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In der Champions League der Musik
In der Champions League der Musik
29.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Rahner

Was hat er nicht schon alles an Elogen gehört und an Huldigungen erfahren: Sogar als "Schlangenbändiger" wurde Andreas Mölich-Zebhauser in den Medien gefeiert, nachdem ihm die Wende am so unglücklich gestarteten Festspielhaus Baden-Baden gelungen war. Jetzt hat er etwas in der Hand, was ihn dauerhaft an seine eigenen Verdienste erinnern wird: Zum Abschied des dynamischen Intendanten, der nach 21 Jahren das Festspielhaus verlässt und seinen Lebensmittelpunkt nach München verlagern wird, ehrte ihn die Stadt Baden-Baden gestern mit der Ehrenmedaille in Gold. Oberbürgermeisterin Margret Mergen überreichte ihm das gute Stück samt Urkunde zwei Tage vor seinem 67. Geburtstag.

Viele Wegbegleiter, Stifter und Mitglieder des Freundeskreises waren bei tropischen Temperaturen gekommen, um den Mann zu ehren, der 1998 die Leitung des vor dem Konkurs stehenden Festspielhauses übernommen hatte und in einem wahren Husarenritt zum Guten wandte, was schon unrettbar verloren schien. Margret Mergen erinnerte im Beisein vieler Stadträte und der beiden Landtagsabgeordneten an die wichtigsten Stationen dieser Rettungsaktion, auf die man heute stolz zurückblicken kann, die damals aber auch hohe finanzielle Risiken barg und "landesweiten Hohn und Spott über das Haus" hereinbrechen ließ, wie Mergen sagte.

Sie hob vor allem "Mut und Risikobereitschaft" Mölich-Zebhausers hervor. Er habe mit seinem Elan ein neues kulturelles Klima entfacht und den Ruf der Stadt international gemehrt. "Dass wir heute in der Champions League der Musik spielen, ist auch Ihr Verdienst - und Ihre Lebensleistung," betonte die OB.

Zu seinen Stärken gehörte sicherlich, dass er so viele großzügige und treue Freunde gewinnen konnte. Da sind bedeutende Künstlernamen zu nennen, an erster Stelle wohl Valery Gergiev, der für eine Freikartenaktion mit dem riesengroßen Apparat des Petersburger Mariinsky-Theaters nach Baden-Baden kam und seither regelmäßig hier gastiert. Und die ersten Stifter - Karlheinz Kögel, Ernst Kohlhage, Hugo und Rose Mann, Walter Veyle und Alberto Vilar - mit ihnen hat Mölich-Zebhauser im Frühjahr 2000 die Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden gegründet.

Diese Stiftungsgründung zählte der Musikmanager in einem BT-Interview anlässlich seiner letzten Saison zu den "großen Marksteinen" auf dem Weg zum Erfolg - gemeinsam mit der 2013 beginnenden Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern bei den alljährlichen Osterfestspielen. Der frühere Oberbürgermeister Ulrich Wendt, in dessen Amtszeit Planung und Bau des Festspielhauses fielen, schickte zur Feierstunde eine Grußbotschaft, in der er die "einmalige Lebensleistung" Mölich-Zebhausers hervorhob: Mit Hilfe großherziger Menschen habe er "Kultur als Seele und zentrale Kraft wieder entfacht und Baden-Baden in die Zukunft geführt."

Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von Yasushi Ideue, Violine, und Pavel Baleff, Klavier. Der Konzertmeister und der Chefdirigent der Baden-Badener Philharmonie hatten mit der Wahl von Mozarts E-Dur-Adagio ein Musikstück getroffen, das den Intendanten, wie er spontan sagte, an seinen Vater erinnerte und deshalb sehr berührte.

Bei seiner Dankesrede im Alten Ratssaal mahnte Mölich-Zebhauser die Anwesenden, dass das Festspielhaus unbedingt und schnell den Anbau eines kleinen Saales benötige. "Das kleine Haus muss kommen," sagte er. Seinen Dank oder seine "Verbeugungen", wie er es lächelnd nannte, richtete er zuerst an die Stadt, aber auch an seinen langjährigen Mitstreiter Michael Drautz. Der ebenfalls scheidende Geschäftsführer habe im Hintergrund zuverlässig und mit Ruhe die künstlerische Arbeit ermöglicht. "Ich bin voller Glück, Zufriedenheit und Optimismus" - so verabschiedete sich Mölich-Zebhauser, nicht ohne noch einmal eindringlich an alle Stifter und Gönner zu appellieren, in ihrer großzügigen Unterstützung des Hauses nicht nachzulassen.

Mit den Sommerfestspielen vom 6. bis 14. Juli und Stars wie Valery Gergiev, Placido Domingo und Anna Netrebko geht die Ära "AMZ" - so das interne Kürzel des Intendanten - zu Ende.

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