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Spekulationen um Standort Karlsruhe
11.10.2019 - 00:00 Uhr
Karlsruhe (vo) - Wie geht es weiter mit dem Michelin-Werk in Karlsruhe? Nachdem das französische Unternehmen im Zug einer Neuorganisation bereits eine erhebliche Zahl an Arbeitsplätzen nach Frankfurt verlagert hat, geht jetzt die Angst bei Beschäftigten um, es könnte zu weiteren gravierenden Einschnitten bis hin zur kompletten Schließung des Werks kommen. Gestern war eine Betriebsversammlung angekündigt. Details wurden zunächst nicht bekannt.



Befeuert werden die Befürchtungen durch die Ankündigung des Reifenherstellers, ein Werk im westfranzösischen La-Roche-sur-Yon mit 619 Mitarbeitern zu schließen. Die Produktion in dem Ort südlich der Stadt Nantes wird voraussichtlich bis Ende 2020 beendet. Grund dafür seien die "Schwierigkeiten des Marktes für Hochleistungsreifen im In- und Ausland".

Zuvor hatte Michelin bereits die Schließung seines Werks mit fast 860 Mitarbeitern im bayerischen Hallstadt angekündigt. Bis Anfang 2021 werde die Produktion dort schrittweise eingestellt. Gründe dafür waren laut Unternehmen ebenfalls die sinkende Nachfrage und Konkurrenz durch asiatische Hersteller.

Wie schwierig die Situation in der gesamten Reifenbranche ist, zeigt auch das Beispiel von Goodyear. Das Unternehmen hat seinen Standort Phillipsburg mit rund 900 Beschäftigten bereits aufgegeben. Auch andere Werke stehen unter Druck. Und beim Konkurrenten Continental wird bereits offen über die Streichung tausender Stellen gesprochen.

Vor allem der schwächelnde Autoabsatz macht den Reifenherstellern zu schaffen. Im ersten Halbjahr sank der Pkw-Verkauf nach Zahlen des Statistischen Bundesamts um rund 350 000, nachdem die Branche bereits im Gesamtjahr 2018 ein Minus von rund 600 000 Fahrzeugen eingefahren hatte. Brexit und Unsicherheiten durch den Handelskrieg zwischen den USA und China tun ein Übriges.

Michelin hat für seine deutschen Standorte eigentlich eine Bestandsgarantie bis 2022 gegeben. Karlsruhe ist das älteste deutsche Werk. Nur dort werden unter anderem Reifen für leichte Lkw hergestellt. Man hat also ein Alleinstellungsmerkmal, was letztlich aber nichts heißen muss. Die Bestandsgarantie galt ursprünglich auch für das Werk bei Bamberg, wo Pkw-Reifen mit 16 Zoll vom Band laufen.

Im Mai dieses Jahres war seitens Michelin von rund 250 Arbeitsplätzen die Rede, die von Karlsruhe nach Frankfurt verlagert werden sollten, wo sich dem Unternehmen eine bessere Infrastruktur im Hinblick auf die Digitalisierung bietet. In der Fächerstadt sollten demnach noch 1 100 Mitarbeiter beschäftigt bleiben, davon 650 in der Produktion.

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