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Mit Bti gegen die Asiatische Tigermücke
12.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Karlsruhe - Die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke am Oberrhein lässt sich am besten mit dem biologischen Wirkstoff Bti bekämpfen, wenn es von ausgebildeten Fachkräften ausgebracht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsarbeit der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Im Umkehrschluss heißt das: Sollte aus Artenschutzgründen auf Bti verzichtet werden, lässt sich die Ausbreitung der Tigermücke nur schwer eindämmen.


Vor dem Hintergrund des massiven Insektensterbens in Deutschland fordern Naturschützer den generellen Verzicht auf eine flächige Stechmückenbekämpfung. Immerhin seien die Larven Futter für viele Tiere. Ein Ausweichen auf andere Nahrungsquellen sei angesichts des Insektensterben nicht möglich.

Für zusätzliche Aufregung vor allem in den Kommunen am Oberrhein sorgt die Befürchtung, dass der Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) durch die im Artenschutz-Volksbegehren formulierten strengen Vorgaben künftig nicht mehr eingesetzt werden könnte, sollte der Vorstoß Gesetzeskraft erlangen.

In der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) scheinen bislang noch alle 99 Mitglieder an einem Strang zu ziehen. Dem 1976 gegründeten Verein gehören 97 Gemeinden und Landkreise zwischen Bingen und dem Kaiserstuhl an, außerdem die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Am Chiemsee hingegen gibt es seit dem Frühjahr tiefe Risse in der Anti-Schnaken-Front, nachdem Seeon-Seebruck aus der Kooperation der Anliegergemeinden ausgestiegen ist. Zwei Gemeinderäte der Freien Wähler hatten den Antrag gestellt. Begründung: Stechmücken gehören auch zur Tierwelt und sind Nahrungsgrundlage für Vögel, Fische und Fledermäuse. Neun Gemeinderäte stimmten nach kontroverser Debatte für den Ausstieg, sechs dagegen. Die Aufkündigung der Solidarität sorgte rund um den idyllischen See für Verstimmung - vor allem Gastronomie und Tourismus warnen vor Verlusten. Allerdings haben Schnakenplagen am Chiemsee bislang niemals Ausmaße wie jene am Rhein angenommen.

Mit der Asiatischen Tigermücke ist am Oberrhein ein neuer "Player" aufgetaucht, der in der sich verhärtenden Debattenfront zwischen Naturschützern und Schnakenhassern bislang wenig Berücksichtigung fand. Aedes albopictus gilt als Überträgerin von Krankheitserregern wie dem Zika-Virus, dem Chikungunya-Virus und dem Dengue-Virus.

In einem 2018 erstellten "Maßnahmenkatalog zur integrierten Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke in Baden-Württemberg" (Klimopass-Bericht) schlagen die Experten die biologische Bekämpfung der Larven mit Bti innerhalb der Brutstätten als nachhaltigste Lösung vor. "In Kommunen befindet sich der weitaus größte Teil der potenziellen Brutstätten auf privaten Grundstücken. Da hier eine Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke durch angeleitete Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichend erfolgen kann, ist eine nachhaltige Bekämpfung nur durch ausgebildete Fachkräfte möglich."

In Deutschland sei die vollständige Auslöschung der noch lokal begrenzten Populationen möglich, heißt es im Fazit der Studie. Die Bekämpfung müsse aber im Rahmen und in der Kombination bereits getesteter und bewährter Methoden erfolgen.

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