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Meisterbetriebe gelten als krisenfester
Meisterbetriebe gelten als krisenfester
11.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Volz

Karlsruhe/Baden-Baden - Für die Handwerkskammer Karlsruhe ist die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht für zentrale Gewerke ein großer Schritt in Richtung Qualität und Kundenzufriedenheit. "Die Rückkehr zu alten Standards war längst fällig", sagt der Sprecher der Kammer, Alexander Fenzl. Anfang 2020, darauf hat sich schwarz-rote Koalition in Berlin verständigt, soll der Meisterbrief in Deutschland wieder mehr Gewicht erhalten.

Die Zahlen, die Fenzl für die Handwerkskammer nennt, verdeutlichen die Entwicklung seit Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004. Die Kammer zählte zum Jahresende 2018 zwar zum ersten Mal mehr als 19 000 Mitgliedsbetriebe. Doch der neue Höchststand von 19 073 ist einzig auf den Anstieg der Betriebszahlen (plus 263) von sogenannten zulassungsfreien Gewerken zurückzuführen. Dazu zählen in erster Linie Gebäudereiniger (plus 58), Fotografen (plus 66) und Kosmetiker (plus 127). Im zulassungspflichtigen Handwerk, das Mitarbeiter beschäftigt und ausbildet, gab es 2018 dagegen einen Rückgang der Betriebe (minus 111).

Schaut man sich die Zahlen in zulassungsfreien Berufen genauer an, fallen exorbitante Steigerungsraten seit Wegfall der Meisterpflicht 2004 bis Ende 2018 insbesondere bei den Fliesenlegern (von 276 auf 1160), bei Parkkettlegern (von 28 auf 110) und bei Raumausstattern (von 195 auf 499) auf. In der Regel sind dies Ein-Mann-Betriebe, die teilweise wie Pilze au dem Boden schießen - aber oft genau so schnell wieder von der Bildfläche verschwinden. Denn - das ist die Kehrseite der Medaille - die Fluktuation ist gerade bei den zulassungsfreien Berufen groß. Ein Vergleich: Im Bezirk der Karlsruher Kammer gab es im letzten Jahr 1 937 Eintragungen und 1 785 Löschungen in der Handwerksrolle. Das zulassungspflichtige Handwerk war mit 593 Löschungen beziehungsweise 5,6 Prozent betroffen. Im zulassungsfreien Handwerk waren es 1 192 Löschungen - also 14,2 Prozent. "Daran ist zu erkennen, dass die Bestandsfähigkeit bei Meisterbetrieben deutlich höher ist", sagt Fenzl. Dies gelte insbesondere für die ersten Jahre der Selbstständigkeit, in denen sich solche Betrieb auch als krisenfester erweisen.

Für die Handwerkskammer beziehungsweise das Handwerk insgesamt ist die Meisterpflicht auch in anderer Hinsicht von Bedeutung: Nur in solchen Betrieben darf ausgebildet werden. Das heißt, der dringend benötigte Nachwuchs kann nur in Meisterbetrieben generiert werden. "Das ist für die Zukunft das Handwerk eine existenzielle Frage", sagt Kammersprecher Fenzl.

Kritiker der geplanten Änderung der Handwerksordnung befürchten, dass der Verbraucher in Form von höheren Preisen die Zeche zu bezahlen hat. Gerade im Baubereich sind Handwerker rar und können sich Betriebe heute schon ihre Aufträge aussuchen. Die Wartezeiten für die Kunden sind lang und kleinere Reparaturarbeiten werden von vornherein abgelehnt, weil sie sich nicht lohnen.

Gleichzeitig wird ein Eingriff in die Berufsfreiheit durch den Meisterzwang angeprangert. Letzterem widerspricht Fenzl: "Die Zulassung zur Meistervorbereitung steht jedermann offen, und bei der Prüfung gibt es keinen Notenzwang. Jeder, der die Prüfung schafft, hat den Meisterbrief."

Seitens der Politik sind die Stimmen überwiegend positiv. "Durch die Einführung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen setzen wir ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrags um", betont die Bundestagsabgeordnete und Mitglied der Koalitionsarbeitsgruppe "Meisterbrief", Gabriele Katzmarek (SPD). Der Meisterbrief liefere die beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft.

Auch die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) begrüßt die Rückkehr zur Meisterpflicht. "Es war ein großer Fehler, dass die rot-grüne Bundesregierung 2004 die Meisterpflicht für 53 Gewerke abgeschafft hat", wird Anemone Bippes, Vorsitzende der MIT Baden-Baden/Rastatt, in einer Mitteilung zitiert. Sowohl die Qualität als auch die Ausbildungsleistung hätten deshalb stark abgenommen.

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