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Eine Nacht für "Lenny"
Eine Nacht für 'Lenny'
11.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Karl Georg Berg

Der amerikanische Bariton Thomas Hampson, einer der herausragenden Sänger unserer Zeit, hat ein ausgesprochen breites Repertoire und war im Festspielhaus Baden-Baden schon mit Mozart und Mahler, Wagner und Verdi oder Operettenmusik zu hören. Besonders wichtig ist dem Künstler die Pflege des Lieds und dabei vor allem die Pflege der Lieder seiner Heimat. Er hat dafür eine eigene Stiftung mit dem schönen Namen "Hampsong" gegründet, die sich auf vielfältige Weise um amerikanische Lieder und die amerikanische Musik verdient macht.

Um deren Ansehen stand es in Kreisen der musikalischen Hochkultur bei uns lange nicht zum Besten, galt Musik aus den USA doch als hoffnungslos konventionell in der Tonsprache oder bloß kommerziell mit ihrer Nähe zum Showbiz. Dabei fand schon Arnold Schönberg sehr lobende Worte über George Gershwin - und das amerikanische Musikgenie Leonard Bernstein hat sowohl mit seinen sinfonischen Kompositionen als auch seinen Musicals gezeigt, welche Höhe an Intensität und vor Authentizität die amerikanische Musik im 20. Jahrhundert erreicht hat.

Der junge Thomas Hampson hat noch mit Leonard Bernstein in dessen letzten Lebensjahren viel gearbeitet - und so war klar, dass bei der "American Night" zur Eröffnung der Pfingstfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden Musik von Bernstein nicht fehlen durfte. "Lenny" war denn auch der größte Block im Programm gewidmet. Dieser folgte den Stücken von Bernsteins väterlichem Freund Aaron Copland.

Prächtige Blechbläsersektion

Mit dessen "Fanfare for the Common Man" stellte sich sogleich die prächtige Blechbläsersektion des Sinfonieorchesters Basel vor, die sich im Verlauf des Konzerts noch vielfach profilieren durfte. Sir Ivor Bolton, Chefdirigent der Baseler, stand erneut im Festspielhaus am Pult und bestätigte nachdrücklich, dass er weit mehr als nur ein Fachmann für die Musik des 18. Jahrhunderts ist.

Thomas Hampson hatte im Trio der Gesangssolisten das erste Wort - mit "Old American Songs" in der originellen und im Charakter so überaus trefflichen Einrichtung von Aaron Copland. Hampson zeigte schon in drei Songs unterschiedlicher Stimmung seine untrügliche Gestaltungskunst und seine gewinnende Ausstrahlung.

Aus den Musicals "Candide", "Wonderful Town" und "West Side Story" waren die Stücke von Leonard Bernstein, bei denen dann auch die Sopranistin Nadine Sierra und der Tenor Michael Fabiano glänzten. Die Sopranistin brillierte in der kessen Koloraturarie "Glitter an Be Gay" aus "Candide" durch sehr gewitzten Vortrag und den souveränen Einsatz ihrer klangprächtigen und in allen Lagen sicheren Stimme. In "Maria" aus der "West Side Story" verströmte Michael Fabiano tenoralen Wohllaut und zeigte zugleich bestechende sängerische Differenzierung in Dynamik und Stimmfärbung. Klar, dass bei solch exzellenten Sängern auch die Duette ihre volle Wirkung entfalteten. Und klar, dass Hampson in seinen Auftritten die innige Nähe zu Bernsteins Musik spüren ließ.

Das gewichtigste Orchesterstück stand am Anfang des zweiten Teils mit Gershwins "An American in Paris". Das Orchester aus der Schweiz zeigte dabei seine Klasse in allen Registern und seine Qualität als sinfonische Big Band. Sir Ivor Bolton stand am Pult für eine zündende, aber nie oberflächlich-knallige Wiedergabe. Im Gegenteil, durch die sorgfältige Ausarbeitung der Komposition wurde deren Niveau offenkundig. Die Ouvertüre zu Gershwins "Girl Crazy" machte nicht minder gute Laune - und die Begleitung der Sänger war stets elegant im Ton, swingend im Rhythmus und spritzig im Charakter.

Überhaupt war der zweite Teil mit Hits der klassischen Musical-Ära am Broadway eine ganz großartige Show auf der Basis hoher musikalischer Kunst. Thomas Hampson demonstrierte etwa bei "Night and Day" erneut seine erstklassigen Entertainer-Qualitäten. Nadine Sierra und Michael Fabiano taten mit Charme, lyrischem Schmelz und einer exquisiten Gesangskunst auf klassischer Grundlage das Ihre, den Stücken von Cole Porter sowie Richard Rodgers und Oscar Hammerstein einen speziellen Zauber zu verleihen. Die drei Sänger, das Orchester und der Dirigent nahmen zum Schluss mit dem Song aus "Kiss Me, Kate" dem freudig gestimmten Publikum das Wort aus dem Mund: "Wunderbar!"

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