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"Digitalisierung kann Museen besser machen"
'Digitalisierung kann Museen besser machen'
01.06.2019 - 00:00 Uhr
Deutschland hat mit bundesweit 6 700 Häusern eine außergewöhnlich vielfältig aufgestellte Museumslandschaft. Die Digitalisierung und das Ringen um Finanzierung bei teils dramatisch steigenden Kosten stellen viele Museen vor große Herausforderungen, wie der Präsident des Deutschen Museumsbunds, Eckart Köhne, im Interview mit Volker Hasenauer betonte. Der Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe glaubt, dass Museen mit neuen Ideen und Konzepten auch künftig entscheidende Orte sein werden, um Kultur und Kunst zu erleben.

Interview

BT: Herr Professor Köhne, beim Fußball gilt: Geld schießt Tore. Wie sieht es bei den Museen und Ausstellungshäusern in Deutschland aus?

Eckart Köhne: Das Ausstellungsgeschäft wird immer teurer und damit nicht einfacher. Bei den Sonderausstellungen sind die Kosten für die Versicherung von Leihgaben, für Transport und konservatorische Anforderungen in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Insofern gilt: mehr Geld gleich mehr Spielräume. Andererseits: Konzept und Idee einer Schau entscheiden. Auch mit kleineren Etats lassen sich relevante und für die Besucher spannende Ausstellungen machen.

BT: Wie sieht es im laufenden Spielbetrieb aus?

Köhne: Das ist aus meiner Sicht viel wichtiger als der Blick auf die Sonderausstellungen. Denn die Museen haben in ihrer Grundlagenarbeit und im Normalbetrieb dramatisch Federn lassen müssen. Oft passiert das schleichend, weil ihre Budgets nicht entsprechend der Inflationsrate, dem Teuerungsindex und den Tariferhöhungen gestiegen sind. In der Folge sind Museen heute wesentlich weniger leistungsfähig als vor 20 Jahren. Hier müssen die Träger der Museen endlich reagieren. Sonntagsreden über die Bedeutung von Museen als Bildungsträger reichen nicht.

BT: Gleichzeitig fordern viele kostenlose Eintritte, damit der Museumsbesuch nicht zum Luxusgut wird.

Köhne: Richtig ist, dass die Eintrittspreise keine Hürde bilden dürfen. In Baden-Württemberg hat das Wissenschaftsministerium eine Evaluation zum freien Eintritt in Auftrag gegeben; auf die Ergebnisse sind wir sehr gespannt. Die spannende Frage ist, wie die Einnahmeausfälle ausgeglichen werden können.

BT: Wie stehen Sie zum Sponsoring durch Unternehmen?

Köhne: Das ist nicht verwerflich - im Gegenteil. Warum sollen Banken nicht Kulturpflege betreiben oder ein Technikunternehmen kein Technikmuseum unterstützen? Aber natürlich müssen sich Museen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind, überlegen, mit wem sie zusammenarbeiten wollen.

BT: Welche Probleme oder Chancen bringt das Megathema Digitalisierung für die Museen?

Köhne: Die Digitalität verändert das Museum im Inneren wie auch in der Außenwirkung. Im Badischen Landesmuseum haben wir ein aufs Haus zugeschnittenes Betriebssystem entwickelt, das alle Prozesse vom Ticketkauf bis zur Objektdatenbank verknüpft. Aber entscheidend ist der Wandel, wie Museen mit ihren Besuchern - wir sprechen gerne von Nutzern - in Kommunikation treten können. Die Erfahrung zeigt: Je mehr Museen in digitale Sichtbarkeit investieren, desto mehr physische Besucher haben sie.

BT: Wie werden sich Museum künftig verändern?

Köhne: Wichtig wäre, dass die Sammlungen für alle Bürger vollständig transparent werden. Wir wollen offen zeigen, was in unseren Depots und Archiven liegt. Denn letztlich gehören diese Schätze den Bürgern. Am Badischen Landesmuseum kann man künftig etwa von zu Hause aus recherchieren und Objekte bestellen, um sie beim nächsten Besuch anzuschauen. Die Menschen werden Museen und Ausstellungen sehr viel individueller wahrnehmen können. Niemand will sich künftig noch vorschreiben lassen, was sie oder er sehen oder gar denken soll.

"Sammlungen müssen transparent werden"

BT: Geht damit aber nicht auch etwas verloren, etwa die Chance, durch eine für alle gleich konzipierte Ausstellung gesellschaftliche Debatten anzustoßen?

Köhne: Auch solche Projekte wird es weiter geben. Es ist keine Einbahnstraße, dass nur noch die Besucher und Nutzer sagen, was das Museum sein soll. Museen müssen auch künftig gesellschaftlich relevant sein und eigene Sichtweisen präsentieren und anbieten. Es geht darum, im Dialog zu stehen.

BT: Welche Bedeutung werden religiöse Themen und Fragestellungen in der säkularen Gesellschaft haben?

Köhne: Auch wenn es eine so säkulare Gesellschaft wie heute noch nie gab: Jede historische Ausstellung ist zwangsläufig auch religiös. In der Archäologie stammen 90 Prozent der Funde aus Gräbern. Hier sind vielfach religiöse Kultpraktiken entscheidend. Die enge Verbindung von Kultur und Religion gilt über alle Zeiten hinweg - bis ins 20. Jahrhundert. Und vielleicht erscheint heutigen Besuchern manche historische Ausstellung auch deshalb etwas sperrig, weil religiöses Grundlagenwissen verloren gegangen ist. Und dann ist es die Herausforderung für das Museum, diese Basics zu vermitteln.

BT: Und wird damit das Niveau nicht abgesenkt?

Köhne: Nein, es geht nicht um ein niedriges Niveau, sondern darum, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Dafür sollte sich niemand zu schade sein. Alles andere wäre auch wissenschaftliche Arroganz.

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