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Der neue Sound der Grünen
23.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Sindelfingen - Nach gut zehn Stunden Parteitag musste mal wieder ein Philosoph herhalten. "Mut ist die Mitte zwischen Feigheit und Leichtsinn", sagt Aristoteles und Winfried Kretschmann mit ihm. Der Ministerpräsident wünscht sich zu Beginn der Antragsberatungen, dass seine Grünen bei der Formulierung ihrer Klimaziele das politisch Machbare nicht aus den Augen verlieren.



Zugleich allerdings wächst der Druck von ganz verschiedenen Seiten, gerade im 40. Jahr ihrer Geschichte, den eigenen ökologischen Ansprüchen gerecht zu werden.

Es ist minutenlang ganz still während der Rede des Ministerpräsidenten. "Wir sind nicht so fröhlich, wie wir eigentlich gerne wären", bekennt er, "weil, und diese Tragweite müssen endlich alle kapieren, wir nur noch sehr wenig Zeit haben." Für Kretschmann ist klar, dass "eine führende Industrie- und Innovationsregion der Welt beweisen muss, wie Ökologie und Ökonomie zusammen gehen, um ausreichend viele Nachahmer zu finden". Der Markt brauche Leitplanken, denn würde "beim Markt die Richtung stimmen, wären wir nicht da, wo wir sind". Er, der davon sonst gar nichts wissen will, redet diesmal sogar Verboten das Wort. Am Abend erklärt er den Grund, zur staunenden Heiterkeit des Parteitags: Gäbe es die Fridays-for-Future-Bewegung nicht, würde er "nicht so aufs Blech hauen", keinen "so radikalen Sound" anstimmen.

Deren Vertreter in demselben Saal, in dem sich die baden-württembergischen Grünen im September 1979 gegründet hatten, sind damit aber noch längst nicht zufrieden. Man dürfe "beim Formulieren eigener Ziele nicht schon an den Koalitionspartner denken", sagt einer. Ein paar Aktivisten kapern kurz die Bühne, um gegen CETA zu protestieren. Einige Demonstranten stehen vor der Stadthalle. Drinnen bekommen sie Unterstützung von unerwarteter Seite. "Sie müssen die Wirtschaft mehr in die Pflicht nehmen", verlangt EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux als Gastredner. Gerade die Grünen sieht er wegen ihrer Geschichte in einer besonderen Pflicht: "Sie stehen für den Willen und die Fähigkeit zur Veränderung."

Wie die Grünen weiter bestehen wollen angesichts solcher Erwartungen, lässt sich ablesen am Thema CO 2 -Bepreisung. "Eine Tonne richtet einen Schaden im Gegenwert von 180 Euro an und müsste deshalb dasselbe kosten", sagt die Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe, Sylvia Kotting-Uhl. Eindringlich fordere doch die protestierende Jugend, nicht hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen zurückzubleiben. "Wir brauchen einen ehrlichen CO 2 -Preis", ruft Umweltminister Franz Untersteller unter großem Beifall, "tatsächlich kostet die Tonne CO 2 nach den Beschlüssen der Bundesregierung weniger als eine Maß Bier beim Cannstatter Volksfest." Auch deshalb schlägt sich Kretschmanns radikaler Sound nieder in Parteitagsbeschlüssen. Die Delegierten verzichten in einer Kampfabstimmung zwar auf das von mehreren Kreisverbänden vorgeschlagene fixe Datum 2035, an dem Baden-Württemberg "klimaneutral und fossilfrei" sein müsse, und bleibt allein beim Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimavertrags.

Zugleich allerdings werden weitreichende Verkehrsbeschränkungen schon bis 2030 verlangt: ein Minus von 30 Prozent landesweit und in den Städten sogar ein Minus von 50 Prozent. O-Ton Mastiaux: "Wir brauchen ein neues Denken, eine hohe Penetranz in der Kommunikation und Ziele, die rückwärts gerechnet werden müssen, mit klaren Vorgaben für jedes Jahr bis dahin."

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