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Geld ist da, Bewerber fehlen
10.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Florian Krekel

Rastatt - Der Rastatter Schulamtsleiter Wolfgang Held kann beim Pressegespräch gestern einen Satz sagen, den es an öffentlichen Stellen nicht oft zu hören gibt: "Am Geld liegt es nicht." Denn finanzielle Mittel für Lehrstellen sind ausreichend vorhanden, nur an Bewerbern mangelt es. Besonders an Grundschulen spürt die in der Barockstadt ansässige Behörde - wie überall in Deutschland - das Fehlen von Pädagogen.



Zwar sei es gelungen, alle Stellen zu Beginn des Schuljahres zu besetzen, doch dabei wurden die Krankheitsreserven und Vertretungslehrer schon größtenteils miteingeplant. Unterrichtsausfall sei an den vom Schulamt betreuten Schulformen - Grund-, Werkreal-, Real-, Gemeinschafts- und Sonderschulen (Gymnasien und Berufsschulen unterstehen direkt dem Regierungspräsidium) - daher wohl nicht zu vermeiden, prognostiziert Held.

Das hat auch mit einem ganz bestimmten Trend zu tun, der sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt. "Von den 104 Junglehrern, die wir gerade vereidigt haben, sind knapp 70 Prozent weiblich, bei den Grundschullehrern sind sogar 90 Prozent Frauen", bilanziert Held. Diese Entwicklung bedingt, dass die Schulämter zunehmend mit Schwangerschaften planen müssen und deshalb eigentlich einen deutlich größeren Vertretungslehrer- und Personalpool bräuchten, als aktuell vorhanden. Und das, obwohl die sogenannte festinstallierte Krankheitsreserve im Schulamtsbezirk Rastatt schulartübergreifend aus 125 Lehrkräften mit zusammen mehr als 3 000 Deputatsstunden besteht.

Warum immer weniger Männer Lehrer werden wollen, erklärt sich Held mit der veränderten Ausbildung. Früher sei man zum Haupt- und Grundschullehrer ausgebildet worden, heutzutage müsse man sich schon am Beginn des Studiums auf die Schulart festlegen, und da täten sich viele Männer schwer, sich für die Grundschule zu entscheiden. Beim alten Ausbildungsmodell hätten hingegen einige mit der Zeit bemerkt, dass es mit den ganz Kleinen doch ganz schön sei, so Held.

Die Schwangerschaften und Krankheitsausfälle sind aber bei Weitem nicht der einzige Grund für den Lehrermangel. Hinzu kommt nämlich auch, dass die starken Jahrgänge der 50er Jahre nun kontinuierlich in Pension gehen und verschiedene Neuerungen wie Ganztagsschulen, Inklusionsklassen, Stärkung der Realschulen sowie des Informatik- und Ethikunterrichts schlichtweg auch mehr Lehrstellen nötig machten. Gleiches gilt für die Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder.

All das führt laut Held dazu, dass das Rastatter Schulamt seit 2018 mehr Stellen als Bewerber hat. Die Behörde versucht deshalb, mit verschiedensten Mitteln gegenzusteuern. So wird beispielsweise arbeitslosen Gymnasiallehrern - der einzige Schulbereich, bei dem ein Überangebot besteht - die Möglichkeit geboten, bei gleicher Besoldung an einer Gemeinschaftsschule zu unterrichten; oder mit Abschlägen etwa an Real- oder Grundschulen zu gehen und im Gegenzug dafür nach drei Jahren einen sicheren Platz auf der Einstellungsliste für Gymnasien beim Regierungspräsidium zu erhalten. Zusätzlich werde laut Held aktuell sogar schon wieder ein sogenanntes Ortsgeld, ein zusätzlicher Obolus, diskutiert, für diejenigen, die sich verpflichten, an eine ländliche Schule zu gehen. Denn die haben es besonders schwer, sagt Held.

"Heutzutage ist es so, dass viele Junglehrer eine lebenslange Verbeamtung im ländlichen Raum ablehnen und dafür lieber einen Zeitvertrag in der Stadt, zum Beispiel in Karlsruhe, nehmen." Die Ballungsräume seien als Wohn- und Arbeitsorte zunehmend attraktiver, und die Bewerber, was den Standort angeht, weniger flexibel als früher. Einst herrschte zudem ein Überangebot an Lehrern, heute sei man froh um jeden Bewerber, liefert Held eine weitere Erklärung für das wählerische Bewerberverhalten.

Weitenung und Neusatz ohne Rektoren

Der Trend zur Stadt wird im Schulamtsbezirk Rastatt besonders deutlich. Denn im Landkreis Freudenstadt, der neben dem Stadtkreis Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt zum Bezirk zählt, sind gleich sieben Rektorenstellen an Grundschulen nicht besetzt. Im Landkreis Rastatt sind es zwei: Weitenung und Neusatz.

Summa summarum unterrichten im Rastatter Bezirk schulformübergreifend im kommenden Schuljahr rund 1 970 Lehrer 27 213 Schüler (plus 814 Schüler im Vergleich zum Schuljahr 18/19). Die größten Zuwächse gibt es laut Statistik bei den Gemeinschaftsschulen (plus 17 Prozent). Die durchschnittliche Klassengröße pendelt zwischen 19 (Grundschule) und 24,4 (Realschule).

Besonders stolz ist man auf die Sommerschulen - erlebnisorientierte Bildungsangebote für Schüler mit Nachholbedarf. Sie sind kostenlos und finden etwa im Nationalpark, im Festspielhaus Baden-Baden oder in Schloss Rotenfels statt. Die Teilnahme an ihnen ist freiwillig, sozial benachteiligte Kinder werden laut Held bei der Vergabe der Plätze bevorzugt.

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