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"Kein pauschal geeignetes Mittel"
'Kein pauschal geeignetes Mittel'
07.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Baden-Württembergs Kunststaatssekretärin Petra Olschowski hatte bald nach ihrem Amtsantritt den Stein ins Rollen gebracht: Museen sollten sich durch freien Eintritt in ihre Dauerausstellungen einem neuen Publikum öffnen und die kulturelle Teilhabe stärken. Wenig später musste sie sich vom Ministerpräsidenten zurückpfeifen lassen. Immerhin wurde eine Studie in Auftrag gegeben. Die liegt jetzt vor, ist 245 Seiten stark und zeichnet ein differenziertes Bild. "Freier Eintritt", resümiert Olschowski, "ist kein pauschal geeignetes Mittel, um mehr Menschen anzusprechen."

Nur wenige Tage nach ihrer Vereidigung traf die frühere Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart auf Martin Roth. Der vor zwei Jahren verstorbene gebürtige Stuttgarter war Direktor des berühmten Victoria & Albert Museums (V&A) gewesen und in die Landeshauptstadt gekommen, um für freien Eintritt zu werben: "In einer Stadt wie London, wo schon das Atmen Geld zu kosten scheint, müssen wir Räume zum Wohlfühlen schaffen."

Die V&A-Zahlen sind eines der weltweit bekanntesten Beispiele dafür, wie sich Besucherstrukturen bei freiem Eintritt verändern. Jährlich fast vier Millionen Menschen besuchen das Museum mit seinen 150 Räumen - viele, so heißt es, kommen eigens in der Mittagspause, um sich vor einem einzigen Bild eine Auszeit zu gönnen. Roth war ein glühender Verfechter der These, dass große und kleine Häuser ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durch den Verzicht auf Eintrittspreise auf besondere Weise gerecht werden können und müssen.

Wohlfühlen wollen sich auch Besucher und Besucherinnen im ZKM oder im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, im Landesmuseum Württemberg, in der Stuttgarter Staatsgalerie oder dem Mannheimer Technoseum. In vielen Antworten, die sich für die Karlsruher Agentur Kulturevaluation Wegner aus der Untersuchung ergeben, steckt der Teufel im Detail - zum Beispiel in Sachen gesellschaftliche Teilhabe. "Die Unterschiede nach Bildungsabschlüssen sind hinsichtlich des Besuchsgrunds freier Eintritt nicht signifikant, auch nicht an einzelnen Museen", heißt es. Allerdings: "Dies kann damit zusammenhängen, dass die deutliche Mehrheit der Befragten - 62 Prozent - über einen Hochschulabschluss verfügt."

Von Bedeutung ist die Feststellung der Studie, dass "Befragte, die allgemein selten Museen besuchen, häufiger wegen des freien Eintritts kamen und tendenziell auch eher von Eintrittspreisen abgeschreckt wären". Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche sei "vermehrt ein Besuchsanreiz für Jüngere, Familien und Personen mit formal niedrigeren Bildungsabschlüssen". Und eine andere Erkenntnis spricht dafür, dass Museen sich bei freiem Eintritt sehr wohl eignen, die Mittagspause darin zu verbringen: Denn der Verzicht auf den Obolus "führt häufig dazu, dass sich Besucher kürzer im Museum aufhalten".

Viele Einzelheiten müssen erst noch geprüft werden. Nach Olschowskis Ansicht wird sich als Ergebnis der Befragung herausstellen, dass freier Eintritt keinesfalls "für alle Museen, Alters- und Besuchergruppen zielführend" sei. Vielmehr seien die Erwartungen an Ausstellungsprogramm, Vermittlung, Service oder Öffnungszeiten mindestens ebenso wichtig. So gesehen könnte sich die grün-schwarze Landesregierung bei ihren Überlegungen zum weiteren Vorgehen eine ganz bestimmte Gruppe herausgreifen, die gleich auch noch den Ruf Baden-Württembergs in die Welt tragen könnte: Aus dem Landesmuseum Württemberg auf dem Stuttgarter Schlossplatz wurde ein regelrechter Touristenmagnet. Da schließt sich der Kreis zum V&A, das für Roth einer der größten Hotspots in England war - natürlich dank freiem Eintritt.

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