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Staatstheater sind stolz auf alle ihre Künstler
Staatstheater sind stolz auf alle ihre Künstler
29.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart/Karlsruhe - Rund 750 Beschäftigte aus 46 Nationen hat das Badische Staatstheater in seinen Reihen, etwa 1 400 aus 50 Ländern arbeiten am württembergischen Pendant. Sie heißen auch Mert und Ivica, Malgorzata, Oksana oder Unzu. Und das ist der AfD-Landtagsfraktion ein Dorn im Auge.

Sie überlegt, wie ihr stellvertretenden Vorsitzender Rainer Balzer erläutert, eine "politische Initiative zur Förderung deutscher Nachwuchstalente". Deshalb wollten die Rechtspopulisten die Nationalität der Künstlerinnen und Künstler "an den staatlichen Theatern" erfragen. Jetzt organisiert sich breiter Protest.

"Die Menschen müssen erfahren, was diese Partei und ihre demokratisch gewählten Abgeordneten denken", sagt Peter Spuhler, der Intendant des Badischen Staatstheaters. Deshalb müsse "sehr offen über die AfD-Anfrage geredet und die Informationen maximal geteilt werden."

Schon im Spätwinter hatte sich die größte Oppositionsfraktion im Landtag offiziell dafür interessiert, welchen Pass die Künstler haben und wo sie ausgebildet worden sind. Jetzt werden entsprechende Listen erstellt, weil das Fragerecht der Abgeordneten unbestritten ist. Eine Haltung, die Spuhler ausdrücklich unterstützt, denn es sei "ein hohes demokratische Gut", werde zugleich aber "von der AfD missbraucht".

Auch in Stuttgart ist die Kritik scharf. "Die Anfrage der AfD spricht für sich selbst" sagt der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, von einem "Armutszeugnis" spricht Fritz Kuhn, der grüne Oberbürgermeister der Landeshauptstadt.

Matthias Vosseler, Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche, hat aus Solidarität sogar seine DNA öffentlich gemacht: Er sei zu 36 Prozent Skandinavier, zu 28 Prozent Italiener, knapp zehn Prozent seiner DNA stammten von einem Deutschen, 1,3 Prozent wiesen ihn als Nigerianer aus. Und vor dem Großen Haus der Württembergischen Staatstheater findet eine Demonstration statt unter dem Motto "Schützt die Kultur vor den Rechten!", zu der auch Künstler und Künstlerinnen aus Karlsruhe anreisen.

Der AfD-Fraktionsvize will die ganze Aufregung nicht verstehen. "Wer in eine statistische Erhebung einer demokratisch legitimierten Partei, die sich den Erhalt deutscher kultureller Werte ganz oben auf ihre Fahnen geschrieben hat, gezielt und wider besseres Wissen die Ablehnung ausländischer Künstler an deutschen Bühnen hineininterpretiert, sät bewusst Zwietracht und stellt damit unter Beweis, dass er den Boden der Demokratie und der parlamentarischen Debatte bereits verlassen hat", heißt es in einer schriftlichen Erklärung von Balzer.

Das Ziel der künstlerischen Ausbildung in Deutschland und in Baden-Württemberg müsse "ein hohes, weltweiten Ansprüchen genügendes Leistungsniveau sein". Dies sei "derzeit offensichtlich nicht der Fall, wie man an den Beschäftigungsverhältnissen an den Bühnen der Welt erkennen kann", so der Text des Parlamentariers.

Spuhler sieht - wenig überraschend - in der Internationalität einen Garanten dafür, dass "wir unser hohes Level halten". Das Badische Staatstheater sei "ungeheuer stolz darauf und glücklich, so viele Künstler anzuziehen oder auszubilden". Und er will auch nicht gelten lassen, dass es der AfD um das Niveau gerade dieser künstlerischen Ausbildung oder um die Karrierewege gegangen sei in ihrer Anfrage: "Denn hätte sie dazu tatsächlich Erkenntnisse haben wollen, hätte sie doch genau diese Fragen stellen können."

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