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Ein klangschönes Schauermärchen
Ein klangschönes Schauermärchen
23.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Weiss

Lange hing dem d-Moll-Violinkonzert Robert Schumanns zu Unrecht der Ruch des von einer geistigen Verwirrung des Komponisten geprägten Spätwerks an. Dass Johannes Brahms und Robert Schumanns Witwe Clara entschieden, das Konzert nicht zu publizieren oder in die Gesamtausgabe der Werke aufzunehmen und es so nicht der Öffentlichkeit zu präsentieren, trug zu dieser Fehleinschätzung bei.

Johannes Joachim, der Sohn von Joseph Joachim - der große Geiger hatte Schumann bei seinem Violinkonzert beraten - der das Manuskript von Clara Schumann geschenkt bekommen hatte, verfügte, dass es 100 Jahre lang nicht öffentlich gespielt werden durfte. Durchbrochen wurde dieses Verdikt in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur: Da das populäre Violinkonzert des Juden Felix Mendelssohn Bartholdy nicht mehr gespielt werden durfte, sollte Schumanns Konzert am 26. November 1937 seine späte Uraufführung erleben um Mendelssohn zu "ersetzen".

Dafür war das hoch sensible, in seiner Konzept ion nicht auf vordergründige Wirksamkeit ausgelegte d-Moll-Violinkonzert aber trotz der Bearbeitung des Soloparts, die der deutsche Geiger Georg Kulenkampff bei der Uraufführung spielte, indes vollkommen ungeeignet.

Dass das Konzert auch heute noch Interpreten vor gestalterisch teilweise schwer lösbare Anforderungen stellt, wird auch beim ersten Abonnementkonzert der neuen Spielzeit der Philharmonie Baden-Baden im sehr gut besuchten Weinbrennersaal des Kurhauses mit Dorota Anderszewska erlebbar.

Geigerin Anderszewska



überzeugt in Polonaise

Die auf dem Podium zurückhaltend wirkende Musikerin ist seit 2004 Konzertmeisterin des Orchestre National de Montpellier. Die Schwester des bedeutenden Pianisten Piotr Anderszewki verfügt über eine solide Geigentechnik, findet aber nur schwer Zugang zu Schumann. Der komplexe Kopfsatz des Violinkonzertes erklingt unter ihren Händen sehr episodenhaft, mit wenig gestalterischem Überblick. Bei der Romanze lässt sie ihren Ton dann geschmeidig aufblühen, auch im kurzen Duett mit dem ausdrucksstarken Solocellisten der Philharmonie gewinnt die Aufführung an Konturen, die einem recht überzeugend angegangenen Polonaisen-Finale gipfelt.

Wuchtiger geht es unter Leitung von Pavel Baleff zum Konzertauftakt bei der Ouvertüre zu Bedrich Smetanas Oper "Die verkaufte Braut" orchestral zur Sache, wobei die Genauigkeit des Zusammenspiels nicht immer im Vordergrund stand. Nach der Pause können der Chefdirigent und seine Philharmonie bei zwei späten Sinfonischen Dichtungen Antonin Dvoraks nach Vorlagen des tschechischen Nationaldichters Karel Jaromir Erben sich von ihrer besten Seite präsentieren. Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika befasste sich Dvorak 1896 intensiv mit den märchenhaften Balladen.

Die oft letal endenden Schauermärchen inspirierten den Komponisten zu Handlung und Atmosphäre der Vorlagen sehr einfallsreich nachzeichnenden Kompositionen. Baleff und die Philharmonie Baden-Baden können hier Qualitäten ausschöpfen, der weit aufgefächerte Orchesterklang gewinnt, abgesehen von wenigen zu knallig angegangenen Fortissimopassagen, an Transparenz und Feinschliff.

"Der Wassermann" op. 107 handelt von dem Schicksal eines Mädchens, das in Fänge des Herrschers eines Sees gerät. Als sie nicht zu der vereinbarten Zeit vom Besuch ihrer Mutter zurückkehrt, tötet der Wassermann das gemeinsame Kind. Dvorak gelingt hier eine atmosphärisch-tonmalerisch dichte Schilderung der Vorlage, ohne plakativ zu werden, was nicht nur den geforderten ersten Bläserpulten Gelegenheit gibt, sich klangschön in Szene zu setzen.

Auch die "Mittagshexe" op. 108 endet mit dem Tod eines Kindes, das der Hexe zum Opfer fällt. Aus einer scheinbar heiteren Idylle heraus gestaltet Dvorak das durch die Bassklarinette charakterisierte Auftauchen der grauenvollen Hexe. Auch hier hält Baleff die Philharmonie, bei der auch die Streicher mit ansprechender Klangfülle aufwarten können, zu einer klanglich differenzierten, die musikalisch vielschichtige Sinfonische Dichtung Dvoraks furios steigernden Interpretation an.

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