"Möchte meinen Gästen gut zuhören"

'Möchte meinen Gästen gut zuhören'

Von Marvin Lauser

Gaby Hautmann ist ein Voll-Profi - durch und durch. Charmant, charismatisch und elegant wechselt "die erfolgreichste deutsche Schriftstellerin", wie die Zeitung "Die Welt" sie nennt, zwischen Smalltalk mit alten Bekannten, Wegbegleitern, Fans und dem souveränen und professionellen Auftreten auf der Bühne im Florentiner Saal des Kurhauses in Baden-Baden. Im Rahmen der Lesungsreihe im Casino hat Hauptmann aus ihrem neusten Roman "Plötzlich Millionärin - nichts wie weg" vorgelesen. Dabei gab die 61-Jährige auch einige Anekdoten und Bonmots zum Besten.

Begegnungen mit Altkanzler Schröder, Episoden aus ihrer Zeit beim SWF - wie der Südwestrundfunk (SWR) damals noch hieß - und Hintergründe zu ihren Recherchereisen streute die ehemalige Wahl-Gaggenauerin gekonnt ein.

Im Vorfeld ihrer Lesung - in ihrem aktuellen Roman geht es um eine Frau, die nach einem Lottogewinn mit Mitte 40 einen Neuanfang wagt - hat sich die Erfolgsautorin in der Bar des Casinos Zeit für ein Gespräch mit dem BT genommen.

Aktuell schreibt sie an einem weiteren Roman, der in Schanghai spielen soll. Hauptmann möchte noch vor Start ihrer neuen Sendung damit fertig werden. Im "Talk am See" sollen laut dem Sender "Menschen zu Wort kommen, die etwas Besonderes erlebt oder geleistet haben". Es soll um aktuelle gesellschaftlich relevante Themen, aber auch das Neuste vom Boulevard gehen. Eingeladen werden spannende Menschen und Prominente aus dem Südwesten.

"Wenn der Papst kommt, darf er auch alleine kommen, aber ansonsten wird es sich je nach Themenlage wahrscheinlich bei vier bis fünf Gästen einpendeln", schätzt die Moderatorin. "Je nachdem, was einer zu erzählen hat, muss man der Sache auch Raum lassen, dann braucht es die zehn Minuten", betont die in Trossingen geborene Schriftstellerin. Überhaupt sei die Sendung noch recht offen. Sie werde ständig gefragt: "Wer ist denn der erste Gast?", entgegnet die Journalistin, die ihr Volontariat beim "Südkurier" machte, auf die Frage nach möglichen Gästen. "Das können wir noch gar nicht sagen. Wir haben in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und im Saarland wirklich interessante Leute. Künstler, Sportler, Wissenschaftler. An Themen wird es nicht mangeln. Sie liegen ja jeden Tag auf der Straße. Es muss halt so sein, dass es immer Themen sind, die die Leute vor dem Fernsehapparat auch interessant und spannend finden. Wenn es am nächsten Tag Gesprächsstoff ist, dann ist es uns geglückt." Für eine Talksendung mit Aktualitätsanspruch, "könne man das nicht so vorplanen", betont die Schwäbin.

"Ich hätte gern junge Leute dabei. Ob man überhaupt noch mal junge Leute vor den Fernseher kriegt, ist ja schon mal die große Frage, aber versuchen kann man es ja." Sie habe die Hoffnung, wenn Junge in einer Talkshow sitzen, dass dann auch Junge die Sendung schauen. Interaktiv ist das Zauberwort.

Talk in ehemaliger Stiftskirche in Konstanz

"Ich möchte, dass das Saalpublikum den Gästen Fragen stellen kann. Diese Interaktion finde ich wichtig. Ich will, dass die Gäste involviert sind", betont die Autorin des Bestsellers "Suche impotenten Mann fürs Leben". Wenn sie moderiere, so Hauptmann, versuche sie die Menschen untereinander im Gespräch zu halten: "Ich stülpe da nicht meine Überzeugungen über die Anderen. Als Moderatorin muss ich meinen Gästen ja nicht die Welt erklären. Ich finde das ätzend, wenn Moderatoren sich so wichtig nehmen. Mein Ansatz ist es, die spannenden Details aus meinen Gästen herauszulocken." Hauptmann, die Talksendungen aus allen Blickwinkeln kennt - als Redakteurin, Moderatorin oder Gast - weiß genau, was Letztere mögen: "Zum Beispiel, dass man aussprechen darf. Ich möchte meinen Gästen Raum lassen, ihnen zuhören, auf das Gesagte eingehen, gut vorbereitet sein."

Setting der Gesprächsrunde ist die im 7./8. Jahrhundert erbaute ehemalige Stiftskirche St. Johann in Konstanz. "Diese Stiftskirche hat wahnsinnige Wege durchlaufen, sie war mal Hotel, Kaserne, Lazarett, dann wieder Hotel, Restaurant, Markthalle", Ausstellungsort für Kunst, ein Ladengeschäft "und vor allen Dingen Veranstaltungsort für viele tolle Feste. Die Kirche ist mit guten Gefühlen gepflastert, muss man echt sagen."

Am Samstag, 11. Mai, um 22.15 Uhr feiert "Talk am See" Premiere. Die 60-minütige Talksendung erhält drei Jahre nach der letzten Ausstrahlung von "Menschen der Woche" den Sendeplatz der Kultsendung mit Frank Elstner. Mit dem großen Talkmaster möchte sich Hauptmann aber nicht vergleichen: "Ich finde, dass Frank Elstner wirklich ein wahnsinnig toller Talkmaster war - fachlich und menschlich. Das sind aber wirklich zwei verschiedene Paar Stiefel. Der Sendeplatz war einfach vakant. Es liegt ja auch genug Zeit dazwischen", so die in Allensbach lebende Schriftstellerin. Hauptmann hat ihr Ziel - ihre Gäste mit einem guten Gefühl zu entlassen - bei ihrer Lesung im Casino erreicht, und das wird ihr auch mit ihrem neuen Talkformat gelingen.

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