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"Europa durchdringt den Alltag"
11.05.2019 - 07:41 Uhr
Von Dieter Klink

Baden-Baden - Evelin König ist überzeugte Europäerin. Gerade ist sie wieder stark im Einsatz für die europäische Idee. Die SWR-Moderatorin ist das Baden-Badener Gesicht von "Pulse of Europe". Die Pro-Europa-Bewegung lädt derzeit jeden Sonntagnachmittag auf die Fieserbrücke, um für die Teilnahme an der Europawahl zu werben. "Es geht um viel. Das motiviert alle Kraft", sagt König.



"Als Pro-Europäer wollen wir erreichen, dass die zuletzt magere Wahlbeteiligung höher ausfällt." Bei der letzten Europawahl waren es bundesweit 48 Prozent. "60 Prozent wären famos", hofft König.

"Die Menschen, die gegen Europa sind, sind ohnehin mobilisiert. Wir müssen diejenigen motivieren, die es noch nicht so auf dem Schirm haben", erläutert die TV-Moderatorin. Sie alle sollen zur Wahl gehen und möglichtst pro-europäische Parteien wählen.

Also nimmt sie teil an der Kampagne der europaweiten Pro-Europa-Bewegung. "Freiheit wächst nicht auf Bäumen. Frieden ist kein Naturgesetz. Zusammenhalt kann man nicht online kaufen." Diese Aussagen stehen auf Plakaten und Postkarten der Aktion.

Für König ist es selbstverständlich, sich dafür zu engagieren. "Europa durchdringt den Alltag. Schon morgens, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe, denn die EU garantiert sauberes Trinkwasser und die Wasserqualität", veranschaulicht die Journalistin. Auch im Umweltbereich sei die EU aktiv. "Der Landesnaturschutzverband hat erst neulich darauf hingewiesen, dass die Renaturierung von Gewässern in Europa ohne die EU nicht möglich gewesen wäre." Die großen Fragen könne man nur europäisch regeln. Man müsse sich nur die Dimensionen vorstellen: "Für China und die USA ist Deutschland doch ein Klecks auf der Landkarte."

Man dürfe Europa nicht auf den Krümmungsgrad der Gurken reduzieren. Das sei nur die Bürokratie. Europa sei aber mehr als das. Leider kämen die Emotionen dafür zu kurz. Der frühere EU-Kommissionsvorsitzende Jacques Delors habe wohl Recht gehabt mit seinem Satz: "Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt." Man müsse wohl eine neue Geschichte erfinden, die zeige, wie wichtig Europa ist. Die Idee des Friedens, des Zusammenwachsens, der gemeinsamen Währung - all das ziehe offenbar nicht mehr, obwohl es alles stimme und für sie weiter wichtig bleibe.

Die 53-Jährige ist seit 2017 bei "Pulse of Europe" dabei. Brexit und Trump waren für sie ein Weckruf. "Man muss den Hintern hochkriegen, denn man kann etwas tun", sagt sie über ihre Bereitschaft, für Europa auf die Straße zu gehen.

Die Sichtbarkeit der Bewegung sei zuletzt etwas zurückgegangen, ziehe jetzt vor der Wahl aber wieder an. Man habe das Engagement in den Monaten davor etwas verlagert - von der Straße hin zu sogenannten Hausparlamenten. Die Idee dahinter: Man lädt Leute zu sich nach Hause und diskutiert mit ihnen über eine von "Pulse of Europe" gegebene Frage. Es gibt einen Gesprächsleitfaden, es wird kontrovers diskutiert, das Ganze wird protokolliert. "Pulse of Europe" bringt die Erkenntnisse dann in Berlin und Brüssel ein. Für König ein spannender Prozess. "Wir müssen wieder lernen, uns gegenseitig zuzuhören. Bei Gesprächen mit anderen merkt man dann, ob die eigenen Argumente tragen."

Ihr gefällt an "Pulse of Europa", dass die Bewegung so breit aufgestellt ist. Überparteilich, von links bis konservativ sei alles vertreten. Alle vereint die Idee, Europa mit einem positiven Image zu verbinden und zu vertreten. König hofft auf mehr Europa. "Es muss ein gefühltes Europa werden, wir müssen uns emotional als Europäer begreifen. Denn es ist kein Widerspruch: Ich kann Badenerin, Oberschwäbin, Deutsche und Europäerin sein. Die Identitäten haben ihre Berechtigung, wenn das große Ganze gefestigt ist", ist sie überzeugt.

Wichtig ist König, dass sich die Nationen in Europa verbindlich an Regeln halten. "Über Rechtsstaatlichkeit und Demokratie brauchen wir nicht zu diskutieren", sagt sie mit Blick auf bedenkliche Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa. Auch müsse die Politik Antworten auf die Vorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron geben. "Macrons Vorschläge sind doch eine wunderbare Diskussionsgrundlage. Vielleicht können wir als Bürger eine Reaktion darauf formulieren", überlegt sie.

"Pulse of Europe" werde sich auch über die Wahl hinaus für die Europa-Idee einsetzen. Zu den Kundgebungen komme bisher meist die ältere Generation. "Für viele Junge ist Europa selbstverständlich. Sie sind damit groß geworden, studieren mal hier und mal dort. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass es mal anders war oder auch mal wieder anders sein könnte", bedauert sie. Wie die Jugend mehr für Europa zu motivieren sei? Dafür braucht es möglicherweise die von König gesuchte neue Erzählung. Ideen sind willkommen.

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