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Eisenmann kritisiert Merz scharf
Eisenmann kritisiert Merz scharf
09.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - "Sehr böse und sehr aggressiv": Kultusministerin Susanne Eisenmann hat sich zwei Wochen vor dem Leipziger CDU-Bundesparteitag erstmals öffentlich in den Führungsstreit ihrer Partei eingeschaltet und Friedrich Merz' viel diskutierten TV-Auftritt mit deutlichen Worten kritisiert.

Seine Art habe sich durch "wenig Stil und wenig Klasse" ausgezeichnet, so die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2021 bei einer Veranstaltung in Stuttgart weiter. Wie andere sei auch sie "nicht so richtig zufrieden" mit dem Zustand der CDU, warne aber davor, immer weiter untereinander zu streiten. Eisenmanns Botschaft ist von Brisanz, weil Merz in der Südwest-CDU große Sympathie genießt.

Mit 154 Delegierten waren die Baden-Württemberger vor einem Jahr beim Hamburger Bundesparteitag vertreten. Viele hatten sich schon zuvor zu Merz oder zu Jens Spahn bekannt, und Generalsekretär Manuel Hagel erklärte nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Parteichefin, er habe sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Appelle vor Ort und auch im Netz, Merz solle sich als Vize in den Dienst der Partei stellen, blieben erfolglos: Der frühere Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte an einem Aufstieg in die engste Führungsspitze kein Interesse.

Seit Mitte Oktober und dem Deutschland-Tag der Jungen Union ist alles anders. "Friedrich Merz hatte einen sehr, sehr starken Auftritt und gesagt: Wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, bin ich dabei", berichtete danach der Vorsitzende der Jungen Union im Südwesten, Philipp Bürkle. "Der Applaus hat gezeigt: Die Junge Union will, dass er an führender Stelle dabei ist." Zugleich stehe die Junge Union allerdings auch hinter der Parteivorsitzenden.

In Stuttgart ließ Eisenmann trotzdem eine bemerkenswert deutliche Distanz zu Merz erkennen. Natürlich könne jeder reden in Leipzig und sie wisse um "die Sympathie" für den bald 64-Jährigen. Was eine solche Rede bringen solle "außer starken Applaus und noch mehr Unruhe", wisse sie aber nicht. Zugleich räumte die Kultusministerin ein, dass Annegret Kramp-Karrenbauer nach gutem Start inzwischen "ziemlich außer Tritt und auf der Suche" sei. Es gebe aber eben auch "Knüppel von der Seitenlinie".

Im Zwiegespräch mit einem früheren SWR-Journalisten ließ die 54-Jährige an diesem Abend keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie als neue starke Frau der Südwest-CDU die Zügel straff in die Hand nehmen will. Ihre Empfehlung lautet: Statt immer neuer Personaldebatten mehr inhaltliche Standfestigkeit. Wenn die CDU in Berlin in der Frage der Grundrente einknicke, dann werde es "wirklich Probleme geben". An der Basis der Union sei das Thema "hochbrisant", und die Regierung mit der SPD müsse nicht um jeden Preis fortgeführt werden.

Eine Alternative im Falle einer Neuwahl hatte sie auch im Köcher. "Jamaika", antwortete sie auf eine entsprechende Frage ohne zu Zögern.

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