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"Das ist reine Propaganda"
10.09.2019 - 00:00 Uhr
Berlin - Nach dem schweren Unfall mit mehreren Toten in Berlin ist eine Debatte um den SUVs entbrannt. Der Unglücksfahrer fuhr einen solchen Wagen. Die Fahrzeuge seien aber nicht gefährlicher als andere, so der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Interview

BT: Herr Dudenhöffer, sind SUVs besonders gefährlich?

Ferdinand Dudenhöffer: Ein SUV ist genauso gefährlich wie ein Transporter, wie eine Großraumlimousine, wie ein Touran, ein Zafira oder ein Sharan. Soll heißen: Es ist höchst bedauerlich, dass dieser Unfall geschehen ist. Aber er hätte genauso gut mit einem anderen Fahrzeug passieren können. Das jetzt nur an dem Namen SUV aufzuhängen, ist reine Propaganda und keine Beurteilung von Fakten.

BT: Es gibt Forderungen nach einem Verbot in den Städten oder einer Obergrenze. Ließe sich das überhaupt durchsetzen?

Dudenhöffer: Nein. Das ist nicht umsetzbar und im höchsten Maße populistisch. Sowohl die Deutsche Umwelthilfe als auch viele Politiker in unterschiedlichen Parteien nutzen das schlimme Ereignis und den SUV für ihre Ziele. Es gibt weniger als fünf Prozent der Riesen-Autos. Unter dem Strich kommen für die Hersteller durch die in Europa verkauften Monster-SUVs kaum Gewinne herein. Die deutschen Autobauer sind auch aufgefordert, nicht den amerikanischen Weg zu gehen, wo die Fahrzeuge immer größer werden. Das bringt nur Unruhe und erzeugt mehr Schaden als Gewinn.

BT: Was bedeutet die Debatte für die Automobilindustrie?

Dudenhöffer: Die ganze Diskussion schadet ihr. Übrigens auch denen, die sie politisch führen und Fakten verdrehen. Denn es werden Reizbilder geschaffen, damit man konfrontativ argumentieren kann. Wichtig ist doch, einen Ausgleich zu finden zwischen individueller Mobilität und der Klimaverträglichkeit. Mit mehr Elektroautos, auch mit Elektro-SUVs, wäre das möglich.

BT: Warum ist der SUV eigentlich so beliebt?

Dudenhöffer: Diese Fahrzeuge haben große Vorteile für die Käufer. Man hat eine besser Übersicht und ein höheres Sicherheitsgefühl. Sie sind ergonomisch vorteilhaft für Ältere, denn die meisten Käufer sind um die 55 Jahre alt. Und ein SUV hat eine große Ladekapazität. Kurzum: Dieses Auto ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ein Drittel der Neuwagen sind derzeit SUVs, erstmals werden in diesem Jahr in Deutschland mehr als eine Million neu zugelassen werden.

BT: Welche Rolle spielt die höhere Leistung?

Dudenhöffer: Die hat ein solches Fahrzeug nur unter Umständen. Denn es gibt mittlerweile viele kleine SUVs, die Kompakten und die der Mittelklasse. Ein SUV ist also nicht immer ein Riesenmonster. 52 Prozent aller, die in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 zugelassen wurden, waren lediglich so lang wie ein Golf oder kürzer.

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