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"Er hatte ein großes Herz"
'Er hatte ein großes Herz'
26.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Es war ein sehr emotionaler, inniger Abschied von Baden-Badens großem Stifter Frieder Burda gestern Vormittag bei der Trauerfeier in der festlich geschmückten Stiftskirche. In der Grablege der Markgrafen von Baden stand der schwarzglänzende Sarg des Verstorbenen vor dem Altar in einem grün-weißen Blütentraum aus Rosen, Orchideen, Löwenmäulchen, Olivenzweigen und Hortensien. Davor platziert war ein großes Schwarz-Weiß-Bild mit dem lachenden Frieder Burda. Familie, Freunde und Wegbegleiter haben sich von einem der bedeutendsten Kunstsammler und Mäzen verabschiedet. Frieder Burda war am 14. Juli im Alter von 83 Jahren an seinem Heimatort Baden-Baden gestorben.

Prominenz aus der Kunst- und Medienwelt war gekommen, um an der Seite der Familie von Frieder Burda Abschied zu nehmen - darunter viele bedeutende Kuratoren und Museumschefs aus Deutschland und Frankreich, Chagall-Enkelin Meret Meyer ebenso wie die Künstlerin Karin Kneffel; aus dem Münchner Kreis um Bruder Hubert Burda und seiner Frau, der Schauspielerin Maria Furtwängler, waren auch Ex-"Focus"-Chef Helmut Markwort und Fritz Wepper angereist. Der einstige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, Prinz Bernhard von Baden, und Margret Mergen, Baden-Badens Oberbürgermeisterin, wie auch ihre Vorgänger Wolfgang Gerstner und Sigrun Lang haben an der rund einstündigen von Mozart-Klängen umrahmten Zeremonie in der voll besetzten katholischen Stadtkirche teilgenommen.

Für die Stiefkinder



war er ein Vorbild

In dem von Pfarrer Teipel geleiteten Gottesdienst haben Weggefährten und die Familie selbst von dem Verstorbenen das Bild eines warmherzigen, aufrichtigen und verlässlichen Menschen entworfen, der sich nicht in den Vordergrund spielte und zu anderen großherzig und von beispielloser Gastfreundschaft war. "Du hattest ein großes Herz, das still zu Werke ging", sagte sein langjähriger Weggefährte und Geschäftspartner Bernhard Servatius. Zuletzt hätten sie noch gemeinsam den 83. Geburtstag Frieder Burdas in dessen Haus auf Korsika gefeiert - und die Herausgabe der neuen Biografie Mitte Juni im Baden-Badener Museum: "Da war er noch ganz gut aufgelegt", erinnerte Frieder Burdas Schulfreund Axel Ganz. Der Stifter, der den Kunstfreunden ein angesehenes Museum an Baden-Badens schönstem Platz in der Lichtentaler Allee und eine bedeutende Kunstsammlung hinterlässt, stand gestern nicht so sehr im Mittelpunkt - sondern seine Menschenliebe.

Die galt neben der Begeisterung für die Kunst vor allem seiner Familie, seiner Frau Elke und den vier in die Ehe mitgebrachten Kindern. "Die 20 Jahre mit Dir sind so schnell vergangen, es waren so intensive Erlebnisse", sagte Patricia Kamp mit Tränen in den Augen. Für seine Stiefkinder Patricia und Dominic war Frieder Burda nicht nur ein Vorbild, das Werte wie Ehrlichkeit, Anstand und Respekt vorlebte, wie sie in einer berührenden gemeinsamen Rede schilderten. Er ermunterte sie auch dazu, ihren Träumen zu folgen, so wie er es selbst getan hatte.

Der zweite Sohn des Offenburger Verlegerpaars Aenne und Franz Burda hat nicht nur als "gewiefter Verlagskaufmann" (Servatius) reüssiert, sondern vor allem seinen Traum für die Kunst gelebt und wollte damit "den Menschen Freude bereiten", wie er selbst stets betont hatte. 2004 wurde sein Museum an der Lichtentaler Allee eröffnet. Die Begeisterung für das Privatmuseum in der lichtdurchfluteten Villa des US-Star-Architekten Richard Meier ist nach wie vor groß, bis zu 200 000 Besucher jährlich kommen, um das Haus und seine hochkarätigen Ausstellungen zu besuchen.

Frieder Burda hat sein Museum schon beizeiten abgesichert und bereits Ende der 1990er Jahre einen Großteil seines Vermögens in eine Stiftung eingebracht. Sie soll gewährleisten, dass seine Sammlung auch nach seinem Tod zusammenbleibt und das Museum weiter ohne öffentliche Gelder auskommt. Bereits zu seinem 80. Geburtstag hatte Frieder Burda im BT-Interview erklärt, dass sich Stiefsohn Dominic Kamp verstärkt in der Stiftung engagieren werde, und Stieftochter Patricia Kamp als Kuratorin.

Neben Mozart und Bach, interpretiert vom Chor der Stiftskirche und einem Musikensemble, wurde zu Ehren Frieder Burdas gestern auch ein Song von Frank Sinatra angestimmt. Gewünscht habe er sich noch "Thats Life", das Marc Marshall in der Stiftskirche sang, bevor Frieder Burda auf dem Stadtfriedhof im Beisein seiner Familie beigesetzt wurde. Den Trauergästen hatte Burda-Freund Servatius noch mit einem Goethe-Zitat Trost zu spenden versucht: "Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren."

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