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"Wir unterstützen den Plan"
'Wir unterstützen den Plan'
03.09.2019 - 00:00 Uhr
Stuttgart - Umwelt- und Naturschützer saßen mit am Tisch, als der zuständige Minister Peter Hauk (CDU) gestern sein Paket gegen die Klimaschäden im Wald vorlegte. NABU-Landeschef Johannes Enssle erläutert im Gespräch mit BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer, wie und warum in seinen Augen nachgearbeitet werden muss.

Interview

BT: Herr Enssle, Sie waren beim ersten Waldgipfel mit dabei, wie bewerten Sie den Notfallplan?

Johannes Enssle: Viele der dort beschlossenen Maßnahmen sind sinnvoll, wir unterstützen den Plan. Natürlich begrüßen wir, wenn mehr Personal und Mittel für den Wald in Aussicht gestellt werden. Bisher besteht der Plan aber noch aus Überschriften, die sich erst in der Umsetzung beweisen müssen. Klar wird durch den Notfallplan auch, dass der Klimawandel die Forstwirtschaft zunehmend in einen Reparaturbetrieb treibt. Die Situation ist dramatisch, aber sie wird noch viel dramatischer werden, wenn wir jetzt nicht die richtigen Weichen stellen.

BT: Was heißt das konkret?

Enssle: Ganz konkret sind Union und SPD in Berlin gefragt. Insbesondere die Union muss sich beim Klimaschutz bewegen. Der beste Notfallplan ist engagierter Klimaschutz. Wir brauchen eine CO 2 -Steuer und mehr Tempo beim Klimaschutz, auch mit unbequemen Maßnahmen. Das ist die Wahrheit, die uns das neue Waldsterben vor Augen führt. Es wird viel davon gesprochen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Wenn nicht mal wir unsere Klimaschutzziele einhalten, müssen wir ganze andere Szenarien in den Blick nehmen. Was ist, wenn das 1,5-Grad-Ziel nicht gelingt, wenn die Erderwärmung auf fünf oder auch sechs Grad steigt, wie einige Szenarien des Weltklimarates nahelegen? Werden wir bei uns dann überhaupt noch Wälder haben?

BT: Werden wir?

Enssle: Sechs Grad wären ein Horrorszenario, eine andere Welt, dann könnte man für nichts garantieren. Auf jeden Fall müssen wir das vermeiden, und wir müssen die Lage im Wald noch viel genauer analysieren. Welche Bäume reagieren wie an welchen Standorten? Welche Rolle spielt die Waldbewirtschaftung? Das sind zentrale Fragen. Wir müssen unsere Wälder umbauen, wir brauchen mehr Mischwald, wir brauchen aber auch mehr Naturverjüngung. Ich habe die Hoffnung, dass junge Tannen, Eichen und Buchen, die jetzt in sehr trockenen Jahren keimen, sich genetisch anders anpassen als ihre Mutterbäume. Klar ist, dass ein naturnaher Laubmischwald widerstandsfähiger ist als ein gepflanzter Forst aus Fichten.

BT: Die Forstwirtschaft will Aufforstung. Ist das wirtschaftliche Interesse nachvollziehbar?

Enssle: Natürlich, wir wollen ja auch in Zukunft noch Häuser aus dem umweltfreundlichen Rohstoff Holz bauen. Die Forstwirtschaft war immer schon gezwungen, langfristig zu denken. Ein Wandel im Wald geht aber nicht von heute auf morgen. Es reicht meines Erachtens nicht, jetzt einfach die Fichte durch Tulpenbäume oder andere exotische Baumarten zu ersetzen. Wir müssen schauen, wie wir unsere Waldökosysteme als Ganzes stärken können. Dazu gehört mehr Wasser im Wald zu halten, das Kronendach nicht überall durch Straßen und Maschinenwege aufzureißen und bei der Ernte sehr behutsam umzugehen.

BT: Das klingt nach Geduld und mittel- oder langfristigen Maßnahmen. Was muss kurzfristig passieren?

Enssle: Ein Thema, das mir im Notfallplan von Minister Hauk fehlt, ist die Jagd. Sie muss auf jeden Fall miteinbezogen werden. Jeder Jäger weiß, dass Rehe im Winter gerne junge Bäumchen verbeißen. Im Klimawandel brauchen wir aber die ganze Vielfalt der Baumartenpalette, da können wir uns diesen Ausfall nicht leisten. Manchen Menschen wollen das nicht hören, aber wir haben zu viele Rehe im Wald. Wolf, Luchs und Bär haben wir schließlich erfolgreich ausgerottet. Eine stärkere Bejagung von Rehen und die Rückkehr von Luchs und Wolf würden - neben all den anderen genannten Maßnahmen - dem Wald helfen, sich im Klimawandel anzupassen.

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