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Das Spitzenpersonal
31.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Stefan Vetter

Berlin - Die schwierige Findung des künftigen SPD-Spitzenpersonals ist auch ein Konjunkturprogramm für die Satire. Nachdem lange Zeit überhaupt kein Kandidat aus der Deckung kam, könnte die gebeutelte Partei mittlerweile ein Panini-Album damit bestücken - nur ein Witz unter vielen.



Und jetzt nahm sich auch noch Entertainer Jan Böhmermann der Sache an, indem er seine Fernsehshow zur Bühne für eine eigene Bewerbungsrede umfunktionierte. Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: "Du musst es machen", ulkte Böhmermann.

Im Berliner Willy-Brandt-Haus sieht man den Kandidatenwettbewerb naturgemäß weniger locker. Schließlich kostet der nicht nur einen Haufen Geld (bis zu 1,9 Millionen Euro), sondern auch jede Menge organisatorischen Kraftaufwand. Morgen um 18 Uhr endet die Bewerbungsfrist. Aber schon jetzt fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Mit Stand gestern Nachmittag hat der Wahlvorstand der Partei grünes Licht für sieben Kandidatenduos gegeben, weil sie die notwendige Unterstützung zusammengebracht haben. Das konnten entweder fünf SPD-Unterbezirke, ein Bezirk oder ein Landesbezirk sein.

Definitiv ins Rennen gehen deshalb nun Finanzminister Olaf Scholz gemeinsam mit der brandenburgischen Landtagsabgeordneten Klara Geywitz, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping, Außenamts-Staatsminister Michael Roth und die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann, die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Hilde Mattheis von der Parteilinken und Verdi-Funktionär Dierk Hirschel.

Zuletzt erfüllten die formalen Voraussetzungen noch Parteivize Ralf Stegner zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan sowie Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens im Verbund mit seiner Flensburger Amtskollegin Simone Lange.

Doch selbst mit diesen 14 Namen könnte die Kandidatenliste noch nicht geschlossen sein. Der mitgliederstärkste Landesverband Nordrhein-Westfalen unterstützte gestern Abend in Dortmund einstimmig die Bewerbung des ehemaligen Landesfinanzministers Norbert Walter-Borjans, der zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken antritt. Obendrein gibt es drei Einzelbewerber.

Der eigentliche Showdown startet dann am kommenden Mittwoch, wenn in Saarbrücken die erste von insgesamt 23 Regionalkonferenzen über die Bühne geht. Sie sollen so ablaufen, dass sich alle Bewerber zunächst kurz vorstellen und danach Fragen aus dem Partei-Publikum beantworten. Das alles überwölbende Thema dürfte sein, wie es die Kandidaten mit der großen Koalition halten. Unter den Bewerbern sind die Groko-Skeptiker in der Mehrzahl, weshalb es auch nicht ausgemacht ist, ob das als Favorit gehandelte Duo Scholz/Geywitz am Ende die Nase vorn hat. Die letzte der 23 Regionalkonferenzen ist für den 12. Oktober in München terminiert. Anschließend haben die SPD-Mitglieder zwei Wochen Zeit, um online oder per Brief ihre Personalentscheidung zu treffen. Wenn kein Duo oder Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen kann, was bei der Bewerber-Fülle zu erwarten ist, kommt es in der zweiten Novemberhälfte zu einer Stichwahl unter den zwei Bestplazierten. Das Ergebnis soll am 30. November veröffentlicht werden. Und selbst dann ist noch nicht Schluss, denn die Personalie muss noch von einem Bundesparteitag abgesegnet werden, der am 6. Dezember in Berlin zusammentritt. Böhmermann ist übrigens nicht einmal SPD-Mitglied. Warum er seinen Hut dennoch in den TV-Ring warf? "Jesus war auch nicht in der Kirche", meinte er spitzfindig. So könnte die SPD noch weiteren Stoff für Spötteleien bieten.

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