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Karlsruher Südstadt im Investoren-Fokus
07.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Knopf

Karlsruhe - In der Karlsruher Südstadt geht die Sorge um, dass finanzstarke Investoren Häuser aufkaufen und diese luxussanieren, sodass die Wohnungen für die lokalen Einwohner unerschwinglich werden. Den Anfang machte das Lokal "Walhalla" in der Augartenstraße.

Nach etlichen Dekaden schloss die griechische Gaststätte, die ein beliebter Treffpunkt der Südstädter war. Ein Investor kaufte das Gebäude. "Wir sehen die Gefahr einer Luxussanierungswelle und Umwandlung bisheriger Miet- in Eigentumswohnungen in größerem Ausmaß und befürchten eine Entwicklung, die dem Charakter der Südstadt elementar widersprechen würde", sagt Martina Hillesheimer, Vorsitzende der Bürgergesellschaft Südstadt (BGS). Neben dem Gebäude der "Walhalla" habe derselbe Investor zwei weitere Wohnblöcke in der Augartenstraße erworben. Es dringe nur wenig an die Öffentlichkeit. Aber offensichtlich finde ein reger Aufkauf statt.

Die Südstadt mit einer eher einkommensschwachen Bevölkerung, hohem Migrationsanteil, alter Bausubstanz und der Problemklientel am Werderplatz scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv für Investoren. Doch weit gefehlt, denn gerade hier läge aus Investorensicht brachliegendes Kapital. "Für Investoren ist die Lage der Südstadt äußerst attraktiv. Der Stadtteil ist nicht weit von der City und dem Hauptbahnhof entfernt", so Hillesheimer. Wenn nun Gebäude luxussaniert würden, wäre das für die Bewohner fatal. "Dann werden die Mieten zu teuer für die Menschen, die hier schon jahrzehntelang leben. Oder die Wohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt, die sich die bisherigen Mieter erst recht nicht leisten können", fürchtet Hillesheimer. Die Folge: Die Bewohner, die den Charakter des Multikulti-Stadtteils ausmachen, würden durch einkommensstärkere Schichten verdrängt - Stichwort Gentrifizierung.

Damit es soweit nicht kommt, fordert die Bürgergesellschaft eine soziale Erhaltungssatzung respektive Milieu-Schutz für die Südstadt. Darin soll verankert werden, dass bisherige Mietwohnungen nicht durch Luxussanierungen für die Wohnbevölkerung unbezahlbar werden, Mietwohnungen nur in Ausnahmefällen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, bei Verkauf von Mietshäusern ein Vorverkaufsrecht für die Stadt respektive die Mietergemeinschaften besteht sowie für den Verkauf von Immobilien eine Preisbindung auf Basis des aktuellen Bodenrichtwerts plus Gebäudewert vorgegeben wird.

Mit dem Anliegen hat sich die Bürgergesellschaft an Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und Baubürgermeister Daniel Fluhrer gewandt. Hillesheimer ist optimistisch, dass sie Gehör findet. Schließlich ist Kommunalwahlkampf, und etliche Partien haben ihre Unterstützung zugesagt.

Unter anderem die Sozialdemokraten stellen sich bereits hinter die Forderungen der Südstädter. "Wir beobachten einen verstärkten Ankauf von Gebäuden wie in der Augartenstraße, die anschließend umfassend saniert werden. Eine Verdrängung der Mieter im Quartier ist zu erwarten, da die Mieten deutlich steigen würden. Dem wollen wir vorbeugen. Ein Milieu-Schutz wäre ein geeignetes Mittel dagegen", betont Michael Zeh von der SPD-Stadtratsfraktion in Karlsruhe. Zumal es bereits Vorbilder für derartige Satzungen in Städten wie Freiburg und Konstanz gebe.

Die BGS-Vorsitzende Hillesheimer pflichtet bei: "Man muss natürlich genau überlegen, wie man so eine Satzung formuliert. Ein Nachteil wäre ja, wenn gar nichts mehr in der Südstadt passiert. Aber wir möchten hier einen ersten Schritt machen, dass funktionierende Strukturen erhalten bleiben."

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