SWR auf allen Kanälen

SWR auf allen Kanälen

Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Eine Ära geht zu Ende: Der Intendant des Südwest-Rundfunks Peter Boudgoust hat zu seiner letzten Jahrespressekonferenz geladen. Ein "bisschen Wehmut" überkomme ihn, bekannte der 64-Jährige, der eigentlich bis 2022 gewählt ist. Aber den Zeitpunkt des Ausstiegs richtig zu wählen sei "ein wichtiger Teil der Kunst, so ein Haus zu führen".

Als der Spitzenbeamte unter Lothar Späth und Erwin Teufel 1995 als Justiziar und Finanzchef zum Rundfunk wechselte, war das noch der Süddeutsche. Später wurde er SWR-Verwaltungsdirektor, 2006 übernahm er den Chefposten des Intendanten. Die ersten Themenwochen sorgten damals für Furore, der SWR heimste Preise ein und bewährte sich bei Großereignissen, allen voran dem NATO-Gipfel 2009. "An der Arbeit hat mein Herz gehangen", blickt Boudgoust zurück und vergisst nicht, seinen Sender gebührend zu loben. "Der SWR bietet verlässliche und gut recherchierte Fakten und mitreißende Unterhaltung."

Auch 2019, unter vielen anderen mit einer Sondersendung aus Karlsruhe, die im Mai im Ersten zu 70 Jahren Grundgesetz ausgestrahlt wird und mit einer Sondersendung im Dritten, die besonderes Augenmerk auf Menschen aus dem Südwesten legen wird, etwa auf Theodor Heuss, den legendären ersten Bundespräsidenten, der mit Elisabeth Selbert um die Gleichberechtigung stritt.

Bereits im März ein Programmschwerpunkt ist der Winnender Amoklauf, der sich zum zehnten Mal jährt. Im Herbst steht "Die Notregierung. Ungeliebte Koalition" auf dem Programm, eine Fortführung von "Im Labyrinth der Macht. Protokoll einer Regierungsbildung", für das Autor Stephan Lamby auch für den Grimme-Preis 2019 nominiert ist.

Vor gut acht Jahren, als der SWR viele Stunden lang die Schlichtung zu Stuttgart 21 aus dem Stuttgarter Rathaus live übertrug, hatte der Intendant versprochen, hinter dieses Level für politisch relevante Berichterstattung nicht mehr zurückzufallen. "Wir werden uns immer bemühen", sagt Boudgoust heute, gefragt nach der AfD, "mit höchster Professionalität zu berichten", damit die Bürger sich ihr eigenes Urteil bilden könnten. "Und wir wollen konstruktiven Journalismus betreiben", verweist Kulturdirektor Gerold Hug auf eine der Themenwochen, im Mai unter dem Motto "Rettet die Insekten".

Nicht nur auf den herkömmlichen Wegen soll das Bewusstsein geschärft werden. Auch über Facebook und Youtube will der Sender Nutzer erreichen.

Die größte Herausforderung für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin - über Details hat er sich öffentliches Schweigen verordnet - sieht Boudgoust in der digitalen Revolution. Denn die werde alles verändern, und er persönlich glaubt, dass schon in wenigen Jahren nichts mehr so ist, wie es war, weil "unser lineares Programm dann primär ein Schaufenster sein wird für das, was Interessierte nonlinear abrufen".

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