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Comeback für die Schiene
21.05.2019 - 06:20 Uhr
Von Volker Neuwald

Baden-Baden - Das Auflisten stillgelegter Bahnstrecken, die möglicherweise für eine Reaktivierung infrage kommen, hat dieser Tage Konjunktur. Drei Wochen, nachdem das Verkehrsministerium in Stuttgart mit 41 Vorschlägen in die Öffentlichkeit ging, legen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz Pro Schiene jetzt mit weiteren für den Südwesten nach. Beide Listen sind nicht deckungsgleich. Zum Teil geht es um Personen-, zum Teil um Güterverkehr. Es besteht die Gefahr, dass in der Bevölkerung Erwartungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können.

In einer gestern in Berlin vorgestellten Liste mit bundesweit 186 Strecken sind rund 40 Vorschläge mit etwa 600 Kilometern Länge für Baden-Württemberg enthalten. Zum Teil wurden die Strecken bereits vor Jahrzehnten stillgelegt.

So taucht in der Liste die acht Kilometer lange Verbindung zwischen Ludwigsburg und Markgröningen auf. Dort gibt es seit 1975 keinen Personenverkehr und seit 2005 keinen Güterverkehr mehr. Weitere Beispiele sind Mannheim - Schwetzingen (acht Kilometer), oder Heilbronn - Marbach (35 Kilometer).

In Mittelbaden wird die Verbindung von Baden-Oos zum Alten Bahnhof Baden-Baden (vier Kilometer) aufgeführt, ebenso die Strecke Rastatt - Iffezheim - Wintersdorf (neun Kilometer), die dann weiter über den Rhein führen soll. Von Iffezheim ließe sich zudem die Bahnstrecke zum Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden anbinden, die weiter nach Kehl reaktiviert werden könnte.

Das Verkehrsministerium in Stuttgart hat einen anderen Ansatz gewählt. 2018 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. In einem Beteiligungsverfahren gaben daraufhin kommunale Gebietskörperschaften und Verkehrsverbände Vorschläge aus regionaler Sicht ab. 75 Strecken wurden vorgeschlagen. Nach fachlicher Prüfung blieben 41 übrig, die für eine Reaktivierung infrage kommen.

Auf der Ausschnittskarte oben sind einige davon zu sehen: Bühl - Stollhofen (Nummer acht), Ettlingen West - Ettlingen Erbprinz (11), Graben-Neudorf - Hochstetten (16), Neureut - Mühlburg (19) und Rastatt - Haguenau (29). Alle genannten Linien sind als "zu untersuchende Reaktivierungsstrecken (aktuell ohne Personenverkehr) klassifiziert.

Bei diesen Strecken werden nun bis Ende 2020 das Fahrgastpotenzial sowie die erforderlichen Investitionen untersucht. Am Ende sollen etwa 15 Strecken übrigbleiben, so die Vorgabe. Wenn sich die kommunale Seite für eine Reaktivierung entscheidet, können Fördermittel beantragt werden.

Bis 2030 könnten nach Angaben von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) etwa 100 Kilometer Bahnlinien reaktiviert werden.

Hermann reagierte gestern positiv auf die zusätzlichen Vorschläge von VDV und Allianz Pro Schiene. Das Land Baden-Württemberg werde die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken so gut wie möglich unterstützen. "Wenn der wirtschaftliche Betrieb nachgewiesen wird, sind wir gerne bereit, uns finanziell zu beteiligen, um den Schienenverkehr als umwelt- und klimafreundliche Form der Mobilität auszubauen." Fördermittel für die Reaktivierung von Bahnstrecken sind gut angelegtes Geld, wirbt der Minister.

Ob die Kreise und Kommunen das auch alle so sehen, ist offen. Das Land kann Investitionen wie den Streckenausbau oder eine mögliche Elektrifizierung über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGFVG) fördern. Außerdem können auch Mittel für die Schülerbeförderung bereitgestellt werden. Bau und Betrieb müssen allerdings kommunal finanziert werden.

Das Elsass

nicht vergessen

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, verwies auf Erfolge mit wiederbelebten Strecken. "Zum Teil wurden Prognosen, die vor der Reaktivierung erstellt wurden, um das Zehnfache übertroffen."

Vor wenigen Tagen hatte das BT über die neue Tramverbindung zwischen Straßburg und Kehl berichtet. Die Fahrgastzahlen übertreffen nach Angaben der Straßburger Verkehrsbetriebe CTS mit mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Fahrten pro Jahr alle Erwartungen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, bei allen Reaktivierungsplänen das Elsass nicht zu vergessen. Der Wintersdorfer Rheinbrücke kommt dabei eine Schlüsselstellung zu.

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