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Der "hoffnungslos Unzeitgemäße"
Der 'hoffnungslos Unzeitgemäße'
31.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Fast ein halbes Jahrhundert hat er die Politik in Baden-Württemberg mitgeprägt, noch länger seine CDU, die ihm große Erfolge zu verdanken hat, wichtige programmatische Akzente, aber auch ein unbestelltes Haus zum Abschied: Am Mittwoch feiert der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel seinen 80. Geburtstag, standesgemäß im Stuttgarter Neuen Schloss und ausgerichtet von einem grünen Nach-Nach-Nachfolger.

Die Deutsche Verlagsanstalt ist vor 20 Jahren mit einem besonderen Präsent an den Feierlichkeiten beteiligt. "Auf sicherem Fundament" lautet der Titel für Teufels Festschrift zum Sechzigsten. Unter den vielen Autoren mit klingenden Namen findet sich ein Oppositionspolitiker, einer, von denen es nach Meinung des Geehrten "mehr geben sollte bei den Grünen". Winfried Kretschmann verewigt sich mit einem besonderen Kompliment: "Im Vergleich mit den Medienvirtuosen, die zunehmend die politische Bühne bevölkern, ist er ein Unzeitgemäßer, ein hoffnungslos Unzeitgemäßer."

Der katholische Bauernsohn war zeit seines politischen Wirkens immer beides: zeitgemäß und unzeitgemäß zugleich. Mit der "Grünen Charta" versucht er, die Südwest-CDU schon Mitte der Achtziger als Fraktionschef im Landtag an die Themen Umweltschutz und Erderwärmung heranzuführen. Nach Lothar Späths Sturz anno 1991 wird er ein Ministerpräsident, dem das Projekt Ökologie wie so vielen in den beiden großen Volksparteien aus den Augen geriet. Ebenso wie die Idee einer zupackenden und doch liberalen Ausländerpolitik: Auch der Stuttgarter Regierungschef macht bereitwillig Stimmung gegen den Doppelpass für integrierte Gastarbeiterfamilien.

Späth hatte vieles angefangen, Teufel trat als Vollender ins Rampenlicht. Die Stromversorger EVS und Badenwerk wurden fusioniert zur EnBW, SWF und SDR zum SWR, wichtige Banken fanden sich unter dem gemeinsamen Dach der Landesbank Baden-Württemberg. Zugleich führte der einst jüngste Bürgermeister der Republik die eher konservativ profilierte Landes-CDU an heikle gesellschaftspolitische Themen heran, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und Teufel, wie der Vorgänger ein Erfolgreicher ohne Abitur, stärkte Wissenschaft und Forschung. "Er arbeitet am liebsten im Stillen, legt sich die Schachzüge zurecht und versteht es aber dann mit sicherem Machtinstinkt, die handelnden Personen in sein Konzept einzuspannen", heißt es in einer der vielen Analysen seines Wirkens.

1956 war der 17-Jährige der CDU beigetreten, gemeinsam mit Heiner Geißler gründete er in Rottweil die Junge Union. Der Bundesgeschäftsfrüher der CDU, Bruno Heck, wird einer seiner Förderer auf ganz ungewöhnliche Art: Tag für Tag lässt er in Bonn ein Päckchen packen mit der nicht mehr benötigten Post, um den jungen Parteifreund auf dem Laufenden zu halten. 1972 zieht Teufel in den Landtag ein, 1974 ein Knick in der Karriere und ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, nachdem eine Sondermülldeponie auf wundersame Weise entgegen der Planung doch nicht in seinem Wahlkreis angesiedelt wird. Dennoch geht es immer weiter bergauf. Als Teufel 2005 abdankt, gedrängt von seinem zunehmend ungeduldiger gewordenen Kronprinzen Günther Oettinger, ist er der am längsten amtierende Regierungschef im Land.

Dass Kretschmann überhaupt an die Macht kommt, hat auch mit seinem Vor-Vor-Vorgänger zu tun, der keine Mittel und Wege findet, sein Erbe zu ordnen. Stattdessen der CDU-Mitgliederentscheid zwischen Oettinger und Annette Schavan, der den Landesverband auf viele Jahren spalten sollte.

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