https://www.top-zusteller.de/
https://www.top-zusteller.de/
Stillgelegte Müllverbrennungsanlage am Rhein geht wieder in Betrieb
09.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Lorey

Straßburg/Kehl - Die direkt am Rhein gelegene Straßburger Hausmüllverbrennungsanlage am Rohrschollen soll im Juli nach zweieinhalb Jahren Stillstand und umfassenden Sanierungsarbeiten wieder voll in Betrieb gehen. Das gab der Präsident des Rats der Eurometropole Straßburg, Robert Herrmann, im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte von Kehl und Straßburg bekannt.

200 Millionen Euro seien in die Asbestsanierung und die technische Modernisierung der Anlage investiert worden. Während der Wiederaufbau dem Abschluss entgegengehe, hätten die ersten Kalttests begonnen. Nach den heißen Tests werden die Linien schrittweise wieder in Betrieb genommen: Anfang Juni die erste Linie, Mitte Juni die zweite und Anfang Juli 2019 die dritte und letzte (vorausgesetzt, dass die geplanten Bauabläufe eingehalten werden können).

2014 hatten Mitarbeiter der Anlage wegen gesundheitsschädlicher Arbeitsbedingungen und für mehr Lohn gestreikt. Grund waren zu hohe Dioxinwerte in der Abluft. Dennoch durfte damals die Betreiberfirma Sénerval den Betrieb im Auftrag der Eurometropole unter mehr Kontrollen und strengerer Auflagen weiterführen.

Rund zwei Jahre später zog aber die Präfektur die Reißleine und verfügte die Abschaltung der Anlage - wegen Asbests auf dem Gelände und an den Fassaden.

Im Sommer soll nun nach Angaben von Herrmann die Müllverbrennungsanlage wieder in Betrieb gehen. Die Zahl der Verbrennungsöfen habe man von vier auf drei reduziert, um die jährlich rund 270 000 Tonnen Abfall zu verbrennen und zu verwerten, die auf dem Gebiet der Eurometropole (160 000 Tonnen pro Jahr), aber auch aus benachbarten Gemeinden (50 000 Tonnen) und Gewerbetreibenden aus dem Département Bas-Rhin (60 000 Tonnen) anfallen.

Die Anlage gehöre zu den Einrichtungen, die am meisten Energie zurückgewinne, so Herrmann weiter. Sie sei energieautark und speise ein Dampfnetz für Industriebetriebe sowie ein Nahwärmenetz. Außerdem gebe sie Strom in das Netz des Energieversorgers Electricité de Strasbourg ab.

Zweieinhalb Jahre lang wurde der Abfall unter großer logistischer Herausforderung auf 17 andere Anlagen in Frankreich verteilt - bis ins Umland von Paris und die Bourgogne. Die sanierte Anlage würde bei den Grenzwerten für Luftschadstoffe unter denen Frankreichs und sogar unter den strengeren der EU liegen.

Für die Wiederinbetriebnahme der Anlage, mit der wieder die Firma Sénerval beauftragt wird, verspricht die Eurometropole größtmögliche Transparenz, wozu zwei Tage der offenen Tür im August beitragen sollen.

Eigene Schadstoffmessungen veröffentlicht der Betreiber auf seiner Internetseite in französischer und deutscher Sprache, dazu weitere Informationen über den Betrieb der Anlage (Bauarbeiten, Umleitung der Abfälle, Umweltüberwachung). Zusätzlich prüft alle drei Monate ein unabhängiges Labor und es gibt jährliche Kontrollen der Aufsichtsbehörde Dreal.

Während des Stillstands der Anlage wurden auf Anordnung der Präfektur Grundwasser, Regenwasser, alle Ableitungen der Kanalisation überwacht. Es habe dabei keine besonderen Anomalien gegeben.

Das Biomonitoring über die Auswirkungen von atmosphärischen Niederschlägen auf den Großraum Straßburg-Kehl wurde während des Stillstands der Anlage ebenfalls fortgesetzt. Die Ergebnisse der Messkampagnen, die 2017 bis 2018 stattfanden, hätten gezeigt, dass der Stillstand der Müllverbrennungsanlage keine Auswirkungen auf die beobachteten Werte hatte, im Gegensatz zum Straßenverkehr und der Industrie.

Auswirkungen auf



Umwelt befürchtet

Die grüne Straßburger Gemeinderätin Jeanne Barseghian forderte in der anschließenden Aussprache, dass Herkunft und Zusammensetzung des angelieferten Abfalls strikt kontrolliert werden müssten. Sie bezweifelte, dass es nach Inbetriebnahme zu keinen Auswirkungen auf die Niederschläge in der Region komme.

Richard Schüler, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kehler Gemeinderat zeigte sich "überrascht", dass die Müllverbrennungsanlage wieder in Betrieb geht. Er würde sich wünschen, dass es von Straßburger Seite dazu umfassende Informationen vor dem Start gebe. Dies sei durchaus machbar, antwortete Herrmann.

www.senerval.eu

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Rastatt
Schulessen: Ruf nach Regio-Lösung

08.05.2019
Schulessen: Ruf nach Regio-Lösung
Rastatt (ema) - Im Rastatter Gemeinderat wird der Ruf laut nach einer lokal-regionalen Lösung für die Zubereitung der Mittagessen in der Gustav-Heinemann- und Karlschule. Auslöser ist die städtische Entscheidung, dass eine westfälische Firma dies künftig übernehmen soll (Foto: Archiv). »-Mehr
Baden-Baden
Mehr Sauberkeit in der Kurstadt

07.05.2019
Mehr Sauberkeit in der Kurstadt
Baden-Baden (lsw) - Wer in Baden-Baden seine volle Mülltonne zu früh auf die Straße stellt, zahlt in Zukunft eine saftige Geldbuße: 100 Euro Strafe drohen. Das beschloss am Montagabend der Baden-Badener Gemeinderat im Rahmen eines neuen Abfallkonzeptes (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Karlsruhe
Polizei überwacht Abi-Feiern, um Exzess zu verhindern

06.05.2019
Polizei will Exzess verhindern
Karlsruhe (red) - Nachdem im vergangenen Jahr die Abi-Feiern im Karlsruher Schlossgarten die Rettungsdienste an die Grenzen ihrer Kapazität gebracht hatten, hat die Polizei einen konkreten Plan, um dies in diesem Jahr zu verhindern (Symbolfoto: Dittrich/Archiv/dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Abschreckung für ´Schmutzfinken´

04.05.2019
Ärger über Müll an Glascontainern
Baden-Baden (hez) - Auch Abfall gehört öfters zum Baden-Badener Stadtbild. Dagegen will die Verwaltung nun mit einem Sauberkeitskonzept vorgehen. Diskutiert wurde jetzt im Bauausschuss vor allem über die Vermüllung der Glascontainer-Standorte (Foto: Klaputek). »-Mehr
Freiburg
Straßenfest endet in Randale

01.05.2019
Randale bei Straßenfest
Freiburg (dpa/lsw) - Nach einem Straßenfest in Freiburg hat die Polizei in der Walpurgisnacht mindestens 39 Feiernde vorübergehend festgenommen. Einige von ihnen wehrten sich heftig dagegen. Ein Polizist wurde verletzt, er bekam einen Fußtritt ab (Foto: dpa). »-Mehr
Umfrage

Erstmals gibt es in Deutschland eine Professur für die Erforschung der Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Gesundheit. Ist dieser Schritt nötig?

Ja.
Nein.
Weiß nicht.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1