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"Erschreckend wenig Wissen" über PFC
17.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Rastatt - PFC ist kein rein mittelbadisches Problem mehr. Und auch keines, bei dem man vielleicht nicht so genau hinschauen muss, weil so wenig über diese per- und polyfluorierten Chemikalien und ihre Folgen für Menschen bekannt ist. Der Umweltskandal beschäftigt mittlerweile Politiker, Behörden, Juristen, Techniker und Forscher im Land, im Bund und auf europäischer Ebene - nicht zuletzt dank des Engagements der Stadtwerke Rastatt.



Das dritte Forum mit nationalen Spezialisten fand gestern in der Badner Halle statt, mehr als 100 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Neben Expertenvorträgen war der Erfahrungsaustausch ein zentrales Element der Veranstaltung.

Die Stadtwerke mit Geschäftsführer Olaf Kaspryk an der Spitze kämpfen seit Bekanntwerden der PFC-Problematik 2012 um eine nachhaltig sichere Trinkwasserversorgung, um Gerechtigkeit und Unterstützung. "Unsere Erfahrungen wollen wir mit anderen Betroffenen teilen, vor allem Wasserversorgern." Die gestern vorgestellte erste deutschlandweite Schadensfallübersicht dokumentiert alle gesicherten PFC-Verunreinigungen in der Bundesrepublik. Rund 250 sind es bislang, weitere werden hinzukommen. Die Liste soll ab heute online veröffentlicht werden, damit sich auch die Öffentlichkeit ein Bild machen kann.

Annegret Biegel-Engler vom Umweltbundesamt in Dessau und Thomas Straßburger vom Bundesumweltministerium erklärten, wie wichtig es sei, in der PFC-Forschung klare Prioritäten zu setzen und neue Programme mit entsprechender finanzieller Unterfütterung aufzulegen. "Erschreckend wenig Wissen" über diese Stoffgruppe konstatierte Biegel-Engler. Das Problem müsse an der Wurzel angepackt werden, also bei der Herstellung, um die Belastungen für die Umwelt zu reduzieren. Weil sich per- und polyfluorierte Chemikalien nicht abbauen, müsse auch über Änderungen im Stoffrecht nachgedacht werden.

Immerhin scheint der Zeitpunkt näher zu rücken, an dem es für PFC-Belastungen endlich konkrete Grenzwertfestlegungen gibt - und somit auch Anhaltspunkte, ab welcher Belastung zum Beispiel ein Wasserversorger aktiv werden muss. Bislang fehlen diese Werte völlig. Ein Vorschlag der EU-Kommission zur Änderung der Trinkwasser-Richtlinien enthält so einen Wert. Wenn Rat und Parlament zustimmen, müsste Deutschland die Vorgabe innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Die Verankerung von PFC-Grenzwerten im europäischen Recht sei deshalb wichtig, weil sie die Rechtsposition der Wasserversorger stärkt, führte der Umweltrechtler Professor Wolfgang Köck von der Universität Leipzig aus.

Fehlendes Wissen auch im Landkreis Rastatt: Bislang liegen über den gesamten Umfang der Belastungen keine belastbaren Daten vor. "Bis Ende 2021 wollen wir wissen, in welchem Ausmaß das PFC-Problem vorhanden ist", erklärte Landrat Toni Huber (CDU). In diesem Jahr seien bislang 300 Bodenproben genommen worden, künftig sollen es jährlich 500 sein. Nach Behördenangaben wurden in den vergangenen Jahren rund 1 750 Hektar untersucht, 877 stellten sich als belastet heraus.

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