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Kleine Schädlinge unter Beobachtung
Kleine Schädlinge unter Beobachtung
30.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Marius Merkel

Forbach - Mit rund 4,5 Millimetern ist der Borkenkäfer mit dem bloßen Auge kaum zu sehen. Trotz seiner geringen Größe ist er in Wirtschaftswäldern als Schädling gefürchtet. Um diesem Schaden entgegenzuwirken, gibt es im Nationalpark Schwarzwald das Borkenkäfermanagement. Bei einem Rundgang veranschaulichten dort gestern Thomas Waldenspuhl, Leiter Nationalpark, und Bernd Schindler, Gebietsleiter Region Nord (Hoher Ochsenkopf/Plättig), die Maßnahme.

"Ziel des aufwendigen Projekts ist der Schutz der angrenzenden Wirtschaftswälder vor dem Ausbreiten des Borkenkäfers aus dem Nationalpark", sagt Waldenspuhl. Damit dieser Fall nicht eintritt, ist der Nationalpark von einem 500 Meter breiten Puffergürtel umzogen. In dieser Schutzzone wird der Borkenkäfer von den Waldarbeitern des Nationalparks resolut bekämpft. In diesem Gebiet werden frisch befallene Bäume entfernt, damit sich aus den in den Rinden abgelegten Eiern keine neue Käfergeneration entwickelt.

15 Mitarbeiter durchstreifen deshalb regelmäßig dieses Gebiet mit rund 4,5 Millionen Bäumen, um befallene Bäume frühzeitig zu entdecken. "Wir untersuchen in unserem zuständigen Gebiet die einzelnen Bäume und achten dabei auf typische Erkennungsmerkmale des Befalls. Hinweise auf die Käfer sind unter anderem das Fraßbild, Bormehl oder der Harzausfluß", sagt Michael Albrecht, Forstwirt im Nationalpark.

Haben Albrecht und seine Kollegen einen befallenen Baum gefunden, wird dieser markiert und der Standort in eine spezielle Software eingepflegt. Innerhalb von zwei Wochen müssen die Forstwirte die markierten Bäume fällen und aus dem Pufferstreifen abtransportiert. Damit kann die Brut im Baum nicht mehr ausfliegen.

Zum ganzheitlichen Borkenkäfermanagement gehören noch weitere Gesichtspunkte. Zum Beispiel muss unter dem Aspekt der Waldentwicklung darauf geachtet werden, dass in den Pufferstreifen auch genügend Fichten im richtigen Alter wachsen, um dem Käfer überhaupt Anflugpunkte zu bieten. Hier sind Entwicklungen über mehrere Jahrzehnte vorauszuplanen und zu steuern. Auch das Fallenmonitoring in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg ist bedeutend: So kann anhand von Käferzählungen in Lockstofffallen die Entwicklung der Population beobachtet und bei einem Anstieg schon frühzeitig mit der Planung von Gegenmaßnahmen begonnen werden.

Knapp 30 verschiedene Arten des Käfers leben im Nationalpark . Ihr Schwärmflug sei etwa von Anfang April bis Ende Oktober. "Es hängt stark von der Witterung ab", sagt Waldenspuhl. Die Käfer befallen vor allem Fichten, die älter als 40 Jahre oder etwa durch das Wetter beschädigt sind.

Während man in der Pufferzone den Borkenkäfer bekämpft, können sich die winzigen Tiere in der sogenannten Kernzone des Parks frei entfalten. "Da es im Nationalpark kein wirtschaftliches Ziel gibt, kann es auch keinen wirtschaftlichen Schaden geben", sagt Schindler. Bäume in der Kernzone dürfen nach einem Käferbefall sterben und zerfallen. Viele Tierarten leben in dem toten und morschen Holz und finden Unterkunft, Schutz sowie Nahrung.

Wie alle anderen Tiere und Pflanzen gehöre der Borkenkäfer zum natürlichen Kreislauf und schaffe Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen, indem er den Wald lichter mache. Unter anderem der Dreizehenspecht tauche dadurch seit einiger Zeit wieder im Nationalpark auf. Der Vogel ernährt sich nämlich auch von den Larven der Käfer. "In der Kernzone lassen wir die Natur Natur sein. Hier greift der Mensch nicht ein", sagt Thomas Waldenspuhl und macht deutlich, dass der Borkenkäfer durchaus mehr als nur ein Schädling ist.

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