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Weg von der Wegwerfgesellschaft
Weg von der Wegwerfgesellschaft
27.08.2019 - 06:25 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Mit einer Aktionswoche Anfang Oktober will das Ministerium für ländlichen Raum (MLR) mehr Bewusstsein für eines der großen Probleme in hoch entwickelten Ländern schaffen: die Verschwendung von Lebensmitteln. Es geht ums Einkaufsverhalten, um Lagerbedingungen oder Verwertungsmöglichkeiten. Denn noch immer landen - auch im Südwesten - unvorstellbare 100 Kilo pro Sekunde im Müll.



In Frankreich ist es Supermärkten sogar per Gesetz verboten, unverkaufte, aber genießbare Lebensmittel zu entsorgen oder gezielt ungenießbar zu machen. Allerdings braucht sich Deutschland nach der Einschätzung der Experten in dem von Peter Hauk (CDU) geführten Ministerium nicht zu verstecken. Dank der Zusammenarbeit mit Tafelläden und Tafeln in allen 16 Ländern würden pro Jahr rund 260 000 Tonnen Lebensmittel vor der Entsorgung gerettet, heißt es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Landtagsfraktion. Dagegen sind es bei den westlichen Nachbarn seit Einführung der Anti-Wegwerf-Regelungen im Jahr 2016 gerade mal 46 000 Tonnen.

Die Dimension unterstreicht allerdings eine ganz andere Zahl. Bundesweit werden im Jahr rund 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. In Baden-Württemberg sind es rund 2,5 Millionen Tonnen, obwohl das Land nach einer Untersuchung des WWF gemeinsam mit NRW und Rheinland-Pfalz als vorbildlich im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung gilt. Der muss aber deutlich intensiviert werden, denn nach den Vorgaben von UN und EU sollen die Zahlen bis zum Jahr 2030 halbiert sein.

Europaweites Positiv-Beispiel ist Dänemark mit einer Wegwerf-Quote in Privathaushalten von nur vier Prozent, gegenüber zwölf Prozent in der Bundesrepublik. Seit 2010 wird die Zusammenarbeit von Herstellern, Importeuren, Verbänden und Einzelhändlern erfolgreich intensiviert, außerdem läuft eine breit angelegte Aufklärungsarbeit. Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), die zuständige Staatssekretärin im MLR, kann auf die Runden Tische mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels auch in Baden-Württemberg verweisen, "um das Thema ins Bewusstsein zu rücken und gemeinsame Aktivitäten zu erarbeiten".

Untersucht ist auch, was Privathaushalte vor allem wegwerfen: Obst und Gemüse, gefolgt von Brot und Backwaren. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft außerdem herausgefunden, dass vor allem bereits Zubereitetes im Abfall landet und dazu Konserven und Fertigprodukte. Verlangt wird auch in diesem Zusammenhang eine breitere Aufklärung der Konsumenten.

Ebenfalls verstärkt in den Blick nehmen will das MLR die Verbraucher von morgen. Gerade im schulischen Bereich "finden sich in den einzelnen Fachplänen der Bildungspläne 2016 für die allgemeinbildenden Schulen unterschiedliche Anknüpfungspunkte zum Thema'", schreibt Ministerialdirektor Ulrich Steinbach in seiner Antwort an die FDP-Fraktion. Und er hebt bestehende Kooperationen zwischen Schulen und Tafeln oder Tafelläden heraus. Im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Landeswettbewerbs für Realschulen haben sich 2019 zudem gleich mehrere Klassen und Arbeitsgemeinschaften mit Fragen der Lebensmittelverschwendung befasst. Zum Beispiel die Mörike-Realschule in Heilbronn, an der Schüler mit der Lagerfähigkeit von Äpfeln experimentierten und mit den Möglichkeiten, Dörrobst oder Saft herzustellen, um Wegwerfen zu vermeiden.

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