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Annäherung an einen illustren Musikerkreis
14.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Rahner

Alte Notenblätter in Vitrinen sind nicht direkt aufregend, aber in diesem Fall kriegt man schon Gänsehaut: Denn der Erstdruck von Kompositionen Woldemar Bargiels ist seiner Halbschwester Clara Schumann gewidmet, und sie hat die Noten wiederum an Johannnes Brahms weitergegeben, damit der sie bei einem Besuch in der Anstalt Endenich dem kranken Robert Schumann überreiche. "Alle haben sie diese Noten in Händen gehabt", betont Joachim Draheim. Und jetzt gehören sie ihm, das sagt er mit berechtigtem Stolz, wie überhaupt alle Originalexponate der Baden-Badener Ausstellung "Clara Schumann, ihre Familie und ihre Freunde" aus der Sammlung des renommierten Karlsruher Schumann-Forschers kommen. Die Reproduktionen wurden überwiegend aus dem Robert-Schumann-Haus in Zwickau entlehnt.

Baden-Baden - Mitglied im Verbund der Schumann-Städte - erinnert mit dieser Schau im Alten Dampfbad an eine seiner berühmtesten Bewohnerinnen, deren 200. Geburtstag jetzt gefeiert wird: Clara Schumann war 1862 glückliche Hausbesitzerin in Baden-Baden geworden (wir berichteten) und hatte hier bis 1873 ihren offiziellen Wohnsitz. Die Ausstellung erinnert an diese Zeit und an acht Konzerte, die die prominente Pianistin hier gegeben hat, mit Künstlerkollegen wie Joseph Joachim, Pablo de Sarasate oder dem Baden-Badener Hornisten und Brahms-Freund Alphonse Stennebrüggen.

Gemeinsam mit dem Karlsruher Dirigenten Hermann Levi hat sie hier die Liebeslieder-Walzer von Brahms uraufgeführt, im Rahmen von Konzertprogrammen, über deren Länge und Vielfalt man heute nur staunen kann: Da gibt es erst Stücke mit Orchester, dann Lieder mit Klavierbegleitung, dann etwas Kammermusik - vermutlich kamen die Besucher nie unter dreieinhalb Stunden davon.

Die Ausstellung bezieht auch Clara Schumanns vielfältige Verbindungen zu Karlsruhe mit ein. Stiche der Bahnhöfe der beiden Städte symbolisieren die Bedeutung der Eisenbahn, die Clara Schumanns Leben als reisende und stilprägende Künstlerin überhaupt erst ermöglichte. 19 Mal war sie allein in England, wo sie die früh professionalisierte Organisation des musikalischen Lebens schätzte.

Joachim Draheim verweist auf Clara Schumanns immenses Arbeitspensum, so las sie auch noch Korrektur bei der Chopin-Erstausgabe im Leipziger Verlag Breitkopf und Härtel, nachdem sie in den ersten Veröffentlichungen mehrere Fehler gefunden hatte. Dabei schrieb sie pro Tag durchschnittlich 14 Briefe - in einer auffällig geschwungenen, großzügigen, aber schwer lesbaren Handschrift, die man im Alten Dampfbad jetzt auch bewundern kann. Und wenn man bedenkt, wie viele neue Werke sie einstudiert hat - denn sie war es ja, die Schumanns Kompositionen, aber auch die von Brahms oder eben Chopin auf den großen Konzertpodien Europas bekannt gemacht hat - dann wundert man sich nicht, wenn sie auch mal über Schmerzen im Arm klagt, die sie mit einer Kur in Bad Wildbad zu heilen suchte.

Korrektorin der Chopin-Ausgabe

Viele Bücher sind in der Ausstellung zu sehen, darunter die erste dreibändige Clara-Schumann-Biografie von Berthold Litzmann, dem dafür die Tagebücher der Künstlerin nach deren Tod 1896 zur Verfügung standen. Die Tagebücher wurden danach weitgehend vernichtet. Ein Gedichtband von Schumanns jüngstem Sohn Felix ist auch ausgestellt, mehrere seiner Gedichte hat sein Pate Johannes Brahms vertont. Über Felix wurde immer mal wieder orakelt, er könnte ein Kind von Brahms sein. Joachim Draheim sagt dazu nur: "Quatsch!"

Ein Schaukasten mit aktuellen CDs gibt einen Überblick über das kompositorische Schaffen Claras, das nicht zuletzt durch Joachim Draheim in den vergangenen Jahrzehnten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Nostalgische LP-Hüllen machen deutlich, dass Clara als Komponistin (erst) seit den 1960er Jahren gewürdigt wird.

Auch als Herausgeberin hat sich die Künstlerin einen Namen gemacht, einen Band mit Transkriptionen von 30 Liedern Robert Schumanns hat sie in Baden-Baden zusammengestellt. Sie hat Klavierauszüge von Werken ihres Mannes herausgegeben, der von "Genoveva" - Schumanns einziger und glückloser Oper - ist in der Ausstellung zu sehen. Und sie hat Roberts "Studien und Skizzen für den (heute nicht mehr gebräuchlichen) Pedalflügel" auf das Klavier übertragen.

Zur Musikerfamilie zählt auch Friedrich Wieck, der Vater, der Clara Schumann hervorragend ausgebildet habe, so Draheim, aber als Ekelpaket in die Musikgeschichte eingegangen ist - weil er mit den unehrenhaftesten Mitteln die Ehe mit Robert Schumann verhindern wollte. Fotos zeigen die Schumann-Familie in vielen Konstellationen. Unter den Abbildungen von Clara Schumann selbst ragt die Reproduktion von Franz Lenbachs 1878 in München entstandenem Porträt besonders heraus. Das zeige, so Joachim Draheim, die herausgehobene Stellung dieser Künstlerin in ihrer Zeit, denn Lenbach galt als "Malerfürst", um dessen Aufmerksamkeit sich die bedeutendsten Persönlichkeiten bemühten.

Zum Thema

Die Ausstellung wird am Sonntag eröffnet. Zunächst gibt es morgen um 11 Uhr ein Konzert im Alten Ratssaal, bei dem unter anderem die Felix-Vertonungen erklingen. Im Anschluss wird die Ausstellung im Alten Dampfbad eröffnet. Sie ist bis 14. Oktober täglich außer montags zu sehen, der Eintritt ist frei.

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