https://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Kampf um Sponsoren verändert sich
03.08.2019 - 00:00 Uhr
Iffezheim - Mit dem Frühjahrsmeeting ist die erste große Galoppveranstaltung der Saison 2019 auf der Turfbahn in Iffezheim vorbei, Neuerungen bei Wetten, Geläuf und Organisation mussten sich erstmals bewähren. In knapp vier Wochen steht die Große Woche an. Im Interview mit BT-Redakteur Florian Krekel zieht Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister ein erstes Fazit und blickt voraus auf das bevorstehende Galoppevent. Zudem äußerte sich Hofmeister zu Kritik aus den Reihen des Wettpersonals.

BT: Frau Hofmeister, in vier Wochen startet die Große Woche, aber lassen Sie uns erst einmal den Blick zurück auf das Frühjahrsmeeting werfen. Das war ja erstmals einen Renntag kürzer. Hat sich das bemerkbar gemacht?

Jutta Hofmeister: Insgesamt waren wir mit den drei Renntagen sehr zufrieden. Unsere Erwartungen in Sachen Zuschauerzahlen und Wettumsätze haben wir erreicht. Für uns als Team war es allerdings anstrengender. Der 2019 weggefallene Afterworkrenntag am Mittwoch war zwar wirtschaftlich immer schwierig, war für uns aber nach der langen Winterpause ein guter Tag, um reinzukommen, da er im Vergleich zu den anderen Tagen weniger Programm hatte. Der folgende Donnerstag ist traditionell der zweitstärkste Tag auf die ganze Rennsaison hin gesehen - so auch in diesem Jahr. Deshalb war das für uns schon ein Start von 0 auf 150.



BT: Wirtschaftlich hat sich der fehlende Renntag nicht negativ ausgewirkt?

Hofmeister: Nein. Denn wir haben zwar den Tag ausfallen lassen, hatten aber die selbe Anzahl Rennen mit den selben Preisgeldern. Die Tage waren einfach länger. In Summe war es daher nicht weniger.

BT: Zuschauertechnisch auch nicht?

Hofmeister: Der Mittwoch war vom Publikumsandrang her immer schwierig, und trug sich mehr oder weniger durch die Unterstützung des französischen Wettanbieters PMU, die es ja in diesem Jahr nicht mehr gibt (wir berichteten). Und ohne PMU gab es für den Mittwoch keine Sponsoren für die Rennen und wir hatten im Schnitt 5 000 bis 6 000 Zuschauer. Das reicht nicht, um wirtschaftlich agieren zu können. Die Entscheidung war daher betriebswirtschaftlich sinnvoll.

BT: Thema PMU. Beim BT-Auftaktinterview dieses Rennjahres im April haben Sie gesagt, dass PMU wie eine Art Sponsor war, der jetzt wegfällt, und den man anderweitig ersetzen muss. Ist das gelungen?

Hofmeister: PMU hat die Preisgelder der Rennen gedeckelt bis 10 000 Euro bezahlt. Alles andere ging auf unsere Kosten. PMU hat also nicht den Renntag komplett finanziert. Trotzdem haben Sie natürlich recht. Da wir die Anzahl der Rennen nicht verändern, ist es nötig, weitere Sponsoren zu finden. Das ist uns gelungen, auch wenn natürlich ganz klar nach oben immer Luft ist. Beispielsweise unterstützt die Stadt Baden-Baden wieder ein eigenes Rennen, aber auch viele kleinere Sponsoren haben sich aufgetan, unter anderem Wettanbieter. Ich bin mit der Akquise also einigermaßen zufrieden. Aber wie immer muss man hier und da auch Abgänge beklagen.



BT: Welche?

Hofmeister. Nicht mehr dabei - vermutlich wegen des Brexits - ist das britische Unternehmen Darley, das uns zuvor seit 20 Jahren unterstützt hat. Sie engagieren sich nicht mehr außerhalb der Insel. Das hat uns schon schwer getroffen. Da mussten wir an anderer Stelle strampeln, um das wieder hereinzuholen.

