Zimmermann.

In Karlsruhe trainieren Straßenbahnführer mittlerweile für solche Fälle: "Wir haben für eine Million Euro vor einigen Jahren einen Fahrsimulator angeschafft, wo unsere Fahrer auf gefährliche Situationen hin geschult werden", sagt Michael Krauth, Pressesprecher der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG).

Auch baulich versuchen die Verkehrsbetriebe, Unfällen vorzubeugen. Zum Beispiel mit sogenannten Z-Übergängen. Die sollen die Blickrichtung der Fußgänger in Richtung einfahrender Bahnen lenken. "Wir tun als Verkehrsunternehmen hier alles, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten", sagt Krauth. Ein Pilotprojekt mit Guide-Lights, in den Boden eingelassene Lichtleisten, wird von der VBK allerdings nicht weiter verfolgt. Neben technischen Problemen bestehe die Gefahr, dass sich Verkehrsteilnehmer nur noch auf die Technik verließen, sagt Krauth. Matthias Zimmermann sieht das ähnlich.

Am Ende können Baumaßnahmen allein Unfälle nicht verhindern. Die im März gestorbene Frau verunglückte an einer Haltestelle mit Z-Übergang, der gerade verhindern soll, dass die Menschen Bahnen übersehen. Michael Krauth appelliert an den Einzelnen: "Letztendlich ist jeder Verkehrsteilnehmer für die eigene Sicherheit und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer verantwortlich."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Karlsruhe
Pkw kollidiert mit Straßenbahn

01.04.2019
Pkw fährt in Straßenbahn
Karlsruhe (red) - Im Bereich der Rüppurer Straße / Kriegsstraße kam es am Sonntagabend kurz nach 22.30 Uhr zu einem Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einer Straßenbahn. Laut ersten Ermittlungen ist dabei ein Sachschaden von rund 35 000 Euro entstanden (Foto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Am Donnerstagabend findet die Bambi-Gala erstmals in Baden-Baden statt. Werden Sie sich die Übertragung im Fernsehen anschauen?

Ja.
Nein.
Das weiß ich noch nicht.

https://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1