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"Schneemoler" und Frauen am Webstuhl
27.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Hans-Dieter Fronz

Der Schwarzwald ist die vielleicht bekannteste Landschaft Deutschlands; jedenfalls zählt er zu den beliebtesten deutschen Urlaubszielen. Dieser Umstand dürfte nicht zuletzt dem verlockenden Klang des Namens zu verdanken sein. Schwarzwald: Schon das bloße Wort versetzt einen in urwüchsige Natur, lässt an dunklen Tann und Landschaften mit ausgedehnten Wäldern denken.

Dabei ist der Schwarzwald geradezu das Musterbeispiel einer Kulturlandschaft. Im 19. Jahrhundert bestand er weitgehend aus nackten Bergkuppen und waldlosen Tälern: Für den Betrieb der Glashütten oder das auf dem Rhein nach Holland geflößte Holz war der Schwarzwald weitgehend abgeholzt worden. Um gleichwohl die beliebte Tourismusregion von heute werden zu können, musste er im Laufe des Jahrhunderts erst wieder mühsam aufgeforstet werden. Noch Hans Thomas Ölbild "Schwarzwaldwiese bei Bernau" (1874) zeigt über die idyllische Szenerie des Vordergrunds mit Bäumen hinaus im Blick in die Ferne eine zwar anmutige, aber kahle Hügellandschaft.

Das Bild des berühmtesten Schwarzwaldmalers ist jetzt im Augustinermuseum Freiburg zu sehen. Die Ausstellung "Schwarzwaldgeschichten. #blackforeststories" versammelt 70 Gemälde bekannter und weniger bekannter Maler des 19. und 20. Jahrhunderts - ein wahrhaft herzerfrischender Bilderreigen. Der Hashtag im Titel schlägt die Brücke zur Gegenwart: Die Besucher können eigene Schwarzwald-Fotos auf eine Instagram Wall posten und somit selbst Teil der Ausstellung werden.

Die Ausstellung malt ein facettenreiches Bild des Schwarzwalds. Gegliedert ist sie in thematische Sektionen. Wie "Romantik und Idylle" oder "Alltag und Arbeit"; sämtliche Exponate stammen aus der Sammlung des Museums. Zum Auftakt werden Schwarzwaldlandschaften mit Fernblick geboten - wie Hermann Dischlers "Winterlandschaft im Schwarzwald" von 1904. Der als "Schneemoler" bekannt gewordene Künstler malte seine vielen Landschaftsbilder nach fotografischen Vorlagen.

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Die Arbeitswelt

Farbig verklärt durch das Morgen- oder Abendrot, sind Dischlers "Vereiste Tannen am Feldberg" fast zu schön, um wahr zu sein. Ein Schnee- und Winterlandschaftsmaler war auch Karl Hauptmann. Seine urtümlichen Schwarzwaldhöfe sind, wie in einem Gemälde von 1926, eingebettet in idyllische Natur. Der mit Hermann Dischler befreundete Julius Heffner wählte für seine topografisch exakt gemalten Landschaften meist einen erhöhten Standpunkt; so in "Hofsgrund am Schauinsland" (1939/40).

Auf den Wasserreichtum des Schwarzwalds spielt ein Werk wie Fritz Reiss' Gemälde "Auf dem Hotzenwald" an - in der dichten Bewölkung über der Landschaft. Auch sein "Einsamer Schwarzwaldhof" duckt sich in weiter Landschaft unter dichtem Gewölk. Franz Grässel sucht den intimeren Bezug zur Landschaft und lenkt den Blick auf die Szenerie des Bildvordergrunds. Bezaubernd auch seine impressionistisch hingetupfte "Wiese mit Blumen" von 1904. In seiner "Gutacherin auf der Wiese" macht er in der jungen Frau mit versonnenem Blick den Menschen in der Natur zum Thema.

Das geschieht auch in zahlreichen Gemälden, deren Sujet der Alltag und die Arbeitswelt im Schwarzwald sind. Paul Segisser zeigt einen Uhrmacher in seiner Werkstatt, Christian Landenberger Frauen am Webstuhl. Andere Bilder gewähren Einblick in eine Glasbläserei oder eine Hammerwerkstatt. Wilhelm Hasemanns Landschaftsbild "Karfunkelstadt" erinnert schon im Titel an die im Schwarzwald beheimatete Edelsteinschleiferei. Bei Curt Liebich rückt eine "Schwarzwaldmühle" in den Fokus. Herzhafte Nahrung fürs Auge ist auch Karl Roux' "Hirtenbub mit Kühen".

Wilhelm Hasemanns malte um 1900 sein "Schwarzwaldhaus" so stimmungsvoll, dass man den frischen Herbstwind zu verspüren meint, der ums Haus in weiter Landschaft streicht. Am Schluss des Parcours gesellen sich Bildnisse hinzu - wie Dionys Ganters Doppelporträt eines vornehmen Ehepaars in Elztäler Tracht. Die Frau trägt einen gelben Zylinder! - Ein junges Mädchen in Hotzenwälder Tracht porträtierte der belgische Maler Joseph van Lerius. Es entstand auf einer seiner zahlreichen Reisen, die ihn 1851 auch in den Schwarzwald führte. Das Bild zeugt darin zugleich von der touristischen Erschließung des Schwarzwalds im 19. Jahrhundert. Bis 6. Oktober.

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