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Wilde Wälder in weiter Ferne
13.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Baden-Baden - Bayern auf dem letzten Platz und Baden-Württemberg auf dem vorletzten - Statistiken mit dieser Reihenfolge sind selten. Doch ausgerechnet bei der Ausweisung von Naturwäldern sind die beiden Südländer vom Erreichen des gesteckten Ziels weit entfernt. Und daran wird sich auf Jahre hinaus auch nichts ändern.

Das Ziel gab die Bundesregierung 2007 in der nationalen Biodiversitätsstrategie vor: Bis 2020 sollten fünf Prozent der deutschen Waldfläche zu "Urwäldern von morgen" erklärt und die forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt werden.

Das Jahr 2020 naht mit Riesenschritten, doch statt auf fünf Prozent dürfen sich gerade einmal 2,8 Prozent der Wälder in Deutschland natürlich entwickeln. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die das Bundesamt für Naturschutz bereits Anfang April veröffentlichte. Vor dem Hintergrund der Debatte um ein mögliches neues Waldsterben hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" vor wenigen Tagen die Zahlen neu aufbereitet.

Demnach schneiden ausgerechnet die waldreichsten Länder Bayern (1,3 Prozent) und Baden-Württemberg (2,0 Prozent) am schlechtesten ab. Nur Thüringen und Schleswig-Holstein mit je fünf Prozent sowie Mecklenburg-Vorpommern mit sieben Prozent haben das Ziel erreicht, alle anderen Flächenländer liegen darunter.

"Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland es nicht hinbekommt, dieses zentrale Naturschutzziel umzusetzen", kritisiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke . "Wir erwarten von anderen Nationen, dass sie Natur und Artenreichtum erhalten, schaffen es aber in zwölf Jahren nicht, den Anteil unbewirtschafteter Wälder nennenswert zu erhöhen", so Tschimpke. Der NABU erkenne an, dass in einigen Bundesländern Bemühungen stattgefunden haben, um weitere Wälder unter Schutz zu stellen, so Tschimpke weiter. Er zählt auch den 2014 eingerichteten Nationalpark Schwarzwald dazu. "Allerdings ging es oft nicht darum, möglichst effizient große zusammenhängende Waldgebiete auszuweisen. Vielmehr wurde häufig um Kleinstflächen gefeilscht."

Aus Sicht des Waldnaturschutzes sei es sinnvoll, dass die geschützten Flächen so groß wie möglich sind, ergänzt NABU-Waldexperte Stefan Adler. "Es müssen auch neue Finanzierungsformen für den Privatwald entwickelt werden, wenn dieser vorrangig für Biodiversität, CO 2 -Speicherung sowie das Filtern von Luft und Wasser zur Verfügung gestellt wird. Diese Ökosystemleistungen sind gesellschaftlich unverzichtbar."

"Frontal 21" hat die "Tabellenletzten" befragt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, einige alte Waldflächen "behutsamer" zu behandeln. "Wir verändern das Grundprinzip der Staatsforste. Ziel ist nicht, den Wald als Wirtschaftswald zu sehen, sondern als Klimawald." Der Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern sieht ein Zehn-Prozent-Ziel für natürliche Entwicklung im Staatswald vor. Dadurch könnte sich der Naturwaldanteil in Bayern auf drei Prozent erhöhen.

Dann würde Baden-Württemberg die rote Laterne übernehmen. In den Äußerungen der Spitzenpolitiker zeigt sich die Zerrissenheit der grün-schwarzen Koalition in Stuttgart. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will am Naturwald-Ziel festhalten. Gegenüber "Frontal 21" sagte er: "Wir sind da insgesamt schon auf dem richtigen Weg und das kann sich sehen lassen, was wir machen."

Forstminister Peter Hauk (CDU) stößt in ein ganz anderes Horn: Er lehnt das Fünf-Prozent-Ziel ab, "weil es davon ausgeht, dass wir flächenhaft Wälder stilllegen". Dies sei "nicht notwendig", so Hauk im ZDF. Biologische Vielfalt lasse sich auch im Wirtschaftswald erhalten. Hauk plädiert für eine schnelle Aufforstung auch mit Nadelbäumen und neuen Baumarten, "weil die heimischen nicht mehr mit dem Klima klarkommen".

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