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Schwarzes Jahr für die Honigernte im Elsass
Schwarzes Jahr für die Honigernte im Elsass
28.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Lorey

Straßburg - In fast 45 Jahren Imkertätigkeit hat Roland Saenger aus der Straßburger Randgemeinde Illkirch noch nie so eine schwache Ernte wie in diesem Jahr gehabt: "In einem normalen Jahr müssten wir 20 bis 30 Kilo Honig pro Bienenstock ernten. In diesem Jahr sind es nicht einmal zehn Kilo. Wir sind bei 15 bis 20 Prozent dessen, was wir vergangenes Jahr produzierten", sagte der Hobbyimker im Regionalradio France Bleu Alsace. Der katastrophale Ernteeinbruch gilt für alle Honigarten, die Saenger produziert: für Tanne, Akazie, Kastanie und Lindenblüten.

Der Grund für das miese Ernteergebnis sind der kalte und regnerische Frühling, der die Bienen daran hinderte, ihren Stock zu verlassen und Nektar der Obstbaum- oder Löwenzahnblüten zu sammeln, und das im Monat Mai, der wegen der üppigen Blütenpracht überall als Hauptschwärmzeit gilt. Als Folge wuchsen die Bienenvölker nicht, wie Imker Charles Huck aus Mutzig westlich von Straßburg erklärt. Die Imker mussten ihre Bienenvölker füttern, einige verhungerten sogar. "Ende Mai, Anfang Juni waren die Kolonien schwach", sagt Huck. Denn wenn es zu kalt ist und die Bienen keine Nahrung herbeischaffen können, hört die Königin auf, Eier zu legen.

Dann setzte die Trockenheit und Hitzewelle im Juni und Juli den Bienenvölkern weiter zu. Statt Nektar und Pollen zu sammeln, zogen es die Tiere zum einen eher vor, im Kühlen zu bleiben. Dazu kam zum anderen, dass etwa die normalerweise zu dieser Jahreszeit blühenden Lindenblüten schnell austrockneten und so das Nektarsammeln fast unmöglich machten. Zuletzt zerstörten einige heftige Gewitter im Sommer die wenigen Honigproduktionsansätze in den Bienenkolonien.

Die Imker erwarten wegen des katastrophalen Wetters daher einen Ernteausfall von bis zu 80 Prozent der Honigproduktion im Elsass im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr.

Doch es gibt noch andere Faktoren, die diesen Ausfall erklären: "Man muss die intensive Nutzung von Pestiziden dazurechnen, die die Bienenpopulationen dezimieren", erklärt Michel Kerneis im Regionalradio. Er ist Vorsitzender der Imkervereinigung Straßburg 1869. "Und unsere ländlichen Gegenden sind regelrechte Wüsten: Es gibt auf den Feldern keine Möglichkeit mehr zum Nektar sammeln."

Eine Feststellung, die André Frieh, Präsident des Imkerverbands Haut-Rhin, teilt: "Die riesigen Maisfelder in der Rheinebene sind zwar hübsch anzuschauen. Aber was die Artenvielfalt angeht, sind sie eine Katastrophe für alle Insekten, einschließlich der Bienen."

Das Nahrungsangebot für die Bienen ist inzwischen teilweise so knapp, dass viele Imker, darunter auch Roland Saenger aus Illkirch, ihre Bienen mit Wasser und Zucker füttern mussten, damit sie nicht verhungerten.

Die niedrige Honigernte im Elsass hat auch Auswirkungen auf die am 4. Oktober in Wintzenheim stattfindende Honigprämierung. Für die 31. Ausgabe des Geschmackswettbewerbs werden die Prüfer deutlich weniger Auswahl zum Schmecken und Riechen bekommen. Bislang hat der Elsässische Imkerverband 80 Honigproben sammeln können. "Wir hoffen, dass wir auf 100 bis 120 kommen", sagt André Frieh vom Imkerverband Haut-Rhin. "Normalerweise haben wir um die 400 Honigproben für die Jury. Das sagt alles über die aktuelle Lage aus."

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