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"Wald vor Wild"
'Wald vor Wild'
24.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Florian Krekel

Baden-Baden - Wenn sich Hans von der Goltz im Baden-Badener Stadtwald umblickt, sieht er viel Positives. Er sieht, wohin es für die anderen Kommunen in Deutschland gehen soll: zum ausgewogenen und strukturierten Mischwald, der sich durch eine natürliche Verjüngung auszeichnet. Was der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) an der kurstädtischen Waldfläche so sehr schätzt, ist nämlich vielerorts in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Die Bedrohungen für den Wald sind dabei vielschichtig.

An forderster Front der Risikofaktoren steht einer, den die meisten Menschen so nicht auf dem Zettel haben. Wild. Überhöhte Schalenwildbestände - also etwa Hirsche und Rehe - verhinderten auf großen Teilen der deutschen Waldfläche den strukturellen Umbau des Forstes, "indem sie beispielsweise gnadenlos Mischbaumarten herausfressen", so von der Goltz.

Dass das nicht nur eine bloße, schwarzmalerische Theorie ist, hat die ANW durch 250 Testfelder in verschiedenen Regionen Deutschlands bewiesen. Auf zehn mal zehn Meter großen Feldern zäunten die Experten Waldgebiete mit nachwachsenden Bäumchen ein. Auf diesen Arealen entwickelten sich im Bundesschnitt 3,8 Baumarten. Auf einem Testfeld gleicher Größe ohne Wildzaun waren es von der Goltz zufolge gerade einmal 1,1. Heißt im Klartext: "Wird das Wild nicht auf ein zumutbares Maß reduziert, ist ein Mischwald nicht realisierbar." Warum aber gerade dieser sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch in Zeiten des Klimawandels so wichtig ist, weiß von der Goltz ebenfalls mit Zahlen zu untermauern: Während in einem monokulturell angelegten Wald 25 Prozent des jährlichen Holzeinschlags aufgrund von äußeren Einflüssen wie Trockenheit, Sturm und Borkenkäferbefall zurückzuführen sind, seien es in einem Mischwald gerade einmal acht Prozent. Außerdem gehe jede Baumart mit den Umweltfaktoren und Schädlingsbefall anders um, weswegen ein Mischwald, wie ihn Baden-Baden hat - hier ist das Mischverhältnis zwischen Laub- und Nadelholz in etwa 50/50 - vor Totalverlust schütze. Ein solcher sei, das zeigen sich aktuell in Nordrhein-Westfalen, nicht nur eben wirtschaftlich ein großer Schaden, sondern auch ökologisch. So müssen im Land von Rhein und Ruhr erstmals Kommunen aufwendig ihr Trinkwasser aufbereiten, weil eine natürliche Reinigungsfunktion durch ein Versickern im Waldboden - wie es sie in Baden-Baden gibt - aufgrund des starken Rückganges des Forstes nicht mehr möglich sei.

Deshalb hat die ANW drei zentrale Forderungen formuliert, die auch Gegenstand der aktuell erstmals in Baden-Baden stattfindenden Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft sind. Zentraler Satz darin: "Wald vor Wild". Der Wildbestand müsse erst einmal soweit reduziert werden, dass sich der Wald natürlich verjüngen und so auch umstrukturiert werden kann.

Gefordert sind dabei laut von der Goltz vor allem die Jäger, die sich ihrer Verantwortung bewusst sein müssten und nicht nur auf Trophäenjagd aus sein dürften. "Jagd ist kein Hobby", so d er Experte. Das ist zugleich die zweite Forderung: Die Jäger müssten in die Mitverantwortung für den Erfolg des Mischwaldes genommen werden. Aktuell sei das aber in entsprechenden Regelwerken nicht so formuliert, sondern es gehe nur darum, den wirtschaftlichen Schaden klein zu halten.

Die dritte Forderung besagt, dass nach Ansicht der ANW der Wildbestand und somit die nötige Abschussquote zukünftig nach dem Verbiss und dem Vegetationsschaden bestimmt werden soll, und nicht wie bisher von den Jägern geschätzt wird. Denn das werde oft nicht objektiv betrieben und so liege die Abschussquote beispielsweise bei Rehwild um bis zu 300 Prozent neben einem geeigneten Wert, betont von der Goltz.

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