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Ein langsames Sterben
Ein langsames Sterben
07.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Hagen Strauß

Berlin - In Deutschland stirbt ein besonderes Kulturgut einen langsamen Tod: Setzt sich der Trend fort, wird es in 15 Jahren wohl keine traditionsreichen Wirtshäuser mehr im ländlichen Raum und den Randbezirken der Städte geben. Verbände machen nun mobil gegen die seit langem schon zu beobachtende Entwicklung.

Die Zahlen, die der "Bundesverband der Regionalbewegungen" ermittelt hat, sind alarmierend: 1998 gab es noch über 53 000 Schankwirtschaften, 2017 waren es nur noch rund 30 100. Lasse sich die Entwicklung nicht stoppen, so Verbandschef Heiner Sindel, werde das letzte Wirtshaus im Jahr 2034 den Zapfhahn umdrehen und seine Pforten schließen. Sindels Verband vertritt über 300 Unternehmen und Regionalvermarktungsinitiativen bundesweit, die sich vor allem für die Stärkung des ländlichen Raumes und die regionale Wirtschaft einsetzen. Am 18. September soll in Berlin vor dem Brandenburger Tor mit einer großen Protestaktion auf das Aussterben kleiner Nahversorger hingewiesen werden.

Auch Bäcker und



Metzger gefährdet

Auf der "roten Liste" des Verbandes finden sich auch Bäcker und Fleischer. Bäckerhandwerksbetriebe würden auf der Grundlage der erhobenen Zahlen bis 2039 und Fleischereien im Jahr 2037 von der Bildfläche verschwunden sein. Am dramatischsten sei aber der Rückgang bei den Wirtshäusern, so Sindel.

Ohne die Betriebe gebe es jedoch "keine regionalen Produkte, keine Verkaufsstellen und regionalen Einkehrmöglichkeiten". Das verstärke nur das vielfach bereits vorhandene Gefühl im ländlichen Raum, abgehängt zu sein. Es müsse daher ein Umdenken stattfinden und die Förderung kleiner Handwerksbetriebe generell durch ein "Bundesprogramm Regionale Wertschöpfung" gesichert werden.

Bayern hat inzwischen eine Initiative gegen das Kneipensterben auf dem Land gestartet. Es soll Fördergelder geben für den Erhalt von Gasthöfen. Auch der Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) beklagt ein Wirtshaussterben auf dem Lande sowie das Verschwinden klassischer Restaurants aus den Innenstadtlagen. Deswegen müsse die Wettbewerbsfähigkeit der arbeitsintensiven Gastronomie dringend gestärkt werden - zum Beispiel durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in Gaststätten, fordern Experten.

Nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) besteht eine große Herausforderung für die Betriebe in ländlichen Regionen vor allem darin, Nachwuchs und Fachkräfte zu finden. Das bekommen auch traditionsreiche Wirtshäuser zu spüren. Grundvoraussetzung für den langfristigen Erhalt der Betriebe sei daher vor allem eine Steigerung der Attraktivität der ländlichen Standorte, sagt Ilja Nothnagel, zuständiges Mitglied der Hauptgeschäftsführung des DIHK.

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