BT: Ist das gelungen?

Hofmeister: Wir hatten Erfolge beim Großen Preis der Badischen Wirtschaft, das sind wir gewachsen. Wir merken generell, dass diese Sammelsponsoring-Idee schneller ein offenes Ohr erhält und Erfolg verspricht, weil es natürlich um kleinere Beträge geht, aber die Unterstützer damit auch ein gemeinsames Event verbinden.

BT: Geht der Weg dahin?

Hofmeister: Es gibt noch andere Entwicklungen. Wir hatten im Frühjahr auch tolle Erfolge auf der Veranstaltungsseite mit Unternehmen, die mehrere hundert Gäste auf die Rennbahn eingeladen haben und den ganzen Championsclub gemietet haben. Das ist schon eine Veränderung, die wir bemerken. Früher ging die Unterstützung immer über das Rennpatronat, heute ist es eher so, dass wir als Location wahrgenommen werden, an der ein spannendes Programm läuft, und man kann mit seinen Kunden und Gästen schön tafeln. Auch für die Große Woche haben sich in diesem Hinblick schon mehrere Firmen angesagt, die über 100 Leute mitbringen.

BT: Der Eventbereich soll also gefördert werden, um die Rennen attraktiv zu halten. Das ist etwas, was die Sportpuristen gar nicht gerne hören werden. Trotzdem klingt es nach einem wichtigen Spagat?

Hofmeister: Das ist richtig. Aber dieser Spagat ist nötig. Dankbar müssen wir vor allem für unsere Bénazet-Tribüne sein, denn sie ermöglicht uns durch ihre baulichen Eigenschaften, geschlossene Gesellschaften zuzulassen und so diesen Eventcharakter zu generieren. Dieses Konzept ist übrigens nicht neu: Die großen Fußballklubs mit ihren Logen machen es uns vor. Und wir merken, dass auch wir in dieem Segment deutlich begehrter werden - das ist eine schöne und auch nötige Entwicklung. Wenn man so einem Gast, der mit vielen Kunden zu uns kommt, dann noch einen Renntitel vermitteln kann, kreiert man über die Hospitality auch einen Sponsor.

Interview

BT: Kommen wir mal noch kurz zur Bahn. Ihr Zustand war während der Großen Woche vergangenes Jahr Gegenstand von Kritik, daraufhin gab es über den Winter einige Nachbesserungen. Wie waren die Stimmen beim Frühjahrsmeeting?

Hofmeister. Bei uns gilt da immer: Nicht getadelt ist schon gelobt genug. Und gemeckert hat im Frühjahr niemand. 100 Prozent recht machen kann man es nicht allen, weil jedes Pferd gerne einen anderen Boden hätte. Wir sind vielleicht noch nicht auf dem Niveau der absoluten Premiumbahnen - etwa Deauville - aber die Investitionen haben sich gelohnt, wir sind auf dem richtigen Weg, und der fachliche Austausch unter den Greenkeepern hat sich bewährt. Dennoch muss man auch sehen, dass es kaum Rennbahnen gibt, die für das Geläuf innerhalb einer Woche so einer Belastung ausgesetzt sind, wie unser Turf bei der Großen Woche mit sechs Renntagen.

BT: Dann kommen wir mal zur Großen Woche. Was erwartet uns in diesem Jahr?

Hofmeister: Es gibt wieder sechs stramme Tage mit 58 Rennen. Die zwei Wochentage rücken von der Uhrzeit etwas nach vorne. Platzöffnung ist 13.30 Uhr, das erste Rennen startet um 15 Uhr. Also alles knapp zwei Stunden früher als in der Vergangenheit mit PMU. Neu ist auch, dass der Donnerstag ein Motto bekommt, nämlich den Tag der Vereine. Unterschiedlichste Sportvereine können sich bei uns hier präsentieren und Mitmachaktionen bieten. Wir hoffen so auch, aus den Vereinen heraus neues Publikum zu generieren. Ansonsten bleiben die Mottos Tag der Nachwuchsförderung, Fitnesstag, KSC-Familientag, Ladys-Day. Bleiben wird auch der Kutschenkorso, der diesmal aber mitten im Renntag liegen wird.

