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Staffelmahd auf Deichen schafft "Trittsteine" für gefährdete Arten
27.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Rastatt/Bühl - Die Deiche entlang des Rheins sind in erster Linie Sicherheitsbauwerke zum Schutz vor Hochwasser. Zugleich sind sie ein wertvoller Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Mit einem Pilotprojekt zur naturschutzfachlich optimierten Dammpflege sollen diese Biotope erhalten und erweitert werden.

"Staffelmahd" lautet der Fachbegriff für das, was vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium Karlsruhe derzeit auf insgesamt 16 Deich-Kilometern zwischen Hügelsheim und der Murgmündung getestet wird: Die Böschungen werden dabei in zeitlich und räumlich gestaffelten Durchgängen gemäht, sodass Insekten wie Schmetterlinge oder Wildbienen stets genug Blüten finden.

Das "Vernetzungskonzept Rheindeiche" war ein sogenannter Hotspot des NABU-Projekts "Lebensader Oberrhein", das nach sechsjähriger Laufzeit in diesem Monat endete (wir berichteten). Allerdings geht das Pilotprojekt weiter. "Erstmals wurde 2018 nach dem neuen Muster gemäht", erläutert Rainer Ell vom Landesbetrieb, für die Jahre 2019 bis 2021 kommt ein begleitendes Monitoring hinzu. Ell äußert sich "hochzufrieden" mit den ersten Ergebnissen und der guten Zusammenarbeit mit dem Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) in Bühl. ILN-Leiter Volker Späth macht deutlich, dass das häufigere Mähen in kleinen Abschnitten natürlich mehr Aufwand und entsprechend höhere Kosten verursache. Ell spricht von etwa dreifachen Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Mähweise, betont aber auch, dass dies vom jeweiligen Biotop abhänge. Späth ist überzeugt, dass letztlich die "ökologischen Benefits" mit den Kosten aufgewogen werden müssen.

Dass es bereits nach einem Jahr ökologische Benefits gibt, kann Anja Lehmann belegen, Projektleiterin am ILN: Südlich des Sandbachs auf Hügelsheimer Gemarkung konnten in diesem Jahr acht Exemplare des Dunklen Wiesenknopf-Ameisen-Bläulings nachgewiesen werden.

Was den Laien vielleicht kalt lässt, versetzt Experten in Erregung: Denn zuletzt war die Schmetterlingsart 2015 dort gesichtet worden. "Sie ist auf den Großen Wiesenknopf angewiesen, eine Pflanze. Die Weibchen legen auf den noch ungeöffneten Blütenköpfen ihre Eier ab." Später lasse sich die Raupe von Ameisen adoptieren. "Eine komplexe Dreiecksbeziehung", schmunzelt Lehmann. Späth ergänzt: "Wenn man falsch mäht, blüht dort eben kein Wiesenknopf und es gibt auch keinen Ameisen-Bläuling."

Wo genau was zu welcher Zeit mit Traktoren gemäht werden soll, erfahren die Mitarbeiter der vom Landesbetrieb Gewässer beauftragten Fachfirma durch die Positionsbestimmung mittels GPS. Zugleich erfolgt während der Mäharbeiten eine Dokumentation.

Die Experten sind gespannt, welche Ergebnisse das Monitoring in den kommenden Jahren zeigen wird, auch mit Blick auf die langen Trockenphasen in den Sommern 2018 und 2019. Hinzu kommt, dass das Deichsystem im Rastatter Ried sanierungsbedürftig ist. Laut Ell stammt es aus dem Jahr 1910. 2019 erfolgt die europaweite Ausschreibung der Planungsarbeiten. Bis zum ersten Spatenstich dürfte noch einiges Wasser den Rhein hinabfließen. Bis dahin soll das Projekt im Idealfall abgeschlossen sein. Die Ergebnisse können nicht nur für die rund 1 000 Kilometer landeseigener Dämme in Baden-Württemberg genutzt werden. Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz, bei den Partnern von "Lebensader Oberrhein", ist man gespannt.

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