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"Nicht mit Lohnplus rechnen"
10.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Volz

Baden-Baden/Karlsruhe - In einer für die Chemiebranche schwierigen Phase beginnen heute in Karlsruhe die Tarifverhandlungen für etwa 73 000 Beschäftigten der tarifgebundenen Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Baden-Württemberg. Anders als bei früheren Tarifverhandlungen ist mit keiner schnellen Einigung zu rechnen. Zu weit liegen die Vorstellungen der Gewerkschaft BCE und der Arbeitgeber auseinander.


Mit einem Bündel tarifpolitischer Innovationen will die BCE spürbare Verbesserungen bei Themen wie Arbeitsbelastung, Sicherheit im Alter und Qualifizierung durchsetzen. "Wir wollen in dieser Tarifrunde frische Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Branche formulieren", sagte Verhandlungsführer Ralf Sikorski, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der IG BCE. "Es wird Zeit, dass die Arbeitgeber hier mitziehen."

Zu den Forderungen zählen: Die Einrichtung eines tariflich abgesicherten, persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1000 Euro, über das alle Beschäftigten, einschließlich der Auszubildenden, individuell verfügen können; eine spürbare Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen; die Einführung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung, die von den Arbeitgebern finanziert wird und bei Eintritt des Pflegefalls die Finanzierungslücke zur gesetzlichen Vorsorge schließt. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll abhängig sein vom Gesamtpaket.

Die Forderungen seien auch in der aktuellen wirtschaftlichen Lage finanzier- und umsetzbar, macht der BCE-Verhandlungsführer deutlich. "Die Arbeitgeber sollten aus einem leichten Abschwung keine Krise machen - zumal wir von einem Allzeithoch kommen." Viel wichtiger sei, dass die Branche angesichts eines wachsenden Fachkräftemangels an ihrer Attraktivität arbeite, so Sikorski.

In den Unternehmen wird die aktuelle Situation naturgemäß ganz anders gesehen. Die Industrie befinde sich in der Rezession. Produktion, Umsatz und Gewinne stürzten ab. Arbeitsplätze seien in Gefahr, heißt es dort. "Die Unternehmen brauchen Kostenentlastung, um die Krise zu überwinden. Tariferhöhungen wären derzeit Gift für den Bestand von Arbeitsplätzen", sagte kürzlich der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg (agvChemie), Thomas Mayer in Baden-Baden.

Für Mayer passen die Forderungen und der Zeitpunkt nicht zusammen: "Besonders unsere exportorientierte Branche ist von den weltwirtschaftlichen Problemen betroffen. Auch deshalb dürfen die Arbeitskosten nicht weiter steigen." Die Unternehmen bräuchen vielmehr Ressourcen, um notwendige Investitionen zu stemmen. Mayer: "In der Rezession und bei völliger Unklarheit über die weitere Entwicklung sollte niemand mit einem Lohnplus rechnen." Und weiter: "Forderungen für mehr Freizeit gehen außerdem in Zeiten des Fachkräftemangels in die falsche Richtung. Wir brauchen mehr Flexibilität, nicht mehr Freizeit. Darüber werden wir verhandeln."

Die im agvChemie organisierten überwiegend mittelständischen Unternehmen im Südwesten seien in besonderer Weise in der Kostenklemme zwischen Rohstoff-Lieferanten auf der einen Seite und der Marktmacht von Kunden im Automobil- und Maschinenbau. Im industriellen Mittelstand mit einem überdurchschnittlich hohen Personalkostenanteil seien die Einsparpotenziale in der Produktion ausgereizt, so der Arbeitgeberverband. Eine Erhöhung der Arbeitskosten könne daher nur durch geringere Personalkosten aufgefangen werden.

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