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Kostbares Gut für Frühgeborene
Kostbares Gut für Frühgeborene
26.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Karlsruhe/Ulm - Es ist ein Problem, das viele Mütter - insbesondere die von Frühgeborenen - betrifft: Sie können keine eigene Milch für ihre Neugeborenen bilden. Und dabei gilt Muttermilch gerade für Frühchen als entscheidend für einen guten Start. Dieser Ansicht ist auch die Grünen-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat, weshalb sie Ende vergangenen Jahres in einer Anfrage wissen wollte, ob im Städtischen Klinikum Karlsruhe eine Muttermilchbank geplant sei (wir berichteten). Rund ein Jahr später wartet man in der Fächerstadt noch immer auf eine endgültige Antwort - derweil hat das Universitätsklinikum Ulm längst die Initiative ergriffen.

In Muttermilchbanken, die meist an Kliniken angeschlossen sind, können Frauen, die zu viel Milch produzieren, den überschüssigen Teil an fremde Frühchen spenden. Die Säuglingsnahrung wird dort streng kontrolliert und mikrobiologisch untersucht. Das sei wichtig, damit keine Krankheiten an die Babys weitergegeben werden, teilt die Nationale Stillkommission mit.

Im Uniklinikum Freiburg gibt es eine solche Einrichtung bereits seit 2017 - lange war es die Einzige in ganz Baden-Württemberg. Dieses Jahr hat die Uniklinik Ulm nachgezogen. Seit April gibt es dort eine Muttermilchbank, um Frühgeborene schnell und ausreichend zu versorgen. Die Einrichtung sei ein wichtiger Schritt gewesen, betont Dr. Stefanie Baranowski, Oberärztin der Ulmer Neugeborenenstation. Als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe sei das Krankenhaus - wie das Städtische Klinikum Karlsruhe (SKK) - auf Risikoschwangerschaften und sehr kleine Frühgeborene spezialisiert. "Wir versorgen im Jahr etwa 130 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1 500 Gramm", erläutert Baranowski.

"Die beste Nahrung

für alle Neugeborenen"

Bislang kommt das Angebot laut Baranowski sehr gut an - sowohl bei den Spenderinnen als auch bei den Eltern, deren Kinder Frauenmilch (so nennt man gespendete Muttermilch) erhalten. Demnach hätten von April bis Oktober schon sieben Mütter Milch gespendet. "55 Kinder wurden schon von Frauenmilch ernährt, im Mittel für fünf Tage", berichtet Baranowski.

Ihrer Meinung nach ist Muttermilch "die beste Nahrung für alle Neugeborenen". Insbesondere für Frühchen und Neugeborene habe sie aufgrund ihrer speziellen Zusammensetzung deutliche Vorteile gegenüber der Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung. "Durch die ausschließliche Ernährung mit Frauenmilch wird etwa das Auftreten lebensbedrohlicher Darmerkrankungen bei Frühgeborenen deutlich reduziert", erklärt die Oberärztin. Die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilt diese Ansicht.

Das Städtische Klinikum Karlsruhe beschäftigt sich seit Beginn des Jahres mit der Fragestellung, ob die Eröffnung einer Frauenmilchbank in seiner Einrichtung möglich ist. Aktuell befinde man sich noch in der Konzeptphase, teilt das Klinikum auf BT-Anfrage mit. Demnach liefen noch letzte Detailprüfungen und Gespräche innerhalb des Klinikums wie auch mit Sachverständigen und Behörden.

Die beiden Geschäftsführer des SKK, Markus Heming und Dr. Uwe Spetzger, sowie der Direktor der Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Joachim Kühr, erachten eine Frauenmilchbank grundsätzlich für sinnvoll: "Wir sind uns alle einig, dass Muttermilch gerade bei Frühchen wichtig ist für einen guten Start ins Leben", betont Spetzger. Aber letztlich müsse man nach Abschluss der Konzeptphase gemeinsam - und nicht zuletzt mit der Stadt - entscheiden, ob das Konzept tragfähig und finanzierbar sei. "Und zwar sowohl für die Inbetriebnahme wie auch für den laufenden Betrieb", merkt Heming an. "Die Ergebnisse werden wir dann auch im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit präsentieren."

Verena Anlauf von den Grünen in Karlsruhe wartet gespannt auf die Ergebnisse. Es sei wohl auch noch zu klären, ob das Land einen Zuschuss gewährt oder nicht, mutmaßt sie.

In Ulm wurde der Aufbau der Frauenmilchbank durch eine Anschubfinanzierung durch den Förderkreis für intensivpflegebedürftige Kinder möglich. Die laufenden Kosten trage die Kinderklinik allerdings selbst, sagt Baranowski. Diese entstehen durch zusätzliches Personal, das für die Frauenmilchbank benötigt wird, und die notwendigen Laboruntersuchungen. Zuschüsse von der Stadt Ulm gebe es nicht. "Und auch die Krankenkassen finanzieren die Ernährung mit Spenderinnenmilch bisher nicht", fügt die Oberärztin hinzu.

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