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Smarter durch den Nationalpark
Smarter durch den Nationalpark
16.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart/Schwarzwaldhochstraße - Die gesamte Tourismusbranche soll dank Smart Tourism zukunftsfähig gemacht werden, um "ihre nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern". So heißt es jedenfalls in der vom Innenministerium verantworteten Digitalisierungsstrategie des Landes. Die FDP-Fraktion bringt jetzt die Lenkung der Besucherströme per Mobilfunk-App ähnlich wie in Südtirol auch im Nationalpark Schwarzwald ins Spiel. Weil es um eine Million Gäste geht - Tendenz steigend -, von denen die allermeisten mit dem eigenen Auto kommen.

Südtirol ist Vermarktungsvorbild, längst nicht mehr nur unter Insidern. Seit vielen Jahren sind zentrale Elemente von Tourismuswerbung und Standortmarketing gebündelt, seit 2099 existiert der "Südtirol Guide", der angepriesen wird als "mobiler Alleskönner, vom Hotelfinder über die Auflistung von Top-Sehenswürdigkeiten bis hin zur Wettervorhersage", hinzukommen eine Ortung und Infos zur direkten Umgebung. An der Freien Universität Bozen wird darüber nachgedacht, wie die gesammelten Daten auf Basis des Datenschutzrechts auch zur Lenkung der Gästeströme verwendet werden können. Die Idee ist in anderem Zusammenhang längst erprobt: In Holland werden, wenn die Nutzer zugestimmt haben, schon seit Jahren Mobilfunkdaten zur Stauprognose und damit verbunden zur Verkehrslenkung benutzt.

Auch Baden-Württemberg hat einschlägige Erfahrungen gesammelt. Zwischen November 2016 und Juni 2019 lief das Modellprojekt "Camping-Leitsystem in der Region Bodensee-Oberschwaben" samt seinen "internetbasierten Informationen zur Erhöhung der Attraktivität des ländlichen Raumes und zur Nachfragesteuerung des Campingtourismus in der Region Bodensee-Oberschwaben". Der Erfolg war durchschlagend, seit wenigen Wochen läuft das Leitsystem im Realbetrieb. Der Camping-Suchverkehr, die davon ausgehenden Verkehrsüberlastungen und -gefährdungen, sagt Tourismusminister Guido Wolf (CDU), werden reduziert. Eine Übertragung "auf die Destination Schwarzwald" sei denkbar.

Die FDP will mehr. Erik Schweickert, ihr Tourismusexperte, kann sich vorstellen, dass mit entsprechenden Diensten Besucherströme auch im Nationalpark entzerrt und Stau- oder Wartezeiten verringert werden. Außerdem seien Nischenangebote abseits der touristischen Hotspots gezielter zu vermarkten. Allerdings wissen Experten der Tourismusmarketing Baden-Württemberg (TMBW), wie wenig ausgeprägt - zumindest noch - das Interesse unter Urlaubern am Herunterladen regionaler Apps ist. "Konzepte zu solch einer gezielten Lenkung", heißt es in einer Reaktion auf den Vorstoß der FDP-Fraktion weiter, "eignen sich insbesondere in Ballungsräumen und Großstädten".

Für den Nordschwarzwald ist nach Auskunft des Ministeriums die Einrichtung einer sogenannten Mobilitätsplattform geplant. Sie soll verkehrliche und touristische Daten vernetzen und so eine digitale Verkehrslenkung ermöglichen. Denn die Besucherzahlen sind stattlich. Auf den Zufahrtsstraßen zum Nationalpark werden an einem beliebigen Sonntag knapp 20 000 Pkw registriert. In dem Gutachten, das Grundlage des aktuellen Verkehrskonzepts ist, sind 30 Prozent davon als Durchgangsverkehr eingestuft und weitere 20 Prozent "als Panorama-Fahrten um der Fahrt willen".

Auch Gästeanreisen sind analysiert: 88 Prozent kommen nur für einen Tag, vor allem vom nördlichen Oberrhein und aus dem Großraum Stuttgart. Genutzt werden könnten alle diese Daten für smarte Angebote. Allerdings erinnert Minister Wolf an eine Hürde auf dem Weg: "Die Erfassung und Verarbeitung personenbezogener Angaben und des Aufenthaltsorts ist nur dann rechtmäßig, wenn eine Einwilligung vorliegt, die der Datenschutz-Grundverordnung genügt."

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