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Himmlische Töne von hoher Stimmkultur
Himmlische Töne von hoher Stimmkultur
22.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Udo Barth

Eigentlich sind die Auftritte des Vocalensembles Rastatt immer als "himmlisch" zu bezeichnen. Bei der diesjährigen "Klingenden Residenz" im heißen Ahnensaal des Barockschlosses ist dieses nun im Motto gestanden. Holger Speck, der Dirigent und künstlerische Leiter "seines" Klangkörpers: Das sind über viele Jahre gereifte intensive Momente eines aufeinander Eingespieltseins. Die Strahlkraft des Chors ist über jeden Zweifel erhaben, die sensibel gestaltete pianistische Begleitung von Anne Le Bosec ebenso.

Schon bei Gustav Mahlers Vertonung von Rückerts "Urlicht", in der A-cappella-Bearbeitung von Clytus Gottwald, öffnet sich der akustische Himmel. Da ist das Ringen der Seele förmlich in jeder Phase zu erleben. Wie sagte die Moderatorin Katharina Eickhoff so trefflich: "Der Himmel war und bleibt ein Sehnsuchtsort für die Menschen." Und dafür bietet sich literarisch und musikalisch die Umsetzung aller möglichen Emotionen von Werken aus der Romantik besonders an.

Das Konzert des Vocalensembles bietet einen hohen Grad an Stimmkultur, da leuchten die von Brahms vertonten Worte "Wie lieblich sind deine Wohnungen" quasi von innen heraus. "Eine Musik von unbeschreiblicher Neuheit, Kraft und Frische, bald rührend elegisch, bald lieblich lyrisch, bald erschütternd dramatisch, die feinste kontrapunktische Kunst eingekleidet in volkstümliche Weisen, dabei eine Harmonik und Orchestrierung, so prächtig und effektvoll, wie sie bisher in einem Werke der Kirchenmusik noch nicht da gewesen." Schöner beschreiben als von Rezensent Adolf Schubring lässt sich jenes Requiem kaum, das Brahms in Baden-Baden vollendete. Eine sinnliche Einstimmung auf eine "Waldesnacht" gibt das Ensemble mit einer kongenialen Brahms-Vertonung eines Textes von Paul Heyse. Das facettenreiche Gemälde feinster Nuancen im vierstimmigen A-Cappella-Satz gelingt dem Ensemble eindrucksvoll im Kontrast zwischen der friedlichen Stille in der Natur und dem hektischen Alltagsleben. Für pianistische Leckerbissen sorgte Anne Le Bozec, die die "Träumerei" von Schumann solistisch durch den Ahnensaal schweben ließ, extrem gedehnt, aber ihre Pedalbehandlung ist phänomenal. Das Nocturne Nr. 1 von Chopin leuchtet in Himmelblau!

Wer bietet sich für romantische Gefühle besser an als Robert Schumann? Seine doppelchörigen Gesänge op. 141 (1849) zeugen von Entdeckerlust und seinem Ausdrucksbedürfnis mit dem geschriebenen Wort. Das von ihm vertonte Gedicht "An die Sterne" hat Friedrich Rückert in lauter Fragen gepackt. Die Strahlkraft des Chores lässt dagegen keine Fragen offen, die Ausgewogenheit der einzelnen Stimmfraktionen ist mehr als beachtlich, und die Bässe sind beflügelnd.

Noch einmal lässt das Vocalensemble die Stille aufleuchten: Mit "Calme de nuits" von Camille Saint-Saëns. Die Tiefe des Ausdrucks ist phänomenal, die vielen langen Notenwerte und das Beharren im Piano-Bereich sorgen für musikalische Wellness-Erfahrungen. Genauso intensiv gelingt dem Chor Mendelssohn. Dessen Vertonung des Psalms 91 strahlt eine wunderbare Kraft aus, eine gehörige Portion Trost steckt in dieser achtstimmigen Motette. Mendelssohn hat den Engelschor dann später in sein Oratorium "Elias" einfließen lassen. "Dass sie dich auf Händen tragen" - es könnte förmlich für das ganze Konzert als Leitspruch dienen.

Gegen Ende des Programms geht die musikalische Reise nach Bayern. Der Engländer Edward Elgar bildete 1894 seinen geliebten Urlaubsort Garmisch kompositorisch ab, mit Ländler und Schnaderhüpfer. Allerdings in Form von Parodien. Oder mit "Aspiration", das tonmalerisch den Schnee beschreibt. Mit diesem, und dem als Zugabe präsentierten Wiegenlied, zog das begeisterte Publikum von dannen.

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