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Ein "Urgestein" der Regionalplanung
16.10.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden - Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein konstituiert sich heute in Baden-Baden für die nächste Wahlperiode. Zugleich werden langjährige Mitglieder verabschiedet. Darunter ist ein "Urgestein" der Regionalplanung, Eberhard Roth. Der frühere Bürgermeister von Sulzfeld ist der einzige Regionalrat in Baden-Württemberg, der seit der Gründung der Regionalverbände 1973 ohne Unterbrechung Mitglied der Verbandsversammlung war. Im Gespräch mit BT-Mitarbeiter Stefan Jehle blickt der 75-Jährige zurück und erläutert auch die spannenden Herausforderungen der Zukunft.

Interview

BT:
Herr Roth, Sie sind seit 1970 in Sulzfeld ansässig, waren 40 Jahre lang dort der Bürgermeister. Wie blicken Sie aus dem weit östlich liegenden Teil des Landkreises auf die Region?

Eberhard Roth: Da gehört ja zur Region nicht nur Karlsruhe und das Rheintal, auch der Bereich Rastatt und Baden-Baden kommen hinzu. Auch prägt die unmittelbare Nachbarschaft zum Elsass die Arbeit des Regionalverbands. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit war von Anfang an ein wesentliches Element der Verbandstätigkeit: und die Chance, gemeinsame Entwicklungen über den Rhein hinweg abzustimmen.

BT: Wie kam es zustande, dass Sie bereits zu Beginn, 1973, Mitglied der neu gegründeten Verbandsversammlung des Regionalverbands wurden?

Roth: Zu der Zeit wurde ich in den Kreistag gewählt, auch der Landkreis Karlsruhe war im Zuge der Gebietsreform neu gebildet worden. Die Gemeinde Sulzfeld wechselte aus dem Kreis Sinsheim zu dem weiter südlich liegenden neuen Kreisgebilde. Meine Fraktion entsandte mich als eines der jüngeren Mitglieder dorthin. Mich hatte das interessiert.

BT: Wie entwickelte sich das damals mit der Raumplanung, mit der regionalen Planungsebene?

Roth: Zuvor war Regionalplanung eine rein staatliche Angelegenheit, man musste das mit der staatlichen Ebene, mit dem Regierungspräsidium klären, als eine gemeinsame Aufgabe und Verantwortung. Die neue regionale Sicht der Dinge entwickelte sich aus der Praxis heraus: Wenn man so will, als eine Art "learning by doing".

BT: Wie erlebten Sie diesen Neubeginn ganz konkret?

Roth: Der neu gebildete Regionalverband hatte mit dem damaligen Gründungsdirektor Dietrich Schmidt sowohl übergeordnete Angelegenheiten klar und deutlich machen können, aber auch viel Verständnis für die lokalen Probleme auf Gemeindeebene gezeigt. Das wurde auch zu der Hauptaufgabe: lokale Interessen einzubinden in regionale Entwicklungen. Wir, auch ich, gingen da mit einer offenen Meinung und eher positiven Erwartungshaltung rein. Vorherrschend war die Meinung, abzuwarten, was da auf die kommunale Ebene zukommt. Wichtig war für mich immer, dass man die örtliche Entwicklung nicht total abbremst, und Planungskompetenz auch vor Ort bleibt.

BT: Wenn Sie die Entwicklung dann nach 1973 so be trachten, was da gekommen ist...

Roth: Das Thema Flächenverbrauch hat damals, zu Beginn, schnell an Bedeutung gewonnen. Und steht auch heute eigentlich nach wie vor im Mittelpunkt. Wir haben auch bei boomender Wirtschaft weiterhin Flächenbedarf, das bleibt eine Quadratur des Kreises, bei dem zeitgleich aufgestellten Ziel, doch möglichst gar keine neuen Flächen mehr zu verbrauchen.

BT: Hat sich da grundsätzlich was geändert in der Entwicklung - und der Art des Herangehens?

Roth: Sehr, sehr viel. Das betrifft alle Gemeinden. In der Außenentwicklung, der Erschließung neuer Flächen, hat man das fast überall stark zurückgefahren. Man hat die Innenentwicklung, die Verdichtung auf bestehenden Flächen, favorisiert. Da gibt es immer noch große Reserven, auch wenn die Umsetzung nicht immer ganz so einfach zu handhaben ist. Ältere Menschen konnte man beispielsweise nicht aus ihren Häusern einfach vertreiben. Auch im ländlichen Bereich entstehen seit geraumer Zeit immer zahlreicher Mehrfamilienhäuser und im innerörtlichen Bereich wird konzentriert nachverdichtet.

