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Die Bürger zu Botschaftern gemacht
26.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Baden-Baden - Das Lob für die Naturschützer am Oberrhein fällt reichlich aus. Es sei gelungen, die Bevölkerung für diesen "Hotspot der biologischen Vielfalt" direkt vor der Haustür zu begeistern, freut sich Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. Auch Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) und NABU-Landeschef Johannes Enssle betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit vieler Menschen und Institutionen der Region sei. Alle drei äußerten sich zum Abschluss des Projekts "Lebensader Oberrhein". Wie sieht die Bilanz aus - und wie geht's weiter?

Vergangene Woche feierten alle Beteiligten und rund 100 Gäste in Walldorf den Abschluss des Projekts, das den Untertitel "Naturvielfalt von nass bis trocken" trägt.

Der Startschuss war im Oktober 2013 gefallen. In den sechs Jahren ist es nach Angaben des NABU gelungen, die biologische Vielfalt am Oberrhein von Mannheim bis Iffezheim zu erhalten und zu fördern. Für viele Tier- und Pflanzenarten entstanden neue Lebensräume: "Heidelerche, Ziegenmelker und Sand-Silberscharte, Kiebitz, Schlammpeitzger und Gelbbauchunke sind nur einige davon", zählt NABU-Pressesprecher Hannes Schweikardt auf. "Wir haben neue Umweltbildungsstandorte und Netzwerke geschaffen." Zahlreiche Bürger haben sich zu Botschaftern für die biologische Vielfalt ausbilden lassen und geben ihr Wissen weiter. "Und wir haben die Bevölkerung überzeugt, dass man für den Naturschutz manchmal auch Bäume fällen muss."

Damit bezieht sich Schweikardt auf Aktivitäten im Naturschutzgebiet Hirschacker südöstlich von Mannheim und in der Schwetzinger Hardt südlich von Schwetzingen. Das Fällen sei notwendig gewesen, um offene Sandlebensräume zu schaffen. "Dichte Baumkronen und dünne Stangenhölzer ließen nur wenig Licht auf die Sandböden durch", erläutert der Pressesprecher. "Kaum eine Chance zu wachsen hatten für die Region typische, teilweise sehr seltene Pflanzenarten." Sie würden sich nun wieder ausbreiten. Auch wärmebedürftige Insekten wie die Grüne Strandschrecke oder die Röhrenspinne würden sich im Mosaik aus lichtem Wald und Offenland wohlfühlen.

Naturschutz und Bäumefällen - wie soll man das den Bürgern erklären? Schweikardt erläutert die Vorgehensweise: "Der NABU schickte Projektbotschafter in den Hirschacker, die vor Ort die Maßnahmen erklärten." An der Waldschule Walldorf gründete sich eine "Maulbeerbuckel-AG", in der Schulklassen die gleichnamige Sanddüne mit dem Kreisforstamt, dem NABU-Pflegetrupp und Freiwilligen der Ortsgruppe Walldorf-Sandhausen erkundeten und pflegten. Walldorfs Bürgermeisterin Christiane Staab (CDU) erinnert sich: "So haben wir Kinder und Jugendliche für den Naturschutz begeistert und gleichzeitig viele Eltern erreicht, die von ihren Sprösslingen einiges über die Maßnahmen und die biologische Vielfalt lernten."

Genau das meint Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, wenn sie die Begeisterung der Bevölkerung lobt: "Die Projektverantwortlichen haben es geschafft, sehr viele Haupt- und Ehrenamtliche aus der Region zu vernetzen, sodass eine vertrauensvolle, länderübergreifende Zusammenarbeit (...) entstanden ist." Dies sei auch ein wichtiges Ziel der Bundesförderung gewesen.

Das Projektvolumen betrug rund fünf Millionen Euro. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Die Ausgaben wurden zu 75 Prozent vom Ministerium und zu 15 Prozent von den Landesumweltministerien in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz finanziert. Zehn Prozent übernahm der NABU.

Nachhaltige Pflege

ist gesichert

Die Arbeit soll nicht vergebens gewesen sein: Pflege und weitere Betreuung der offenen Sandflächen in der Schwetzinger Hardt übernimmt der Forst. Im Hirschacker wird das Regierungspräsidium Karlsruhe die Beweidung mit Schafen und Ziegen garantieren, unterstützt vom NABU-Pflegetrupp.

Über ein weiteres Projekt im Landkreis Rastatt berichten wir morgen: www.lebensader-oberrhein.de

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