www.spk-bbg.de/branchensieger
http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Heißes Eisen: Strafzinsen für Sparer denkbar
Heißes Eisen: Strafzinsen für Sparer denkbar
25.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Nico Fricke

Stuttgart - Als Zitatgeber ist der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider eine sichere Bank. Bei seiner gestrigen Präsentation der Halbjahresbilanzzahlen bekommt der scheidende Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Fett weg. Von einem "draghischen Finale" spricht Schneider. Tragisch, weil der Italiener Mario Draghi den richtigen Zeitpunkt für eine Zins-Kehrtwende "klar verpasst" habe.

Mit großer Sorge schaut Schneider somit auch der heutigen EZB-Zinsentscheidung entgegen. Ein Ende der "verheerenden" Situation sei nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Der nächste "Tiefschlag" könnte folgen. Mit möglichen Folgen für die Sparer: Einen Negativzins für Privatkunden schließt Schneider nicht mehr aus. Die EZB trete weiter auf ein "geldpolitisches Gaspedal". Dieser Kurs treffe nicht nur den gesamten Finanzsektor, sondern vor allem die Sparer. Eine mögliche Verschärfung der expansiven Geldpolitik hätte drastische Folgen - insbesondere bei der Altersvorsorge, die immer weiter zusammenschmelze.

Und ein heißes Eisen, die Weitergabe von Strafzinsen an die Kunden, fasst Schneider nur widerwillig an: "Ich will das nicht. Negativzinsen sind ein Abgrund, in den ich nicht schauen möchte", betont Schneider gestern in Stuttgart. Aber der betriebswirtschaftliche Druck könnte so groß werden, "dass wir zu diesem Schritt gezwungen wären".

Der Sparkassenverband ist für den Fall der Fälle vorbereitet, sagt Schneider auf Nachfrage: "Die IT könnte das umsetzen." Dabei macht Schneider klar: "Wir werden nicht die Ersten sein. Aber sobald ein großer Mitbewerber vorprescht, müssen wir nachziehen, um nicht überflutet zu werden." Dabei sieht Schneider aber ein großes Risiko in der rechtlichen Einschätzung: "Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt keine Negativzinsen." Sogenannte Verwahrentgelte wären eine "Wackelkonstruktion". Da wäre zunächst der Gesetzgeber gefragt, wirft Schneider den ungeliebten Ball in das Feld der Politik. Neue finanzpolitische Realitäten müssten gesetzlich auf sichere Beine gestellt werden. Doch noch zögert Schneider: "Wir tragen den Auftrag in unserem Namen, das Sparen zu fördern", sagt der Sparkassenpräsident.

Bei der Frage nach der Weitergabe von Negativzinsen auf Kundeneinlagen "sehen Sie mich in einer fatalistischen Starre." Seine Markteinschätzung sei aber, dass das Thema "schnell virulent" werden könnte. Gänzlich unbekannt ist die Problematik den Sparkassen freilich nicht. Schon jetzt gebe es Einzelvereinbarungen mit Firmenkunden, Institutionen und Kommunen, die hohe Einlagen haben. Kämen die Strafzinsen aber nun auf breiter Front, sei eine Gebührenstaffelung unwahrscheinlich, erläutert Schneider.

Die 51 baden-württembergischen Sparkassen sind seit Jahren von einem sinkenden Zinsüberschuss betroffen. Und dieser gehe jährlich um weitere 100 Millionen Euro zurück. 2018 lag er bei 3,2 Milliarden Euro, der Ertrag bei 1,2 Milliarden Euro. Den Aufwand wiederum bezifferte Schneider mit 2,8 Milliarden Euro für 2018, dieses Jahr werde er um 100 Millionen Euro steigen. "Wir können nicht alle Ertragsrückgänge ausgleichen, da die Kosten für Personal, Digitalisierung und Regulatorik steigen", verdeutlicht Schneider, der für das erste Halbjahr 2019 "eine erfreuliche Entwicklung der Kundengeschäfte" präsentiert. Vor allem die anhaltend hohe Kreditnachfrage trage zur Ausweitung des Kundengeschäfts bei. Die Bilanzsumme wird 2019 die 200-Milliarden-Euro-Marke übertreffen, prognostiziert Schneider. Zum Stichtag 30. Juni hatten die Südwest-Sparkassen 133,3 Milliarden Euro verliehen. Das entspricht einem Plus von 5,9 Milliarden Euro (plus 4,6 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.

Eine Delle gebe es aber bei den Darlehenszusagen an Unternehmen, was laut Schneider "den Blick in die Zukunft abbildet". So wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch 6,7 Milliarden Euro zugesagt, was einem Minus von fünf Prozent entspricht. Während der Dienstleistungsbereich und die Baubranche weiter boomen, trübt sich die Stimmung der baden-württembergischen Industrie ein, stellt Schneider fest.

Die Kundeneinlagen sind in den vergangenen zwölf Monaten trotz Nullzinsen um 7,2 Milliarden Euro (plus 5,3 Prozent) auf 143 Milliarden Euro gewachsen. "Die Kunden suchen Sicherheit und parken ihr Geld bei uns." Weiter einen Bogen machten aber viele Sparer um Wertpapiere. "Nur ein Fünftel unserer Kunden verfügt über ein Wertpapierdepot", sagt Schneider.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Frankfurt
Kosten fürs Konto

03.06.2019
Kosten fürs Bankkonto
Frankfurt (dpa) - Den meisten Banken in Deutschland fällt das Geldverdienen im aktuellen Niedrigzinsumfeld schwer. Deshalb fordern sie von ihren Kunden entsprechende Gebühren für ihre Dienstleistungen. Doch was ist angebracht und was ist überzogen? (Foto: dpa). »-Mehr
Bühl
´Respektabler Wert´

10.05.2019
"Respektabler Wert"
Bühl (ham) - Die Sparkasse Bühl hat gestern erfreuliche Geschäftszahlen für 2018 vorgelegt. Frank König (links) und sein Vorstandskollege Matthias Frietsch (Foto: Sparkasse Bühl) berichteten von Wachstum in fast allen Bereichen und nannten die Kennzahlen einen "respektablen Wert". »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Am 9. November 1989 wurde die Mauer in Berlin von Bürgern der DDR überwunden. Was meinen Sie: Sind wir 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder zu einer Nation zusammengewachsen?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.

https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1