Von AVG-Stadtbahnen

enorm profitiert

BT: Der Siedlungsdruck hat aber weiter zugenommen...

Roth: Der besteht nach wie vor, und wächst weiterhin. Auch Sulzfeld hatte, insbesondere nach dem Anfang der 90er Jahre erfolgten Anschluss an die AVG-Stadtbahnen, enormen Zuwachs erlebt. Das war einerseits ein Glücksgriff, mit der Zunahme der Einwohnerzahl - aber gleichzeitig stiegen auch ganz ordentlich die Grundstückspreise.

BT: Wie schätzen Sie das Thema kommunale Planungshoheit ein: Was hat sich da verändert?

Roth: Die wurde stark eingeengt. Früher war das so etwas wie eine heilige Institution. Die besteht zwar formal weiter, aber in der praktischen Umsetzung gibt es sehr viele, auch neue, Hürden zu überwinden. Wenn man das vom Begriff her definiert: Planungshoheit heißt ja, ich kann entscheiden, was ich für gut und richtig halte. Das existiert so in der Form nicht mehr.

BT: Hatten Sie mal mit einer Ansiedlungsidee Schwierigkeiten mit übergeordneten Planungsebenen?

Roth: Für Sulzfeld muss ich sagen: Nein, das hatten wir nicht. Sowohl der Landkreis als auch der Regionalverband waren in meiner Amtszeit immer bestrebt, die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde zu fördern. Mit vorgegebenen Grenzziehungen hat man versucht, das auf eine praktikable Ebene zu bringen. Der persönliche Kontakt, schon im Vorfeld, war dabei stets wichtig. Noch bevor man mit den Plänen schon zu weit gediehen war. Schon mit einer Grundidee war es sinnvoll, sich mit den übergeordneten Stellen auszutauschen.

BT: Gibt es ein interkommunales Gewerbegebiet in Sulzfeld? Wer steckt dahinter?

Roth: Da war der Regionalverband sehr früh mit dabei, ich meine sogar, von dort kam sogar die erste Idee, der maßgebliche Impuls. Anfang der 90er Jahre wurden wir da aktiv. Ein gemeinsames Gewerbegebiet für Oberderdingen, Kürnbach, Zaisenhausen und Sulzfeld. Das liegt auf Gemarkung Flehingen, einem Ortsteil von Oberderdingen. Das war eine sehr gute Entwicklung, auf die - in ähnlicher Weise - der Regionalverband auch anderswo in der ganzen Region Einfluss genommen hat. Es wäre volkswirtschaftlich und auch vom Flächenverbrauch her ein Irrsinn, wenn da jeder selbst weiter vor sich hinwurstelt.

Klares Plädoyer für

zweite Rheinbrücke

BT: An was für Themen erinnern Sie sich, bei denen Sie sich als Bürgermeister für die Region stark gemacht haben, also auch über die Gemarkungsgrenze der Gemeinde hinaus?

Roth: Da war der Flugplatz, mit Inbetriebnahme des Baden-Airparks. Mir fällt da auf Anhieb auch die Messe Karlsruhe ein. Das zu entwickeln, zu fördern, war notwendig und gut. Ob der Flughafen allerdings bis heute die Entwicklung genommen hat, die man sich einst erwartete, lasse ich dabei offen. Das ist in diesem Punkt aber meine persönliche Meinung.

BT: Wo sollte es Ihrer Meinung nach bei einzelnen Themen noch deutlich besser vorangehen?

Roth: Beim Thema Zweite Rheinbrücke, ganz eindeutig, die ist aus meiner Sicht dringend notwendig. Und die sollte bald kommen. Die ganze Diskussion und Planungsgeschichte ist ein einziges Rumgeeiere. Natürlich hört der Brückenkopf auf der jeweils anderen Rheinseite nicht auf. Aber nördlich von Karlsruhe muss die Brücke eine Anbindung an eine Bundesstraße bekommen. Eine Anbindung schließt auch die Möglichkeit ein, dass dies auf der Gemarkung des Landkreises sein könnte. Das Projekt Rheinbrücke ist ein Beispiel dafür, was aus der planerischen Sicht einer ganzen Region frustrierend sein kann, teilweise sehr frustrierend.

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