BT: Können Sie in Sachen Prominenz schon etwas vermelden?

Hofmeister: Für den Ladysday haben wir einen echten Knaller. Wir haben es zusammen mit Wackenhut geschafft, Marcus Schenkenberg (ehemaliges schwedisches Topmodel, aktuell auch in der Pro-7-Show "Masked-Singer" zu sehen, Anm. d. Red.) auf die Bahn zu bekommen, der dort für Fotos zusammen mit einem Mercedes-Sportwagen zur Verfügung steht. Aber es gibt natürlich noch mehr Prominenz, mehr wird aber noch nicht verraten.

BT: Wie sah es denn beim Frühjahrsmeeting mit den Wettangeboten und -einnahmen aus?

Hofmeister: Was gut ankam, war, dass sich die Quoten bei den Sieg- und Platzwetten verbessert haben, da es weniger Abzüge gab. Wir hoffen, dass das auch bei der Großen Woche anhält, ansonsten kamen die neuen Angebote unterschiedlich gut an. Wir müssen unsere Wettschule auf dem Platz besser bewerben, weil an den Totoschaltern unsere Mitarbeiter doch einiges erklären mussten, das kostet Zeit und an den Kassen kommt es beim Wetten ja auch auf Geschwindigkeit an.

BT: Das bringt uns direkt zu einem anderen Thema. Aus den Reihen der Mitarbeiter an den Totalisatoren kam nach BT-Recherchen zuletzt Kritik auf im Hinblick auf fehlende Wertschätzung, auch vor dem Hintergrund, dass es - Mindestlohn ausgenommen - seit 20 Jahren keine Gehaltssteigerung gab.

Hofmeister: Ich glaube der Punkt, um den es geht, ist tatsächlich die Wertschätzung, das wurde auch an mich herangetragen. Wir haben an den Renntagen 380 Aushilfen auf dem Platz, davon im Schnitt 110, die uns an den Totoschaltern unterstützen. Wir sind stolz und dankbar, so viele - in einigen Fällen seit Jahrzehnten - treue Aushilfen zu haben, sogar ganze Familien, die ihren Jahresurlaub nach den Renntagen planen. Bei der Bezahlung achten wir streng auf die Einhaltung des Mindestlohns. Da rechnen wir auch nach, dass bei längeren Renntagen und Pauschalbezahlung niemand unter den Mindestlohn fällt. Der wurde in diesem Jahr bei uns wie überall anders um vier Prozent erhöht. Aber in der Tat verdient man bei uns an den Renntagen keine Reichtümer. Aber in vielen Gesprächen, die wir geführt haben, hat sich uns auch gezeigt, dass die Menschen, die uns unterstützen, in den wenigsten Fällen nur wegen des Geldes kommen, sondern, weil sie dieser Rennbahn ganz eng verbunden sind. Dafür müssen wir lauter und öfter ein herzliches Dankeschön sagen. Da ist Luft nach oben.

BT: Also durchaus Selbstkritik?

Hofmeister: Ja. Das Schulterklopfen, das öffentliche Wertschätzen haben wir in der Vergangenheit tatsächlich bei den ein oder anderen Gruppierungen zu selten gemacht und da können wir deutlich besser werden. Denn diese 380 Mitarbeiter machen unsere Renntage erst möglich. Deswegen haben wir auch einige neue Ideen generiert und wollen etwa ein großes Helferfest am Ende der Saison veranstalten.

BT: Aber nicht mehr Geld?

