https://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Zu wenig Busse für 365-Euro-Ticket
Zu wenig Busse für 365-Euro-Ticket
19.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Ausgerechnet das grün geführte Verkehrsministerium dämpft die Hoffnungen auf 365-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, die der Mobilitätswende einen Schub geben sollen. Denn, so argumentiert Amtschef Uwe Lahl, Preisanreize hätten nur dann einen Sinn, wenn die Kapazitäten für die zusätzlichen Fahrgäste vorhanden sind.

Als international viel beachtetes Modell führt der Ministerialdirektor Wien an. In Österreichs Hauptstadt sei das Angebot schrittweise derart erhöht worden, dass die Nutzung von Bussen, U- und Straßenbahnen schon in den 20 Jahren vor Einführung des 365-Euro-Tickets um etwa ein Drittel zunahm.

Die SPD setzt sich dafür ein, ihr Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch schwärmte geradezu vom "Wiener Vorbild", die Bundesregierung sucht zehn Modellstädte, Fahrgast- und Umweltverbände werben schon lange für die Tarifumstellung. Mit ihr würde die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs gerade noch einen Euro am Tag kosten. "Günstige Ticketpreise sind ein wesentlicher Anreiz für Pendler, auf das Auto zu verzichten", schreibt Stoch in seinem parlamentarischen Antrag an die Landesregierung und will wissen, wie es um Absichten oder Kosten bestellt ist.

Das Ministerium hat, auch um die Ausgangslage grundsätzlich zu klären, Zahlen aus allen 22 Verkehrsverbünden zusammengetragen. Am Beispiel Karlsruhe zeigt sich der Veränderungsbedarf: Der KVV verkauft derzeit 142 000 Jahreskarten per anno für den Normalpreis von 1 800 Euro. Bei einer Tarifumstellung müsste ein Minus von fast 40 Millionen Euro ausgeglichen werden. 55 Millionen Euro wären es im Verkehrsverbund Rhein-Neckar, sogar 146 Millionen in und um Stuttgart.

Die Stadt Wien schießt Jahr für Jahr dagegen nur 500 000 Euro zu, um den Normalpreis von 365 Euro für die Jahreskarte - Senioren zahlen 235 und Jugendliche 70 Euro - stabil zu halten. Betrieben werden die "Öffis", wie die Wiener das Angebot liebevoll nennen, mit 1 200 Haltestellen und insgesamt 161 Linien auf 1 150 Kilometern im sechstgrößten Netz weltweit. Zu den Spitzenzeiten verkehren 1 600 Garnituren.

Seit Langem geben sich Delegationen aus allen fünf Kontinenten die Klinke in die Hand in der Donaumetropole, auf der Suche nach Wegen, diese Strukturen oder Teile davon auf ihre Städte daheim zu übertragen. Vor zwei Jahren staunten Bürgermeister aus dem Südwesten auf einer Info-Reise des Städtetags nicht schlecht, als sie erlebten, wie U-Bahnen und Nachtlinien getaktet rund um die Uhr durchfahren. Das Gesamtangebot, schreibt Uwe Lahl in seiner Antwort auf die SPD, sei - zum Vergleich - in Berlin in elf Jahren um neun Prozent, in Wien aber um 31 Prozent ausgebaut worden. Pro Jahr sind knapp unter einer Milliarde Fahrgäste unterwegs, so dass die Stadt zumindest einen Teil der Mobilitätswende bereits hinter sich hat: 38 Prozent aller Strecken werden per Bus, mit U- oder Straßenbahn zurückgelegt.

Baden-Württembergs Verkehrsverbünde schätzen den jährlichen Ausgleich einer Umstellung der Tarife auf mehr als 300 Millionen Euro. Eine Dauerfinanzierung der Reform, das räumt auch die Bundesregierung auf der Suche nach den zehn Modellstädten ein, ist nicht gesichert, und die Wiener Antwort auf diese Frage unkopierbar. Denn sie stammt aus einer anderen Zeit: Alle "Dienstgeber", wie es bis heute heißt, müssen seit 1969 die U-Bahn-Steuer abführen und für jeden Beschäftigten inzwischen zwei Euro zahlen - pro Woche!

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Stuttgart
Es wird noch einmal sommerlich

12.10.2019
Es wird noch einmal sommerlich
Stuttgart (lsw) - Sommerliche Temperaturen kehren zum Sonntag noch einmal in den Südwesten zurück. 26 Grad bei Stuttgart, bis zu 27 Grad am Rhein und bei Freiburg und auch im Bergland um die 20 Grad - der Sonntag wird für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Rastatt
Alohra-Frühschwimmer sind sauer

12.10.2019
Frühschwimmer sind sauer
Rastatt (fuv) - Die Frühschwimmer im Alohra sind sauer. Der Gemeinderat soll eine drastische Kürzung der Öffnungszeiten beschließen. Bislang öffnet das beliebte Bad viermal in der Woche um 6.30 Uhr. Ab dem neuen Jahr soll das nur zweimal die Woche möglich sein (Foto: fuv). »-Mehr
Karlsruhe
Stadtfest in Karlsruhe: Busse und Bahnen kostenlos

11.10.2019
Stadtfest in Karlsruhe
Karlsruhe (red) - Mit Live-Musik, hochkarätiger Kleinkunst, dem Tag der offenen Baustelle sowie einem verkaufsoffenen Sonntag will Karlsruhe am Wochenende wieder mehr als 400 000 Schaulustige in die Innenstadt zum Stadtfest (Foto: Rösner/KME) locken. »-Mehr
Stuttgart
Deutlich weniger Diesel-Autos in Stuttgart

04.10.2019
Weniger Diesel-Autos in Stuttgart
Stuttgart (lsw) - Seit der Einführung erster Fahrverbote haben sich viele Stuttgarter von ihren alten Diesel-Autos getrennt. Die Zahl der Fahrzeuge mit Euronorm 4 oder schlechter ist binnen eines Jahres zum Stand Ende August um rund 9.000 Autos auf 12.081 gesunken (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Karlsruhe
Starker Wind verursacht Schäden

30.09.2019
Sturmschäden: Dienstag erneut windig
Karlsruhe (red/lsw) - Das Sturmtief "Mortimer" hat die Region in der Nacht zum Montag ordentlich durchgepustet. Es kam zu einigen Vorfällen. Und die Zeichen stehen noch nicht auf Entspannung. So dürften am Dienstag dichte Wolken aufziehen und vormittags für schauerartigen Regen sorgen (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

17 Milliarden Lämpchen erstrahlen laut einer aktuellen Umfrage in der Advents- und Weihnachtszeit in deutschen Haushalten. Schmücken auch Sie ihr Heim mit Lichterketten?

Ja, ein wenig.
Ja, üppig.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1