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Karlsruher bleiben auf Tuchfühlung
Karlsruher bleiben auf Tuchfühlung
25.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Stefan Jehle

Karlsruhe/Stuttgart - Wenn jetzt zum Ende des Monats Mai im Karlsruher Zoo die neue Elefanten-Anlage in Betrieb geht, dann bleibt es in einem Aspekt wie bisher: Die Tierpfleger werden auch künftig den direkten Kontakt mit den imposanten Vierbeinern suchen. Bei der Elefantenhaltung in Karlsruhe handele es sich "um eine spezialisierte Haltungsform für ausschließlich ältere Tiere", sagt ein Sprecher. Dagegen haben die Zoos in Basel und Heidelberg schon vor einiger Zeit auf sogenannten "geschützten Kontakt" ("protected contact") umgestellt. Das plant bis 2025 auch die Wilhelma in Stuttgart.

Bislang wirkten die Außenflächen, die den nach Gewicht und Statur größten Säugetieren im Karlsruher Tierpark zur Verfügung stehen, recht bescheiden: Es sind gerade mal etwa 1 000 Quadratmeter. Bis zu vier Tiere lebten dort noch bis 2017, derzeit sind es zwei. Mehr als 2 000 Quadratmeter kommen nun im südlich angrenzenden Areal des Zoologischen Stadtgartens hinzu. Die zur "Altersresidenz" umgebaute Elefanten-Anlage wird weiterhin ein Unikat sein. Gedacht als Aufnahmestation für betagte Einzeltiere.

Dabei soll das Konzept "Hands on" - der direkte Kontakt zum Tier - beibehalten werden. "Bei extrem pflegeintensiven Elefanten muss man direkt an das Tier herankommen", sagt der Revierleiter Robert Scholz, Chef des Tierpflegeteams bei den Dickhäutern. Das gilt für die notwendigen tierärztliche Untersuchungen, aber auch etwa, wenn ein älterer Elefant nicht mehr von alleine aufstehen kann. Dafür hat man in Karlsruhe spezielle Vorrichtungen wie Hebekissen, Hebebänder und Schwerlastkräne. Bis zu sechs Tonnen wiegt ein asiatischer Elefant.

In Karlsruhe gebe es derzeit "keine Überlegungen vom aktuell praktizierten direkten Kontakt in ein ,protected contact' umzusteigen", erläutert Zoo-Sprecher Timo Deible. "Direct contact" - so die Fachsprache der Zoologen, meint den unmittelbaren Kontakt des Tierpflegers mit dem Elefanten; "protected contact" - also ein geschützter Kontakt, wird nur durch stabile Gitter-Konstruktionen möglich. "Bis etwa ein Zirkuselefant an Pflegemaßnahmen im ,protected contact' gewöhnt wäre, könnten Monate vergehen", sagt Deible. Die Karlsruher Haltungsform orientiert sich an Einzeltieren - auch auf der künftig verdreifachten Fläche wird keine Umstellung auf Zuchthaltung möglich sein.

Jede der beiden Haltungsformen hat wohl für sich genommen ihre Berechtigung. Für Besucher in Karlsruhe ist der unmittelbare Umgang der Pfleger mit den Elefanten ein gewohntes Bild - etwa beim Gang über die kleine Brücke inmitten des Stadtgartens. Ähnlich ist das auch in der Stuttgarter Wilhelma, wo derzeit die beiden Elefantenkühe Pama (52 Jahre alt) und Zella (51) leben - auf einem bislang vergleichbar bescheiden wirkenden Außengelände.

Doch das soll sich ändern. So wie der Zoo in Heidelberg (mit Umstellung 2010) - und der für Südbaden und Elsass gleichermaßen bedeutsame Zoo in Basel (Umstellung 2016), plant auch die Stuttgarter Wilhelma "den geschützten Umgang".

"Wir möchten, dass Elefanten in ihrer eigenen Sozialstruktur leben und agieren", sagt Zoochef Thomas Kölpin. Der Direktor der Wilhelma - des mit Abstand größten Zoos im Südwesten - führt seit 2018 innerhalb der "EAZA", der europäischen Gesellschaft für Zoos und Aquarien, die Fachgruppe für Elefanten. Aus Tierschutzgründen sei der ,protected contact" zu bevorzugen, immer mehr Zoos würden "im Sinne der Elefanten umstellen", ist Kölpin überzeugt. Da gehe es auch darum, dass ein hierzulande, in Europa, geborener Elefant "sein eigenes Elefanten-Ego entwickeln könne". Dazu gehört für ihn die in freier Natur übliche Ausbildung eines Systems der Rangordnung.

Die Wilhelma plant eine Junggesellengruppe - und eine Zuchtherde. Auf dem künftig etwa 1,5 Hektar großen Gelände (Baubeginn 2022, mit etwa drei Jahren Bauzeit) sollen laut Kölpin künftig bis zu 14 Tiere leben können.

Die bisherigen Haltungsformen für die im Bestand als gefährdet geltenden asiatischen Elefanten hält der Biologe "für ein Auslaufmodell". Diese von Menschen genutzten Tiere seien "gebrochen worden", dabei oft auch angebunden gewesen. "Solche Tiere lassen sich dominieren", weil sie den Tierpfleger weiterhin "auch als ranghöher betrachten".

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