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Oper für Ballettfans
24.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Rahner

Alles ein bisschen anders als sonst: Das Hamburg Ballett kommt früh in diesem Herbst in seine südliche Residenz am Festspielhaus Baden-Baden, und es bringt eine Oper mit: Christoph Willibald Glucks "Orphée et Eurydice" eröffnet in ihrer vom Komponisten überarbeiteten, französisierten und um mehrere Ballettszenen erweiterten Pariser Fassung nicht nur die diesjährigen Herbstfestspiele, sondern gleichzeitig die erste Saison unter dem neuen Intendanten Benedikt Stampa.

Neben dieser Ballettoper zeigt das Hamburg Ballett als zweites Werk seiner Residenz vom 27. September bis 4. Oktober John Neumeiers "Beethoven-Projekt" im Festspielhaus, ein neues Ballett, das den 250. Geburtstag Beethovens 2020 vorausfeiert. Es ist die erste abendfüllende Choreografie Neumeiers, die auf Musik von Beethoven zurückgreift, hier insbesondere auf dessen Eroica-Variationen mit dem bekannten Thema aus frühen Contretänzen, das auch in der dritten Sinfonie "Eroica" wieder vorkommt. Der Abend wird vom SWR-Fernsehen aufgezeichnet und soll auch als DVD erscheinen.

John Neumeier - ein "Jahrhundertkünstler", wie ihn Benedikt Stampa gestern in einem Pressegespräch begrüßte - hat auch früher schon Gesamtkunstwerke auf die Bühne gestellt, denn oft zeichnet er neben der Choreografie auch für Kostüme, Licht und Bühnenbild verantwortlich. Doch bei "Orpheus" kommt mit der Opernregie eine neue Ebene hinzu. Die Ballettoper hat er für Chicago kreiert, sie war dann in Hamburg zu sehen und wird jetzt dreimal im Festspielhaus gezeigt.

Gelassen gegenüber



Salzburger Konkurrenz

Die Sänger von Orpheus und Eurydike haben hier - neben den großen Ballettszenen - ein tänzerisches Paardouble, das Neumeier als eine "geistige Form der Dopplung" verstanden wissen möchte. Anna Laudere und Edvin Revazov verkörpern das unglückliche Liebespaar tänzerisch, gesungen werden die Rollen von Dmitry Korchak (27./29. September) und Maxim Mironov (28.) als Orphée, Arianna Vendittelli singt Eurydice und Marie-Sophie Pollak ist L'Amour. Die Chorpartie übernimmt das Vocalensemble Rastatt.

In der Pariser Fassung wird Orpheus von einem Tenor gesungen - und erst so hatte die Oper mit ihrem größten Hit "Ach, ich habe sie verloren" auch bleibenden Erfolg. Im 19. Jahrhundert aber war der Orpheus eine Parade-Hosenrolle für die in Baden-Baden lebende französische Mezzosopranistin Pauline Viardot, der Hector Berlioz die passende Fassung auf den Leib geschrieben hat.

Mit dem international gefeierten Freiburger Barockorchester sitzt ein prominentes Ensemble im Orchestergraben. Man führe damit "das Potenzial der Region für künstlerische Sternstunden vor Augen", hieß es gestern. Das der historischen Aufführungspraxis verpflichtete, gleichwohl außerordentlich vielseitige Ensemble probt bereits mit dem Dirigenten und bekannten Barockspezialisten Alessandro de Marchi in Freiburg und ist ballettgestählt, wie der Intendant Hans-Georg Kaiser gestern erläuterte: Die Freiburger begleiten regelmäßig Tanzaufführungen, unter anderem bei der Compagnie von Sasha Waltz. Zuletzt sorgte das Barockorchester bei den Salzburger Festspielen für echte Furore, als es unter Teodor Currentzis' Leitung Mozarts "Idomeneo" interpretierte und allergrößtes Lob einheimste.

Apropos Salzburg: Die Osterfestspiele dort haben dem neuen Intendanten Benedikt Stampa den Start in Baden-Baden nicht eben versüßt: Mit dem dortigen Hinauskomplimentieren von Christian Thielemann und seiner Dresdner Staatskapelle nach 2022 steht plötzlich die Frage im Raum, ob die Berliner Philharmoniker womöglich zu den Salzburger Osterfestspielen zurückkehren könnten. Die enge Verbindung vom neuen Berliner Chefdirigenten Kirill Petrenko und dem neuen Intendanten der Salzburger Osterfestspiele, Nikolaus Bachler, legt diese Überlegung nahe. Stampa zeigte sich gestern aber grundsätzlich gelassen - was seinen Start in Baden-Baden angeht, aber auch in Bezug auf eventuelle Abwerbeversuche der Salzburger: "Wir haben mit Kirill Petrenko und den Berliner Philharmonikern schon künstlerische Pläne über 2022 hinaus. Daher beobachten wir die Diskussion mit einem gewissen Schmunzeln. Selbstverständlich werden die Gespräche mit den Berliner Philharmonikern über einen neuen Vertrag ab 2023 zu gegebener Zeit geführt. Das werden wir aber in keiner Weise öffentlich machen," sagte er. Auch die Berliner Philharmoniker selbst haben erstmal abgewunken und laut "Tagesspiegel" darauf hingewiesen, dass sie ihren Vertrag mit Baden-Baden erfüllen würden, bis 2022 auf jeden Fall.

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