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"Opernhäuser müssen sich öffnen"
26.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Die Oper werde auch künftig nichts von ihrem Nimbus verlieren - im Gegenteil, ist sich der Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, Peter Spuhler, sicher. "Die Menschen brauchen das Live-Erlebnis, um in unserer Gesellschaft nicht zu sehr zu vereinzeln, weil viele nicht mehr im Familienverband leben, häufig allein am PC sitzen und chatten, das meine ich nicht abfällig, ich mache das auch", erklärte er gestern im BT-Gespräch im Rahmen der "Opera Europa Konferenz" in Karlsruhe: "Wo könnten wir uns als Bezugsgesellschaft besser treffen als am Theater, bei Popkonzerten oder bei Sportveranstaltungen."

Auch die Möglichkeit des Austausches in den Theaterpausen oder nach den Vorstellungen sei den Menschen wichtig, erklärte er. Deswegen müssten sich die Opernhäuser weiter öffnen, sowohl programmatisch als auch ihre Gebäude, um auch denjenigen die Schwellenangst zu nehmen, die noch nie im Theater waren. Bei Theaterneubauten sei zu berücksichtigen, dass die Foyers mit Cafés und viel Einsicht von draußen konzipiert würden, damit sie zum Treffpunkt für die Stadtgesellschaft werden könnten. Bei der Planung für die anstehende Modernisierung des Badischen Staatstheater werde das berücksichtigt.

Der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen internationaler Häuser ist nach Spuhlers Worten denn auch das wertvollste Ergebnis der viertägigen Tagung der Opera Europa Konferenz, die am Vortag in der Rheinoper Straßburg begonnen hatte. Rund 250 Opernleute aus der ganzen Welt, nicht nur vom europäischen Verband, sondern auch von Opera America und Opera Latinoamerica, sogar Kollegen aus China, seien angereist. Gestern Abend wurde die Opernkonferenz am Badischen Staatstheater fortgeführt.

Als zentrales Ereignis der Konferenz war gestern der "Weltoperntag" ausgerufen worden, der eine Sensibilisierungskampagne für den Wert der Oper in der Gesellschaft sein will und auf ihre gesellschaftliche Relevanz als eine wichtige Kunstform hinweisen möchte, die dazu beiträgt Toleranz und Verständnis zu entwickeln, den Geist zu öffnen und Brücken des kulturellen Austausches zu bauen. Weltweit gab es gestern Opernübertragungen über die von der EU unterstützte "OperaVision", einer kostenlosen Opern-Streaming-Plattform (auch heute und morgen); es gab Opern auf Plätzen in Spanien und Italien - genauso in Karlsruhe, unter dem Motto "Oper für alle" mitten in der Stadt zu erleben.

Die Oper will Spuhler auch unterm Jahr zu den Menschen bringen und demnächst etwa mit dem Staatsopernchor im Karlsruher ECE Center auftreten. "Es gibt verschiedene Modelle, die Stadtgesellschaft einzubinden, auch Bürgerchöre bei Aufführungen in den Badischen Staatsopernchor zu integrieren", erklärte Spuhler gestern vor der Eröffnung der Opern-Konferenz in Karlsruhe, wo zum "Weltoperntag" auch die multimediale Musiktheaterproduktion "Das schlaue Füchslein" ins Programm genommen wurde. "An diesem Tag wollen wir gemeinsam zeigen, dass Oper der Gesellschaft etwas zurückgibt und das Bewusstsein für den Wert dieser Kunstform stärken", sagte der Generalintendant.

Und noch eine Erkenntnis habe die bis morgen dauernde Konferenz laut Spuhler zutage gefördert: Dass gerade junge Menschen von den neobarocken Operntempeln mit ihrem Goldstuck fasziniert seien und einen Besuch darin als außergewöhnliches Erlebnis empfinden. Es sei demnach auch nicht sinnvoll, alle alten Bühnenhäuser abzureißen und durch neue zu ersetzen, sondern zu renovieren, wie in Straßburg geplant sei. Oder eben wie im Falle des vor der Modernisierung stehenden Karlsruher Theatergebäudes aus den 70er Jahren - daraus ein offenes, anziehendes Kulturzentrum zu machen.

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