Hofmeister: Wir kämpfen als Rennbahn immer noch ums Überleben und sind noch lange nicht im grünen Bereich, auch wenn wir von Jahr zu Jahr besser werden. Und wir können nicht nur eine Gruppe alleine betrachten. Bei 380 Mitarbeitern würde eine Anhebung um einen Euro die Personalkosten sofort um 30 000 Euro nach oben schnellen lassen, das ist unter der Saison, die eine Budgetplanung hat, nicht machbar. Trotzdem überprüfen wir das jedes Jahr und haben 2019 wie gesagt auch um vier Prozent angehoben. Und wenn wir nächstes Jahr die Chance sehen, nachzulegen, dann werden wir das auch tun. Aber Wertschätzung lässt sich nicht nur durch Geld darstellen und unsere Helfer kommen wie gesagt auch nicht deswegen.

BT: Der Koordinator der Totalisatormitarbeiter hat in diesem Sommer gekündigt. Gab es Probleme, Mitarbeiter für die Große Woche zu finden?

Hofmeister: Nein. Klar, der eine oder andere scheidet aus, es kommen aber auch neue dazu. Bewegung ist da immer drin. Aber ich sage es noch mal, wir können und werden auch nachbessern in puncto Dankbarkeit und Wertschätzung, weil diese hohe Unterstützung aus der Region alles andere als selbstverständlich ist. Da nehme ich die Kritik an, dass wir besser werden können. Eine solche Geste ist oft mehr wert als die Frage, ob wir 10 Euro oder 10,20 Euro zahlen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Wissbegier und Neugierde sind hier selbstverständlich

03.08.2019
Kinder auf Entdeckertour
Baden-Baden (red) - Mit Beginn der Ferien endet auch das Sommersemester der Hector-Kinderakademie Baden-Baden. Knapp 170 Grundschulkinder (Foto: Kinderakademie) sind seit März 2019 in vielen Kursen wieder auf Entdeckertour in den verschiedensten Gebieten gegangen. »-Mehr
Sinsheim
Die Kasse ist gut gefüllt

01.08.2019
TSG: Die Kasse ist gut gefüllt
Sinsheim (dpa) - Die Kasse ist prall gefüllt, dafür der Kader ausgedünnt: Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim hat über 100 Millionen Euro an Transfereinnahmen generiert, zuletzt knapp elf Millionen für Nadiem Amiri. Dagegen kehrt Sebastian Rudy zu den Kraichgauern zurück (Foto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
´Deutschland macht es sich bequem´

01.08.2019
BT-Interview mit Oettinger
Baden-Baden (kli) - EU-Kommissar Günter Oettinger (Foto: Zeindler-Efler) äußert sich im BT-Interview in Baden-Baden über den Zustand der EU, den Brexit, die Rente mit 70, seine berufliche Zukunft und den VfB Stuttgart. Außerdem gibt er Winfried Kretschmann einen Ratschlag. »-Mehr
Baden-Baden
Interview mit Günther Oettinger

31.07.2019
Interview mit Günther Oettinger
Baden-Baden (kli) - EU-Kommissar Günther Oettinger hält Auflagen durch die EU-Kommission für möglich, wenn er sich nach seinem Ausscheiden als EU-Kommissar als Berater für Politik und Wirtschaft selbstständig machen will - das sagte er im BT-Interview (Foto: Zeindler-Efler). »-Mehr
Berlin
Sommerzeit ist nicht automatisch Eiszeit

27.07.2019
Fruchteissorten immer beliebter
Berlin (red) - Im Sommer gehört es einfach dazu: Leckeres Eis. Vor allem fruchtige Sorten wie Ananas oder Zitrone sind beliebt. BT-Korrespondent Stefan Vetter hat mit Annalisa Carnio (Foto: Uniteis e. V.), der Sprecherin von Uniteis über die Trends der Saison gesprochen. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

17 Milliarden Lämpchen erstrahlen laut einer aktuellen Umfrage in der Advents- und Weihnachtszeit in deutschen Haushalten. Schmücken auch Sie ihr Heim mit Lichterketten?

Ja, ein wenig.
Ja, üppig.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1