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Herzhafter Wolkentrunk und Schwarmbewegung
13.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Hans-Dieter Fronz

Es ist die 50. Ausgabe dieser Kunstmesse - ein Jubiläum also, doch die große Sause gibt es wohl erst in einem Jahr. 1970 gründete eine Handvoll Basler Galeristen am Rheinknie eine der ältesten Kunstmessen überhaupt. Richtig rund und ein Anlass zum Feiern ist die Jahreszahl für die Art Basel also erst 2020, beim dann 51. Mal. Von kleinen Anfängen hat sich die Art Basel zur weltgrößten Kunstmesse aufgeschwungen.

Mit ihren beiden Ablegern in Miami Beach und Hongkong ist sie heute global aufgestellt, buchstäblich so etwas wie ein Global Player. Es ist dies eine Entwicklung, wie sie sich auf dem Kunstmarkt in den letzten beiden Jahrzehnten auch auf dem Feld der Galerien abzeichnete. Denn auch die führenden Kunsthändler unterhalten Dependancen rund um den Erdball - Larry Gagosian nicht nur in Los Angeles, Paris und London, sondern auch in Athen und Hongkong sowie weiteren Orten.

Im Zuge dieses Konzentrationsprozesses werden Top-Galerien immer noch erfolgreicher, während weniger prominente Galerien strampeln müssen: Der aktuelle "Art Basel & UBS Art Market Report" vermerkt für Galerien mit weniger als einer Viertelmillion Dollar Umsatz einen Einnahmenrückgang von 18 Prozent. So gesehen mutet es beinahe schon wie eine Art Entwicklungshilfe an, dass die Art Basel kleineren Galerien in diesem Jahr einen Rabatt von 20 Prozent, im nächsten von 10 Prozent gewährt. Allzu viel Konzentration, so scheint es, ein Catwalk für Supergalerien wäre bei der Art Basel wohl nicht förderlich fürs Geschäft.

Die im vergangenen Jahr gezählten 95 000 Besucher werden auch diesmal erwartet. 290 Galerien aus 34 Ländern, darunter 19 Neulinge präsentieren Werke von rund 4 000 Künstlern von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart.

Performancekünstlerin



Pirici auf Messeplatz

232 Galerien sind im Hauptsektor der Messe vertreten. Landau Fine Art aus Montreal kredenzt auf einem Magritte-Gemälde einen herzhaften Wolkentrunk aus einem gigantischen Sektkelch in der Landschaft. Paragon aus London hat eine Serie von Radierungen Glenn Browns mitgebracht, Auflage: 38, Preis pro Blatt: 2 000 bis 3 000 Euro. Ein Acrylbild des Briten kostet bei Hetzler, Berlin/Paris/London, dagegen 550 000 Euro. Joan Mitchell, deren Gemälde "Composition" mit 14 Millionen Dollar im vergangenen Jahr das teuerste verkaufte Exponat war, ist bei Cheim & Reid aus New York diesmal mit einer expressiven Abstraktion im mittleren Format vertreten.

Wer ohne Kaufabsicht rein der Kunst wegen die Art besucht, wird vielleicht von Wols' kleinen Zeichnungen in Wasserfarbe und Tusche entzückt sein - oder von Toba Kheedoris hinreißendem Baumbild in Öl und Graphit auf Papier am Stand des Schweizers David Zwirner. Von unglaublicher Zartheit sind die gezeichneten oder auch dreidimensionalen Gespinste in Draht des Argentiniers Tomas Saraceno bei Esther Schipper aus Berlin und bei der Tanya Bonakdar Gallery aus Übersee.

Nicht versäumen darf man die Sektion Unlimited mit überdimensionaler Malerei oder Plastik, Videoprojektionen und raumgreifenden Installationen - auch in diesem Jahr ein Highlight der Art Basel.

Den Messeplatz draußen, als Schaufenster der Art, bespielt in diesem Jahr die rumänische Performancekünstlerin Alexandra Pirici. Mehr als 60 Darstellerinnen und Darsteller performen von heute bis Samstag am Nachmittag vier Stunden lang in einem von Andrei Dinu designten luftig-leichten Pavillon Piricis Choreografie "Aggregate". Das 2017 im Berliner Kunstverein erstmals aufgeführte Werk handelt von der Präsenz des Körpers und von Machtstrukturen.

Das Publikum wird in Dinus schwerelos-pneumatischer Konstruktion unmittelbar in die Choreografie einbezogen. Akustisch untermalt mit Klängen von Depeche Mode bis zu rumänischer Volksmusik - oder auch Gedichtrezitationen - summieren sich die halb festgelegten, halb improvisierten individuellen Ausdrucksbewegungen der Darsteller zur Schwarmbewegung eines lebendigen Organismus - mit Referenzen an Bollywood-Filme, Michelangelos "David" oder Handzeichen der Occupy-Bewegung.

Am Samstag kann man Pirici von 13 bis 14 Uhr auch in der Sektion "Conversations" mit öffentlichen Gesprächen und Diskussionen zwischen Künstlern und Galeristen, Kuratoren und Kritikern erleben. Neben eher konventionellen Fragestellungen wie "Der Sammler als Experte" macht das diesjährige "Conversations"-Pro-gramm auch Problemfelder wie "The Carbon Footprint of Contemporary Art" zum Thema.

In den Stadtraum von Basel hinein verlängert sich die Art in der Sektion Parcours, die, ein kleines Jubiläum, zum zehnten Mal stattfindet. An 20 Orten im Großraum um den Münsterplatz herum werden Kunstwerke präsentiert - wie Dan Grahams raumgreifende, zwischen Skulptur und Architektur angesiedelte Installation "Dancing Circles". Das Erasmushaus beherbergt Arbeiten aus recycelten Materialien von Hassan Sharif.

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